Letzter Schultag : Familienleben ohne Korsett

An den Alltag ohne Schule muss sich unsere Autorin erst einmal gewöhnen. Ihre Tochter macht gerade Abitur, der letzte reguläre Schultag ist vorbei. Zeit für einen Rückblick.

Sigrid Kneist

Jetzt ist es wirklich vorbei, der letzte reguläre Schultag meiner Tochter beendet. Aus, vorbei, finito! Die erste Abiprüfung ist bereits absolviert, die weiteren vier Termine stehen nach den Osterferien an. Das Familienleben wird künftig ohne das starre Korsett gelebt, das die Schule elfeinhalb Jahre vorgegeben hat. Wie das sein wird, können wir in den Osterferien schon einmal üben. An den Alltag ohne die stets präsente Schule werden wir uns erst gewöhnen müssen.

Bei dem Gedanken allerdings, was die Bildungspolitiker in dieser Zeit Schülern und Eltern zumuteten, möchte man doch kurz das Fäustchen ballen. Eine Reform jagte die andere; keine von ihnen war richtig vorbereitet. Durch die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre hatten die Kinder ab der fünften Klasse quasi Ganztagsschule zu Halbtagsbedingungen; eine an Gymnasien völlig unsinnige Prüfung zum Mittleren Schulabschluss band unnötig Kapazitäten; und der Beschluss, junge Lehrer nicht mehr zu verbeamten, führte zur Abwanderung der Pädagogen und trug einen Gutteil zum Unterrichtsausfall bei. Die Finanznot des Landes Berlin konnte man bei jedem Besuch im Schulgebäude besichtigen: rottige Klassenzimmer, die eigentlich erst durch die Arbeit der Eltern brauchbar gemacht wurden, stinkende Toiletten und altes Mobiliar. Die Raumnot zwang dazu, bei manchem Unterricht in Grundschulgebäude auszuweichen, so dass etliche Zwei-Meter-Jungs auf Zwergenstühlchen sitzen mussten.

Sei es drum, die Schulzeit wird für uns allmählich Vergangenheit. Zeit für ein neues Kapitel! sik

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