Schule : Kurzmeldungen

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Die drei Buchstaben SLR lassen die Herzen von Sportwagenfreunden schneller schlagen. Denn sie stehen für einen Mythos der Fünfziger, der als Supersportwagen für das 21. Jahrhundert derzeit seine Wiederauferstehung erlebt. In einem Fahrzeug, dessen Fahrleistungen ebenso atemberaubend sind wie sein Design, das Elemente der heutigen Formel 1 mit klassischen MercedesFormen vereint, eine Brücke zwischen Zukunft und Vergangenheit schlägt.

Einer Vergangenheit, die an eine der größten Erfolgsserien der Mercedes-Rennsportwagen anknüpft. Denn mit Fahrern wie Stirling Moss, Juan Manuel Fangio, Karl Kling und Graf Wolfgang Berghe von Trips wurde der Mercedes 300 SLR im Jahr 1955 zum erfolgreichsten Rennsportwagen der Saison. Bei der Mille Miglia, dem Eifelrennen, dem Grand Prix von Schweden, der Tourist Trophy und der Targa Florio feierte er Doppel- und sogar Dreifachsiege.

Pate bei der Entwicklung dieses Siegertyps stand ein Mercedes-Modell, das 1952 erstmals bei der Mille Miglia gestartet war und als Straßenversion 1954 seinen ersten Auftritt hatte – der Mercedes 300 SL mit seinen markanten Flügeltüren. Er lieferte mit seinem leichten und trotzdem extrem stabilen Stahlrohrrahmen und seiner Aluminiumkarosserie das Basiskonzept für den 300 SLR, der mit Fünfganggetriebe, 16- Zoll-Rädern und größer dimensionierten Bremsen antrat - und vor allem einem Motor, der wesentlich mehr Leistung lieferte als sein kleiner Bruder im SL.

Denn er war ein Achtzylinder-Reihenmotor mit Doppelzündung und - für jene Jahre geradezu sensationell - mit Benzindirekteinspritzung, der weitgehend dem Formel-1-Triebwerk des Jahres 1954 entsprach, mit dem der Silberpfeil unter anderem auch auf der Avus in Berlin siegreich gewesen war. Für den 300 SLR-Rennsportwagen hatte man den Hubraum von 2,5 auf 3,0 Liter vergrößert und erreichte eine Leistung von 228 kW (310 PS) sowie ein höchstes Drehmoment von 317 Nm. Das bedeutete souveräne Durchzugskraft und ließ den mit einem Gemisch aus 65 Prozent Benzin und 35 Prozent Benzol gefütterten 300 SLR mehr als 300 km/h erreichen. Verblüffend für die Fachwelt war allerdings, dass dieses Triebwerk trotzdem extrem haltbar war, 10 000 Kilometer im Renntempo ebenso klaglos bewältigte wie einen 32-stündigen-Nonstop-Lauf auf dem Prüfstand. Und auch das Fahrwerk und die Karosserie des 300 SLR galten wie der Motor als unverwüstlich.

Eine Konstruktion, die eng mit dem Namen des Ingenieurs Rudolf Uhlenhaut verbunden ist. Schon 1936 wurde der technischer Leiter der Rennabteilung und 1949 Chefingenieur und Chef des Pkw-Versuchs. Und er konnte nicht nur konstruieren, sondern war auch ein begnadeter Fahrer, der 1954 auf dem Hockenheimring die Bestzeit von Juan Manuel Fangio mit dem Formel-Rennwagen um glatte 3,5 Sekunden unterbot. Er ist der Vater des SL, schuf den dreidimensionalen Stahlrohrrahmen ebenso wie die Flügeltüren und die wegweisende Luftbremse im SLR-Heck. Und er kam auch auf die Idee, aus dem offenen SLR ein Coupé zu machen - den schnellsten Straßensportwagen jener Jahre, der 290 km/h erreichte. Allerdings war die Zeit damals nicht reif für eine Serienfertigung - nicht zuletzt auch mit Blick auf die Entscheidung von Mercedes-Benz, sich nach der so erfolgreichen Saison 1955 aus dem Rennsport zurückzuziehen.

Nur zwei Prototypen

Vom Uhlenhaut-Coupé entstanden so lediglich zwei Prototypen. Die allerdings zeigten eine Fülle wegweisender technischer Lösungen. Das begann mit der Karosserie, für die Uhlenhorst Bleche aus Elektron verwendete - einem leicht zu verarbeitenden Magnesiumreich, das noch leichter war als Aluminium. Die Fahrerkabine glich einem Flugzeugcockpit. Wie schon beim 300 SLR Rennsportwagen, wurde der Achtzylindermotor um seine Längsachse gedreht. So saß der Fahrer mit gespreizten Beinen hinter dem Lenkrad, denn die Kardanwelle verlief von der Kupplung schräg unter dem Fahrersitz hindurch zum Getriebe, das hinter der Hinterachse lag. Der große Vorteil dieser eigenwilligen Konstruktion war, dass man die Motorhaube besonders flach und damit die Aerodynamik günstig halten konnte – bei den hohen Geschwindigkeit, die mit diesem Auto gefahren wurden, ein entscheidender Faktor. Und um die ungefederten Massen an den Achsen gering zu halten, rückten die Bremstrommeln weit nach innen. Dieses Coupé, das von Uhlenhaut regelmäßig gefahren wurde, war der wohl schnellste Dienstwagen, den Mercedes-Benz je gebaut hatte - dazu allerdings auch der lauteste, denn sein Motorgeräusch war ohrenbetäubend. Deshalb musste Uhlenhaut bei Fahrten auf der Straße zusätzliche Schalldämpfer über die beiden Endrohe des Achtzylinders stülpen. Eines Autos, das aus heutiger Sicht einer der herausragenden Höhepunkte in der Geschichte der Supersportwagen von Mercedes-Benz war.

