Lehrerpreis für Berliner Pädagogin : Steglitzerin für Schüler die erste Wahl

Die Berliner Gymnasiallehrerin Katja Nordhaus wird mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet. An ihrer Steglitzer Schule gründete sie eine Debattier-AG. Ihre Schüler haben sie vorgeschlagen

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Foto: Mike Wolff
Ausgezeichnet. Katja Nordhaus vom Hermann-Ehlers-Gymnasium.

Sollte man Hausaufgaben abschaffen? Diese und andere Fragen diskutiert Katja Natascha Nordhaus vom Hermann-Ehlers-Gymnasium in Steglitz mit ihren Schülern. Im Jahr 2007 hat Nordhaus an ihrer Schule die erste Debattier-AG ins Leben gerufen, weil einer ihrer Schüler am Wettbewerb „Jugend debattiert“ teilnehmen wollte. Nun hat die Lehrerin für Politik, Geschichte und Englisch als einzige Lehrkraft aus Berlin den diesjährigen Deutschen Lehrerpreis in der Kategorie „Schüler zeichnen aus“ erhalten. Deutschlandweit wurden 16 Lehrer gewürdigt. 2500 Abschlussschüler hatten Lehrer nominiert, durch die sie besonders gefördert wurden. Nur Pädagogen, die mehrere Schüler hinter sich hatten, konnten gewinnen.

„Sie hat es geschafft, dass ich mich auch privat mit Politik beschäftige“, begründete ein Schüler seine Stimme für die 49-Jährige. Ein anderer habe bei Nordhaus gelernt, frei zu sprechen und so an Selbstvertrauen gewonnen. In der Debattier-AG lernen die Schüler, sich umstrittenen Themen sachlich zu nähern. „Beim Debattieren kommt man sich menschlich näher“, meint Nordhaus. Sich auf strukturierte Weise mit anderen auseinanderzu- setzen, helfe in vielen Berufen und im Schulalltag. Einmal wurde Nordhaus bereits von einem Kollegen auf die Rhetorik ihrer Schüler angesprochen. Ein Schüler hatte eine bessere Note gefordert, mit der Begründung, dass das im Interesse des Lehrers liege. Durch eine bessere Note bekäme der Schüler einen besseren Job und ein besseres Einkommen, wodurch die Rente des Lehrers gesichert sei.

Nordhaus setzt sich dafür ein, auch im regulären Unterricht öfter zu debattieren. Neben Politik und sprachlichen Fächern eignen sich ihrer Meinung nach dafür auch naturwissenschaftliche Themen wie die Gentechnologie. Drei weitere Lehrer der Schule haben mittlerweile eine Fortbildung zu dem Thema besucht.

„Präsentieren wird in allen Fächern wichtiger“, sagt Schulleiterin Gisela Pflug. Das zeige sich etwa an der zusätzlichen Prüfungskomponente Präsentieren bei Mittlerem Schulabschluss und Abitur. Die Debattier-AG werde dadurch für Schüler noch attraktiver.

Als Lehrer bekomme man nicht oft Rückmeldung, dass etwas toll gewesen ist, meint Nordhaus. Manchmal erzählen Eltern, was den Kindern gefallen habe. Manchmal bedanken sich Schüler nach dem Abschluss – denn dann könnten sie nicht mehr des Schleimens bezichtigt werden. Im Alltag zeigen ihr die direkten Reaktionen der Schüler, ob der Unterricht ankommt oder nicht. Wenn sich die Schüler lebhaft beteiligen, sei das eine Bestätigung. Manchen gehe auch merkbar ein Licht auf, dann höre sie mitten im Unterricht ein „Aha!“.

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