Schule : Leipziger Allerlei

Auf der „Auto Mobil International“ werden die Premieren des Jahres gezeigt: vom Kleinwagen bis zur Luxuskarosse

Ingo von Dahlern

In den Brieftaschen potenzieller Autokäufer wird das Geld immer knapper. Parallel dazu scheint sich derzeit eine neue Einstellung zum Auto zu etablieren. Für immer mehr Menschen darf ein neues Auto wieder preiswert sein – an die Stelle von prestigeträchtigen Erlebnismobilen mit viel Komfort und Luxus treten zusehends Sparmobile. Beim Auto für das 21. Jahrhundert denken rund 70 Prozent der Deutschen an das Merkmal „sparsam“ und nur jeder Zehnte an „erlebnisreich“. Das hat eine gerade abgeschlossene Befragung durch das renommierte BAT Freizeit-Forschungsinstitut ergeben. Das Auto unserer Tage muss danach vor allem sparsam, sicher, solide, leistungsfähig und erschwinglich sein.

Mit Blick auf diese Entwicklung ist das Angebot der heute beginnenden neuntägigen Leipziger Frühjahrsschau „Auto Mobil International“ (AMI) ein Volltreffer. Denn einer der großen Schwerpunkte in Leipzig sind diesmal neue kleine Wagen. Und darunter sind nicht nur die bereits vor vier Wochen in Genf gezeigten Premieren, sondern erstmals auch Leipziger Weltpremieren. Mit dem runderneuerten Polo und dem neuen Fox, der die Nachfolge des Lupo antritt, zeigt Volkswagen kurz nach Markteinführung des neuen Passat, dass man auch in den kleinen Klassen weiter ernsthaft mitspielen möchte – ein wichtiges Signal angesichts schnell wachsender Konkurrenz: Neben dem rumänischen Preisbrecher Dacia Logan, dem vom indischen Hersteller Tata produzierten neuen City Rover, dem rundum europäischen Suzuki Swift, dem innovativen Microvan Peugeot 1007 und der zweiten Generation des Matiz, die nun unter dem Markennamen Chevrolet antritt, gehörte dazu auch das Trio Citroen C1, Peugeot 107 und Toyota Aygo.

Diese Kooperation von Toyota ist eine ganz neue Art von Bündnis der inzwischen zum weltweit zweitgrößten Autobauer aufgestiegenen japanischen Spitzenmarke mit dem seit Jahren erfolgreichen französischen Familienunternehmen PSA Peugeot Citroên. Der neue Kleinwagen wird in einer Auflage von jeweils 100 000 Versionen im jeweiligen Markendesign in einem neu errichteten modernen Werk im tschechischen Kolin produziert. Angetrieben werden die bis zu 3,41 Meter langen, dreitürigen Viersitzer von einem 50 kW (68 PS) leistenden 1,0-l-Benziner. Alternativ gibt es einen 40 kW (54 PS) leistenden 1,4-l-Turbodiesel von PSA. Die innen sehr ansprechenden, überraschend geräumigen und mit einem ordentlichen Sicherheitspaket ausgestatteten neuen Minis mit immerhin 140 Liter variablem Gepäckraum sollen zu Einstiegspreisen unter 9000 Euro angeboten werden.

Mit einer Länge von 3,82 Meter ist der neue VW Fox deutlich größer als das japanisch-französische Trio. Neben einem variablen Innenraum mit auf Wunsch um 15 Zentimeter in der Länge verschiebbarer Rückbank und einem Laderaum zwischen 260 und 1016 Liter bietet der viersitzige Fox erst einmal drei Motoren. Zwei sind Benziner mit 40 und 55 kW (55 und 75 PS), der dritte ist ein kleiner TDI mit 51 kW (70 PS): Zur Sicherheitsausstattung gehört außer dem ABS auf Wunsch auch die Fahrdynamikregelung ESP. VW kündigt Preise unter 10 000 Euro an – man darf gespannt sein, ob sich zumindest für ein Einstiegsmodell nicht sogar eine Acht als erste Ziffer realisieren lässt.

Mit dem neuen VW-Familiengesicht, wie es der neue Passat bereits trägt, tritt künftig auch der sorgfältig überarbeitete Polo an. Trotz verbesserter Komfort- und Sicherheitsausstattung liegen die Preise auf dem bisherigen Niveau. So wird der Polo 1.2 mit 40 kW (55 PS) für 11 250 Euro angeboten, die Preise für den Basis-TDI mit 51 kW (70 PS) liegen mit 13 485 Euro sogar unter denen des Einstiegsdiesels beim Vorgänger.

Neben dem verstärkten Trend zu Kleinen und Kompakten, gibt es ein weiter wachsendes Interesse an variablen oder multifunktionalen Autos – Mehrzweckmobilen also. Die vor mehr als zwei Jahrzehnten auf den Markt gekommenen Großraumlimousinen haben den Markt grundlegend verändert und präsentieren sich inzwischen als variable Vans oder Crossover-Modelle in allen Fahrzeugklassen bis hin zum Microvan, wie ihn Peugeot zum Beispiel als 1007 anbietet.

Als einer der erfolgreichsten Kompaktvans tritt in Leipzig der Opel Zafira in seiner zweiten Generation an und mit dem Mazda5 steigt nun auch die japanische Ford-Tochter in dieses Segment ein. Mit dem neuen Croma hat sich schließlich auch Fiat für eine Minivanähnliche Lösung als Einstieg in die gehobene Mittelklasse entschieden. Große Variabilität gepaart mit einem sportlichen Auftritt prägt die neue B-Klasse von Mercedes-Benz.

Ungebrochen ist der Trend zu immer neuen SUVs. Ihren ersten Auftritt vor großem deutschen Publikum hat in Leipzig die neue M-Klasse von Mercedes. Jeep zeigt die dritte Generation des Grand Cherokee, Land Rover den vergleichsweise kompakten Range Rover Sport und Nissan den neuen Pathfinder. Als neues Spitzenmodell des Touareg präsentiert Volkswagen eine Zwölfzylinder-Version.

Selbst die Luxusklasse ist inzwischen bei der AMI vertreten, die sich von einer anfangs recht einfach gestalteten Händlermesse in eineinhalb Jahrzehnten konsequent zu einem anerkannten mitteleuropäischen Automobilsalon mit anspruchsvoller Gestaltung entwickelt hat. Von Porsche über Bentley, wo der neue Continental Flying Spur mit 411 kW (560 PS) leistendem Zwölfzylinder seine Deutschlandpremiere feiert, bis zum neuen Maybach 57 S Zwölfzylinder mit 450 kW (612 PS) reicht das Angebot der Leipziger Schau, auf der kein maßgeblicher Hersteller mehr fehlt.

Wer statt Genf nur einen Monat später das viel näher liegende Leipzig besucht, wird abgesehen von den in Genf stark vertretenen Exoten und Designern kaum etwas vermissen. Leipzig hat sich damit als die führende internationale Frühjahrsschau in Deutschland etabliert.

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