Schule : Leon, der Schlichter

Vom Problem- zum Vorzeigeschüler: ein Mentorenprogramm zeigt Wirkung

Denny-Leon war einer von den Schülern, die man als Lehrer lieber nicht in der Klasse hat. Leicht reizbar war er, vorlaut im Unterricht und wenn ihm einer blöd kam, dann hat er auch mal zugeschlagen. Bis vor drei Jahren. Jetzt sitzt der dunkelhaarige Typ ruhig neben seinem Lehrer in der Hufeland-Hauptschule in Pankow.

Seine Körpersprache hat er genauso unter Kontrolle wie seinen Ausdruck. Er erzählt von der freiwilligen Feuerwehr, von seiner Tätigkeit als Klassensprecher, als Moderator einer Medien AG und davon, wie er in der S-Bahn dazwischen geht, wenn sich zwei anpöbeln. Sein Lehrer sitzt da und nickt stolz, Denny ist sein neuer Vorzeigeschüler.

Vor drei Jahren haben seine Lehrer vorgeschlagen, Denny-Leon als Mentor auszubilden, er hätte „Förderbedarf im emotionalen Bereich“, hieß es im Schuljargon. Das Mentorenprogramm bildet eigentlich Jugendliche dazu aus, anderen dabei zu helfen, ihre Streits zu schlichten. In Denny-Leons Schule hält jede große Pause ein Mentorenpaar Sprechstunde. Dorthin können Schüler kommen, oder von Lehrern gebracht werden. Nicht selten aber zeigt dieses Programm die größte Wirkung beim Schlichter selbst. „Ich habe gelernt, dass Anschreien und Rempeln nichts bringt. Wenn ich ruhig bleibe, hört mir mein Gegenüber besser zu“, sagt Denny-Leon.

Sein Lehrer sagt, dass nicht jeder Schüler für die Ausbildung geeignet sei, Denny aber war ideal: schwierig, aber „mit den nötigen Kapazitäten“. Beim Training musste er mit anderen Konfliktsituationen nachstellen, filmen und auswerten. Er lernte einen professionellen Ausdruck, die „Giraffensprache“, wie es die Ausbilder nennen – als Alternative zur verbotenen „Wolfssprache“, dem Schreien und Beleidigen. „Am Anfang fand ich die Begriffe total bekloppt“, sagt Denny-Leon, „als Streitschlichter sollen wir „nach Gefühlen tauchen“ und „den Eisberg finden unter der Wasseroberfläche, also die Ursachen des Streits“, er verdreht die Augen, „aber dann habe ich gemerkt, dass es klappt“, sagt er und grinst.

Damit es klappt, lernen die Schüler nicht nur das sachliche Sprechen, sondern auch eine ganz bestimmte Gesprächsführung: zur Begrüßung etwas Nettes sagen, dann die Verhaltensregeln für das Gespräch verlesen, also kein Beleidigen und Unterbrechen. Jede Front muss ihre Geschichte erzählen können, anschließend fordert der Schlichter beide Seiten auf, sich jeweils in die andere hineinzuversetzen.

„Das ist der entscheidende Punkt, danach haben bisher alle ihre Fehler eingesehen“, sagt Denny. Am Ende wird ein Vertrag erarbeitet, gemeinsam, und unterschrieben. Denny-Leon hat bisher zwei offizielle Fälle geschlichtet. Wie vielen brenzligen Situationen er selbst durch das Training entgangen ist, kann er nicht sagen. Gepöbelt hat er seitdem nicht mehr und seine neue Freundin sagt wie selbstverständlich „der Denny, der ist kein Prügeltyp“. eug

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