Lehrermangel : Berufsschüler gehen auf die Straße

Etwa 1.000 Schüler und Lehrer haben am Donnerstag an der Hochschule der Künste gegen die weitere Versetzung von Berufsschullehrern protestiert. Diese sollen an anderen Schulen aushelfen - Lehrermangel an den Berufsschulen ist die Folge.

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Kurz vor Beginn des zweiten Schulhalbjahres wächst in den Schulen die Unruhe angesichts offener Stellen, die nicht besetzt werden können. Gleichzeitig wehren sich die Berufsschulen dagegen, dass sie Lehrer abgeben müssen, um in den Gymnasien und Sekundarschulen Lücken zu stopfen. Bis zu 1000 Lehrer und Schüler machten am Donnerstag in und vor der Hochschule der Künste ihrem Unmut Luft.

„Wir sollen fünf Lehrer abgeben und uns kurz vor den Prüfungen auf neue Lehrer einstellen“, beklagt sich die 22-jährige Helene Helm, die am Oberstufenzentrum Bürowirtschaft in Lichtenberg im Mai ihr Abitur ablegen will. Zusammen mit anderen hat sie ein „Schülerkomitee“ gebildet, um gegen die Lehrerumsetzungen zu protestieren. Die Stimmung sei „sachlich-kämpferisch gewesen“, berichtete Pit Rulff vom Verband der berufsbildenden Schulen. Verärgert sind vor allem die Berufsschulen, die Lehrer abgeben sollen, die sich gerade erst durch Fortbildungen für ihr spezielles Schulprofil fit gemacht haben. Rulff hat aber zufrieden zur Kenntnis genommen, dass sich Ludger Pieper, Abteilungsleiter in der Bildungsverwaltung, für Kompromisse einsetzen will. So sei bei der Personalversammlung davon die Rede gewesen, dass vielleicht jene Schulen vom Versetzungskarussell ausgenommen werden, deren Personalüberhänge in absehbarer Zeit durch Pensionierungen ohnehin verloren gehen. Insgesamt sollen laut Rulff 40 Berufsschullehrer versetzt werden: 20 an andere Berufsschulen, weitere 20 an allgemeinbildende Schulen. Hier warten Rektoren und Eltern dringend auf Verstärkung.

„Bei uns sind seit dem Sommer zwei Stellen frei“, beklagt etwa Miriam Pech von der Weißenseer Heinz-Brandt-Sekundarschule. Sie mache sich „größte Sorgen“, weil noch immer keine Verstärkung in Sicht sei. Als besonders entmutigend beschreibt sie zwei sogenannte Lehrercastings in der vergangenen Woche. Von 20 erwarteten Kräften seien am Montag nur zehn erschienen, am Donnerstag dann sogar nur fünf von den eingeladenen 15 Mathematik- / Physiklehrern. Etliche Schulen seien also leer ausgegangen, darunter auch ihre. Den Fachunterricht versucht Pech durch Mehrarbeit auszugleichen, was auf die Dauer aber nicht gehe.

Entspannt hat sich die Lage am Werner-von-Siemens-Gymnasium in Zehlendorf. Hier fehlten neun Lehrer. Inzwischen kamen Erkrankte zurück, zwei weitere Lücken konnten durch Neueinstellungen geschlossen werden. Um den Unterricht abdecken zu können, muss die Schule aber zwei reguläre Stellen aus dem Vertretungsbudget bezahlen. Dafür ist es aber nicht gedacht. Eltern und Schüler sind mit der Situation unzufrieden und wollen an ihrem Plan festhalten, am 24. Februar einen Aktionstag zu organisieren. Dabei wird es nicht bleiben. Landeselternsprecher Günter Peiritsch hat angekündigt, dass ab Ende Februar „gegen den Mangel an unseren Schulen“ protestiert werden soll. In welcher Form, ist noch offen. Bisher sind 126 der geplanten 211 Neueinstellungen zum neuen Halbjahr abgeschlossen. Die Zeit drängt, denn heute gibt es Zeugnisse und in einer Woche, am 7. Februar, sind die Winterferien schon wieder vorbei.

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