Schule : Lehrer sollen von Lehrern lernen

Von A wie „Aktive Pause“ bis Z wie „Ziele“ – die Bildungsverwaltung hat Ideen gesammelt

Patricia Hecht

Auf den ersten Blick sieht es aus, als sei die Klasse in ganz normale Gruppenarbeit vertieft. Aber die Schüler, die sich jeweils zu viert über geometrische Formeln beugen, sitzen nicht nur einige Minuten zusammen, um eine Aufgabe zu lösen. Die Zehntklässler des Heinz-Berggruen-Gymnasiums in Westend verbringen bis zu 80 Prozent ihres Mathematikunterrichts in kleinen Gruppen – und versuchen dabei, sich den Stoff größtenteils selbstständig anzueignen.

„Frontalunterricht findet in meinen Stunden kaum noch statt“, sagt Frank Ufert, Studienrat für Mathematik und Erdkunde, der seinen Unterricht seit über einem Jahr neu organisiert. Angelehnt an die Methode „Selbstorganisiertes Lernen“ leitet er seine Schüler mit fachlichen Anreizen dazu an, sich die Themen selbst zu erschließen. Im Plenum werden nur eine Einführung sowie offene Fragen am Ende der Stunde besprochen. „Aktiv handeln ist etwas anderes als nur Zuhören“, sagt Ufert. Information werde bei den Schülern durch die eigene Aktivität zu Wissen.

Ufert wollte seine Erfahrungen teilen: Zusammen mit anderen Pädagogen ist er dem Aufruf der Bildungsverwaltung gefolgt und hat das, was ihm wichtig erscheint, in Kurzform zusammengefasst. Jetzt steckt sein Beitrag mit rund 80 weiteren in einem blauen Karteikasten namens „Gute Schule“, den Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) jüngst vorgestellt hat. Darin kann man nachlesen, welche Lernmethoden an einzelnen Schulen erfolgreich sind, welche Aspekte zu einem guten Schulklima beitragen und vieles mehr (siehe Beitrag unten).

Geschrieben wurden die Karteikarten von Pädagogen aus knapp 60 Schulen. „Den Akteuren ist oft gar nicht bewusst, dass ihr Handeln beispielhaft für andere sein kann“, sagt Ursel Laubenthal von der Bildungsverwaltung, die das Projekt koordiniert hat. „Aber an jeder Schule gibt es Abläufe oder Methoden, die für andere Schulen anregend sein können.“

So finden sich nun ganz unterschiedliche Karten im Kasten: Es gibt Tipps, wie jahrgangsübergreifendes Lernen gewinnbringend umgesetzt werden kann, wann und wie Berufsberatung sinnvoll ist oder wie Unterrichtsräume lernfördernd gestaltet werden können. „Idealerweise sollte der Kasten im Lehrerzimmer der Schulen stehen“, sagt Ursel Laubenthal, „so dass jeder mal stöbern kann.“

Literaturtipps zu den praktischen Hinweisen sowie die Autoren sind mit Namen und Mailadresse auf einer der Karten verzeichnet – bei Interesse an einem Thema ist so auch der direkte Austausch mit dem Schreiber möglich. Und jederzeit erweitern können Lehrer den Kasten auch: einfach neue Karten beschreiben und dazulegen.

Mathematiklehrer Uferts Karteikarte trägt den Titel: „Lernqualität“. Vorne sind Ziele, hinten einzelne Schritte beschrieben, wie die Schüler zu eigenverantwortlichem Lernen angeleitet werden können. „Es ist sehr verkürzt dargestellt“, bedauert Ufert, der bereits Broschüren zum Thema verfasst hat. „Aber vielleicht macht die Karte ja Lust, mehr zu erfahren.“

An seiner eigenen Schule hat er bereits Mitstreiter gefunden. Zusammen mit ihm arbeiten sechs weitere Lehrer in unterschiedlichen Fächern daran, autonomes Lernen, wie es in der Oberstufe oder der Universität ohnehin verlangt wird, schon in der Mittelstufe zu fördern.

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