Lehrermangel in Berlin - neue Zahlen : Schon 1200 Seiteneinsteiger auf der Bewerberliste

Täglich steigt die Zahl der Bewerber ohne Lehrerausbildung, die in Berlins Schulen Arbeit finden wollen. Die Seiteneinsteiger können sich berufsbegleitend qualifizieren. Die Lehrerinitiative "Bildet Berlin" warnt jedoch vor den Folgen.

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Berlins Lehrer werden knapp, seit mehr Pädagogen in Pension gehen als ausgebildet wurden. Jetzt wird auf Nachwuchs aus anderen Bundesländern und auf Quereinsteiger gesetzt.
Berlins Lehrer werden knapp, seit mehr Pädagogen in Pension gehen als ausgebildet wurden. Jetzt wird auf Nachwuchs aus anderen...Foto: dapd

Die Telefone stehen nicht still, und die Postfächer laufen über: Rund 1200 Seiteneinsteiger haben sich bereits darum beworben, vom Sommer an in Berlins Schulen als Lehrer zu arbeiten. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis 31. März, aber auch "verspätet eingereichte Bewerbungen werden bei Bedarf noch zum Schuljahresbeginn berücksichtigt", heißt es auf der Homepage der Bildungsverwaltung. Mit welch' rasanter Geschwindigkeit die Bewerbungen einlaufen, kann man schon daran sehen, dass die Zahl innerhalb einer Woche um rund 500 gestiegen ist. Die Entwicklung sei "bemerkenswert und erfreulich", kommentierte die Sprecherin der Bildungsverwaltung, Beate Stoffers, den Ansturm. Wie viele Bewerber es aktuell mit abgeschlossenem Lehramtsstudium gibt, konnte Stoffers nicht sagen. Die Seiteneinsteiger sollen eine berufsbegleitende Ausbildung absolvieren.. Die Junglehrerinitiative "Bildet Berlin" kritisiert, die breite Aufnahme von Seiteneinsteigern sei als "Instrumente ungeeignet", um die Berliner Personalproblem zu lösen. Die Schüler und die Schulqualität in Berlin seien dabei die Verlierer, warnt der Sprecher von "Bildet Berlin", Florian Bublys.

Bublys kündigte für den 27. März eine Kundgebung auf dem Potsdamer Platz an. Sie steht unter der Überschrift "Schluss mit den Luftnummern“. Eine Rolle soll dabei auch das verspottete "Maßnahmepaket zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs", das der Senat im April 2013 bekannt gemacht hatte. Damals wurde zwar die Wiedereinführung der Altersermäßigung für Lehrer verkündet, allerdings gekoppelt mit einigen Verschlechterungen. Angesichts des sich verstärkenden Lehrermangels wurde damals auch bereits der Einstieg für Seiteneinsteiger erleichtert, was aber nur für bestimmte Mangelfächern galt. Inzwischen wurden alle Fächer bis auf Geschichte, Sozial- und Erdkunde zu Mangelfächern erklärt. Nach der Kundgebung auf dem Potsdamer Platz will "Bildet Berlin" Unterschriften sammeln und dem Senat übergeben. Außerdem werde es auch eine Eltern-Demonstration geben, die sich gegen den Unterrichtsausfall an der Humboldthain-Grundschule wendet, kündigt "Bildet Berlin". Wie berichtet, gab es an der Grundschule tagelang Kurzunterricht und nur eingeschränkte Hortbetreuung.

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