Schule : Leistung ohne Ende

In der kommenden Woche beginnt die IAA – die deutschen Hersteller trumpfen mit PS und Hightech auf

Ingo von Dahlern

Sie soll eine Schau der Superlative sein. Mit zahlreichen Premieren wollen die Autohersteller auf der am nächsten Wochenende beginnenden Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main brillieren. Keine Autoausstellung weltweit ist so groß. Und für die deutschen Hersteller ist sie als „Heimspiel“ das wohl wichtigste Schaufenster, um neue Trends zu präsentieren – Innovationen für den aktuellen Markt ebenso wie Ausblicke auf die Zukunft. Angesichts des in den vergangenen Wochen dramatisch gestiegenen Ölpreises scheinen viele der Neuheiten in den großen Klassen plötzlich fehl am Platz zu sein. Doch die Ingenieure sehen das anders. Für sie sind die großen und leistungsstarken Autos auch Innovationsträger. Mit ihnen will man in Zukunft in allen Klassen zu noch moderneren, saubereren und sparsameren Autos kommen.

Bei Audi steht mit dem 5,09 Meter langen siebensitzigen Q7 als erstem Luxus-Geländewagen aus Ingolstadt ein Auto im Fokus, bei dem durchaus gefragt werden darf, ob dafür neben dem VW Touareg und dem Porsche Cayenne, mit denen er sich die Plattform teilt, noch Platz ist. Auf jeden Fall ist der Q7 Wegbereiter für völlig neue Assistenzsysteme – etwa einen radargestützten Spurwechsel-Assistenten und einen adaptiven Geschwindigkeitsregler (ACC), der erstmals auch unter Tempo 30 bis zum Fahrzeugstillstand arbeitet und damit ein erster Stau-Assistent ist.

Der neue aufgeladene 2.0 TFSI mit 147 kW (200 PS) bei Audi ist Vertreter der modernsten besonders effektiven direkt einspritzenden Benzin-Motoren. Und beim Facelift des nun mit Singleframe-Grill auftretenden A4 Cabrios bestätigt sich, dass auch bei einem modernen Cabrio ein Stoffdach attraktive Pluspunkte bringen kann.

Dennoch setzt BMW beim neuen offenen 3er künftig auf ein Cabrio-Coupé mit stabilem Klappdach. Wichtigste Neuheit der Münchener ist die traditionell wieder Touring heißende Kombiversion des 3ers. Als überzeugender Hochleistungssportler in der kleinsten weiß-blauen Klasse präsentiert sich der 130i mit seinem 195 kW (265 PS) leistenden Reihensechszylinder, der dank einer Mischung aus Aluminium und Magnesium ein besonders leichtes Aggregat ist.

Wichtigste Neuheiten von Ford in Frankfurt sind das Fiesta-Facelift und der sportliche neue Focus ST 220, der einen 162 kW (220 PS) leistenden 2,3-l-Fünfzylinder besitzt. Beim offenen von Pininfarina gezeichneten Focus setzt auch Ford künftig auf ein Cabrio-Coupé. Zudem zeigt Ford in einer seriennahen Studie, wie das Galaxy-Konzept künftig fortgeführt wird. Mit der Studie „Iosis“ kündigt sich zudem eine neue Designphilosophie an, wie sie wohl erstmals beim neuen Mondeo zum Tragen kommen wird.

Star bei Mercedes-Benz ist die wieder repräsentativere neue S-Klasse mit dem in Maybach-Manier aufgesetzten Kofferraumdeckel. Die Luxuslimousine wird wieder einmal ein wichtiger Innovationsträger der Stuttgarter: Ebenso wegweisend, wie der neue V6-CDI-Turbodiesel mit 170 kW (231 PS), der neue V8 mit 285 kW (388 PS) und der erstarkte V12 mit 380 kW (517 PS) sind neue elektronische Systeme. Dazu gehörenden der mit dem Pre-Safe-Sicherheitssystem verknüpfte vorausschauende Bremsassistent Plus mit modernem Nahbereichsradar oder ein Nachtsicht-Assistent auf Infrarot-Basis.