Eine Tradition, an die Mercedes nun mit einem neuen Supersportler anknüpft - dem SLR McLaren. Der ist ein 4,67 Meter langes zweisitziges Coupé, dessen Fahrleistungen ganz neue Dimensionen für Sportwagen eröffnen. Denn für den Spurt auf Tempo 100 reichen dem 1600 Kilogramm wiegenden Boliden mit der Nase der aktuellen Formel-1-Wagen gerade einmal 3,9 Sekunden. Bereits nach knapp zehn Sekunden passiert die Tachonadel die Tempo-200-Marke und nach ungefähr 30 Sekunden werden 300 km/h erreicht. Aber auch dann ist noch nicht Schluss, denn der Wagen beschleunigt auf bis zu 340 km/h.

Die Kraft dafür liefert ein 5,4-Liter-V8-Motor, der von einem Kompressor aufgeladen wird und mit einem Wasser-Ladeluftkühler ausgestattet ist - ein Triebwerk, das bei Mercedes-AMG in Affalterbach entsteht und mit wahrscheinlich 455 kW (618 PS) und einem höchsten Drehmoment von mehr als 700 Nm einen neuen Spitzenwert für einen Sportwagen markiert. Für ein Auto, dass trotz seiner gewaltigen Kraft so ausgelegt wird, dass es in einem verblüffend hohen Maß alltagstauglich ist. Das gilt für einen erträglichen Fahrkomfort bis hin zu einem wenn auch kleinen Gepäckraum. Denn im Unterschied zum Uhlenhaut-Coupé der Fünfziger soll der SLR McLaren in einer respektablen Serie gefertigt werden. Etwa 500 Exemplare pro Jahr sind vorgesehen, was für einen Produktionszeitraum von etwa sieben Jahren eine Gesamtserie von 3500 Fahrzeugen ergibt. Autos, deren Preis sie allerdings nur für wenige erschwinglich macht. Denn wenn es bislang auch noch keinen genauen Preis gibt, scheinen zwischen 350 000 Euro und 370 000 Euro in etwa die richtige Größenordnung zu markieren.

Allerdings hat Mercedes-Benz auch erheblich in die Entwicklung und die Produktionsanlagen für diesen Supersportler investiert - um die 200 Millionen Euro werden genannt, die Mercedes und McLaren gemeinsam aufbringen. Gebaut wird der SLR in England, in einem neu errichteten Werk von McLaren Cars in Woking. Natürlich steckt in diesem Auto innovative Technik in so gut wie jedem Detail. So besteht die Karosserie durchweg aus einer intelligenten Kombination von Kohlefaser-Materialien und anderen Hochleistungs-Werkstoffen. Damit wird es möglich, das Fahrzeug vergleichsweise leicht zu halten und trotzdem an Maximum an Stabilität zu verwirklichen – und auch ein hohes Maß an Sicherheit für die Insassen. Schnelle Autos brauchen aber nicht nur einen kraftvollen Antrieb. Ebenso wichtig ist ein extrem leistungsfähiges Bremssystem. Hier setzt man neben der modernsten Elektronik auf Bremsscheiben aus faserverstärkter Keramik. Und auch beim Fahrwerk werden die modernsten Regel- und Assistenzsysteme dafür sorgen, dass dieses Auto auch bei Höchstgeschwindigkeit sicher beherrschbar bleibt.

Beim Design erkennt man ganz klar Bezüge zur großen Vergangenheit der Silberpfeile. Das gilt zum Beispiel für die Flügeltüren des SLR McLaren, die lang gestreckte Motorhaube, die sehr prägnanten seitlichen Luftöffnungen in den Kotflügeln, die markanten Sidepipes und das kurze Heck des neuen Supersportlers. Ein modernes Designelement sind die Scheinwerfer im seit 1995 verwendeten Vier-Augen-Design. Ganz modern ist die Kombination zwischen weichen Formen und straffen Linien, die auch viele Mercedes-Modelle unserer Tage kennzeichnet. Innen dagegen schlagen Rundinstrumente im Chromometer-Design eine Brücke in die große Vergangenheit der Mercedes-Sportwagen während Lenkrad und Bedienelemnte aus unserer Zeit stammen.

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