Landesinstitut für Berufsschulen : ...und alle Fragen offen

Für die Berufsschulen wird ein neues Landesinstitut diskutiert – seit Jahren.

Wenn Rashied Milli über seine Schule spricht, hat man einen zufriedenen Menschen vor sich. „Ich wusste nichts von meinem Glück, bevor ich hier angefangen habe“, sagt der Schülersprecher ins Mikro, nachdem die Moderatorin ihn danach gefragt hat, was ihm zum 30. Geburtstag der Ernst-Litfaß-Schule einfällt. Links neben ihm sitzt Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) und rechts davon hat Schulleiter Pit Rulff Platz genommen. Ansonsten gibt es noch Akrobatik, Musik und vor allem überall bunte Plakate, Broschüren und Bücher, die allesamt zeigen, was die Litfaß-Schule am besten kann: Druck- und Medientechnik, Buchbinderei, Geovisualisierung.

Im Hof des Achtziger-Jahre-Baus in Wittenau sitzen an diesem Freitag allerdings nicht nur hunderte Schüler und Berufsschullehrer, die ordentlich Geburtstag feiern wollen, sondern auch ein paar Leute, denen nicht so sehr nach feiern zu- mute ist. Sie lassen Rackles nicht aus den Augen, weil sie von ihm ein erlösendes Wort zur Reform der Berufsschulen erhoffen, die seit Jahren diskutiert wird. Da warten sie allerdings vergebens, denn noch ist nichts entschieden.

Noch vor einigen Monaten sah es ganz anders aus. Da hatte Rackles den neuesten Vorschlag für die Zukunft der beruflichen Bildung vorgestellt. Im Zentrum stand die Schaffung eines Landesinstituts für Berufliche Schulen, das alle öffentlichen Berufsschulen und Oberstufenzentren mit ihren 75 000 Schülern und 6000 Lehrern bündeln sollte, um ihre Arbeit qualitativ besser, flexibler und marktorientierter organisieren zu können. Das Konzept war von großen Erwartungen begleitet, denn eine Arbeitsgruppe der Bildungsverwaltung mit sechs Schulleitern hatte rund zwei Jahre damit zugebracht.

Was danach einsetzte, war allerdings eine Welle von ablehnenden Reaktionen. „Der Entwurf basiert auf keiner Analyse der gegenwärtigen Situation, umreißt unzureichend bildungspolitische Ziele, formuliert weder Aufgaben, noch setzt er Prioritäten“, lautete die vernichtende Einschätzung der Unternehmerverbände mit IHK und Handwerkskammer, die sich offenbar nicht genügend einbezogen fühlten. Ähnlich negativ, wenn auch aus anderen Gründen, fiel die Reaktion der GEW aus, die fürchtet, dass die Personalräte an die Schulen wechseln und somit ihrem direkten Einfluss entzogen wären. Im August dann kolportierte der Arbeitskreis Berufliche Bildung der SPD, dass sich Rackles bereits von der Institutsidee verabschiedet habe. Der Staatssekretär war über diese „inhaltlich falsche“ Darstellung derart empört, dass er eine Einladung des Arbeitskreises absagte. Seither heißt die beschwörende Formel aus der Bildungsverwaltung, die Sache mit dem Institut werde „ergebnisoffen“ geprüft.

Raschied Milli hat damit kein Problem. Er will studieren, nachdem er seinen „Medientechnischen Assistenten“ in der Tasche hat und wünscht seiner Schule für die nächsten 30 Jahre Zukunft alles Gute – mit oder ohne Reform. sve

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