Der S 63 AMG als stärkster Achtzylinder-Saugmotor mit 375 kW (510 PS) erreicht fast das Niveau des V12. Er wird als ML 63 AMG auch Spitzenmodell des Offroaders ML werden, der in Frankfurt erstmals offiziell in seiner Europa-Version antritt. Eingesetzt wird der Motor ebenfalls in der neuen Großraumlimousine R-Klasse, die die Bezeichnung Vision R 63 AMG tragen wird. Bei der Luxusmarke Maybach feiert in Frankfurt der neu entwickelte Typ 57 Spezial seine Premiere. Ausgestattet mit einem von AMG weiterentwickelten 6,0-Liter-V12-Biturbomotor mit 450 kW (612 PS) und einem straffer abgestimmten Fahrwerk spurtet die Luxuslimousine binnen fünf Sekunden auf Tempo 100. Smart überrascht auf der IAA mit dem Forfour Bellybutton, einer seriennahen Studie, die gezielt auf die Bedürfnisse junger Familien zugeschnitten ist.

Opel hat inzwischen die tiefe Talsohle der letzten Jahre durchschritten, ist so erfolgreich wie lange nicht mehr und präsentiert auf der IAA gleich vier Premieren: Gerade erst ist die neue Zafira-Generation gestartet, da kommt bereits die Erdgas-Variante 1.6 CNG. Ein besonderer Anziehungspunkt verspricht das dynamische Cabrio-Coupé Astra TwinTop mit seinem wenig Platz beanspruchenden elektrohydraulischen Stahl-Klappdach zu werden. Es tritt als vollwertiger Viersitzer an. Nach der Devise, in möglichst jeder Modellreihe einen Sportler anzubieten, zeigt Opel die OPC-Versionen des fünftürigen Vectra und des Vectra Caravan, die mit dem 255 PS leistenden 2,8-l-V6-Turbomotor ausgestattet sind. Sowohl der Vectra als auch der besonders geräumige Signum treten erstmals in ihren soeben überarbeiteten Versionen mit sehr viel markanterem Gesicht an.

Cayman S heißt das neueste Modell von Porsche. Das allerdings ist nicht die inzwischen angekündigte vierte Modellreihe, die als viersitziges Coupé auf den Namen Panamera hören wird und derzeit noch nicht gezeigt werden kann. Mit dem Cayman S, der in Frankfurt seine Weltpremiere feiert, schließen die Stuttgarter Sportwagenbauer die Lücke zwischen dem offenen Einstiegsmodell Boxster, auf dessen technischer Basis der Cayman als Zweisitzer mit Mittelmotor aufbaut, und dem 911. Ausgestattet mit einem neu entwickelten 3,4-Liter-Sechszylinder-Boxer bringt er es auf 217 kW (295 PS). Er spurtet binnen 5,4 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht bis zu 275 km/h.

Volkswagen ächzt derzeit unter einem drastischen Sparkurs, der das Unternehmen wieder profitabler machen soll. Zumindest mit dem neuen auf der Passat-Plattform basierenden Cabrio-Coupé Eos kündigt sich wenigstens verbal eine erste Morgenröte an. Ein besonders wichtiger Baustein auf dem Wege zu künftig wieder steigenden Verkaufszahlen spielt der neue Passat Variant, der gerade in den Verkauf gestartet ist. Ganz neu ist die wieder auf den Namen Jetta hörende Stufenheckversion des Golf.

Mit dem Golf GT, der aus einem innovativen von einem Abgasturbolader und einem Kompressor doppelt aufgeladenem 1,4-Liter-Motor 170 PS entlockt, lässt VW den kleinen Bruder des Golf GTI wieder aufleben. Zugleich zeigt man ein attraktives Beispiel modernsten Motorenbaus, das trotz des hohen Leistungspotenzials mit 7,2 l/100 km sehr sparsam ist. Künftiger „Leit-Golf“ wird der allradgetriebene R32, dessen neueste Generation mit einem 250 PS starken 3,2-l-Motor als Hochleistungssportler antritt.

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