Landesschülersprecherin : "Du kannst das"

Erst 14, aber schon mitten drin – Beatrice Knörich ist Berlins neue Landesschülersprecherin. Ein Interview.

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Beatrice Knörich besucht das Köpenicker Montgolfier-Gymnasium.
Beatrice Knörich besucht das Köpenicker Montgolfier-Gymnasium.Foto: Kitty-Kleist-Heinrich

Herzlichen Glückwunsch zur Wahl als Landesschülersprecherin! Was hast du dir denn vorgenommen in deinem neuen Amt?

Ich will vor allem die Vernetzung zwischen den Bezirksschülerausschüssen und den Schulen erhöhen. Denn hier hapert es an der Kommunikation.

Wie lässt sich das ändern?

Man muss die Schüler ermutigen sich einzumischen und in die Politik zu gehen.

Das ist offenbar nicht so einfach. Bevor dein Vorgänger gewählt wurde, gab es monatelang keinen Landesschülersprecher.

Ja, es kostet eben Überwindung, sich hinzustellen und zu sagen: „Ich mache das.“

Und wie kam es dazu, dass du dich bereit erklärt hast?

Ich wollte mich schon immer gern einmischen. Meine Klassenkameraden haben dann gesagt: „Du kannst das“.

Viele jüngere Lehrer sind unzufrieden darüber, dass sie weniger verdienen als ihre verbeamteten Kollegen. Manche drohen mit Abwanderung. Findest du es in Ordnung, dass die Lehrer das Problem jetzt verstärkt an die Schüler und Eltern herantragen?

Ich finde es komplett in Ordnung, denn dadurch könnten sie mehr erreichen.

Kann es nicht sein, dass Schüler sich gezwungen fühlen, sich mit den Lehrern zu solidarisieren, weil sie andernfalls um ihre gute Beziehung zum Lehrer fürchten?

Nein, das denke ich eher nicht.

Will sich der Landesschülerausschuss mit diesem Thema befassen? Will er sich für eine bessere Bezahlung stark machen?

Das Problem ist Thema unserer nächsten Sitzung und dort werden wir dann darüber diskutieren.

Wie findest du es, dass Charlottenburger Schüler jetzt selbst Buttons herstellen, auf denen sie mehr Geld für ihre Lehrer fordern?

Sie setzen sich tatkräftig dafür ein, und das finde ich super.

Der Landeselternausschuss diskutiert die Frage, ob der Mittlere Schulabschluss an Gymnasien nötig ist, weil er sehr aufwendig ist und sowieso fast alle Gymnasiasten ihn schaffen. Wie siehst du das?

Es mag sein, dass fast alle ihn bestehen, aber was ist mit denen, die ihn nicht oder nur knapp bestehen? Die, die ihn nicht bestehen, wiederholen das Jahr und die, die ihn nur knapp bestehen, haben ein Problem beim Abitur. Wenn man also den MSA abschafft, weiß keiner genau, wie eine Prüfung abläuft. Außerdem besteht doch immer die Gefahr, dass man das Abi nicht schafft, und dann steht man ganz ohne Schulabschluss da.

Es gibt den Vorschlag, dass man die Versetzung in die 11. Klasse an Gymnasien als bestandenen MSA wertet. Wäre das keine Lösung?

Es wäre eine Lösung, jedoch besteht dann noch immer das Problem, vor dem Abitur nie eine Prüfung in dieser Form erlebt zu haben.

Es fällt sehr viel Unterricht aus, weil die Gymnasien gleichzeitig Abitur und MSA bewältigen müssen. Spricht das nicht auch gegen den MSA?

Stimmt. Aber die Schulen können an diesen Tagen Hausarbeitstage ansetzen, und die Schüler lernen dann zu Hause.

In Berlin kann man auch mit Vieren oder Fünfen auf das Gymnasium kommen. In der Folge müssen jetzt rund 1000 Schüler damit rechnen, das Probejahr nicht zu schaffen. Was hältst du von dem Vorschlag, dass man bei einem Schnitt von 2,7 oder ähnlich eine Grenze zieht?

Wir könnten uns auch ein Beispiel an unseren Nachbarländern nehmen und so wie in der Schweiz bei jedem, der sich anmeldet, einen Test durchführen.

Das Gespräch führte S. Vieth-Entus

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