Schule : LS430 – perfekter Luxus von Lexus

Sein V8-Motor gehört zu den leisesten der Welt / Edel ausgestattet, besonders geräumig und extrem zuverlässig

Ingo von Dahlern

E r ist leise, so extrem leise, dass man zur Sicherheit erst einmal kurz aufs Gaspedal treten muss, um zu erkennen ober er tatsächlich läuft – der 4,3-Liter-Achtzylinder unter der Haube des Lexus LS430. Das seidenweich und so vibrationsarm laufende Aggregat ist eines der ganz typischen Kennzeichen dieses Luxusautos, dessen neueste Generation jetzt in Deutschland an den Start geht.

Es gehört zu den Exoten bei uns. Denn seine direkten Konkurrenten sind die Spitzenmodelle von Mercedes, BMW und Audi. Und gegen die hat er auf ihrem Heimatmarkt ganz automatisch nur geringe Chancen. Nicht etwa, weil er sich mit ihnen nicht messen kann, sondern weil er hier ein Außenseiter ist. Einer allerdings, mit dem unterwegs zu sein, immer wider ein großes Vergnügen ist. Denn er kann mit seinen Hauptkonkurrenten in allen Disziplinen überzeugend mithalten – und in manchen ist er ihnen sogar noch überlegen.

Bedeutung für seinen Absatz hat das trotzdem nur auf jenen Märkten, in denen er direkt mit den deutschen Top-Modellen konkurriert. Zum Beispiel in den USA. Und dort, wo der Heimvorteil der deutschen Produkte nicht gilt, hat er sich seit seinem Erscheinen schnell eine Spitzenposition in seiner Klasse erobern können, macht seinen deutschen Konkurrenten hart zu schaffen. Der beste Beweis dafür, dass es kein unerreichbarer Traum war, als man bei Toyota vor zwei Jahrzehnten beschloss, eine eigene Luxusmarke zu etablieren. Mit einer ganz klaren Zielvorgabe.

Die hieß, ein Auto zu bauen, das „in allen Belangen dem Standard der weltbesten Limousinen entspricht“. Eine enorme Herausforderung, der sich fast 4000 Ingenieure, Techniker und weitere Mitarbeiter von Toyota stellten. Sechs Jahre dauerte es, bis nach rund 450 Prototypen das Ergebnis auf den Rädern stand – der erste Lexus LS400. Drei Generationen des LS wurden zwischen 1989 und 2000 entwickelt – und sie wurden auf dem amerikanischen Markt zu wahren Bestsellern. Wobei zu den Hauptvorzügen neben ihrer überzeugenden Leistung ihr hohes Komfortniveau, ihre extreme Zuverlässigkeit und ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis zählen.

Lexus wurde zu einer Erfolgsformel. Und längst ist aus einem Fahrzeugtyp mit diesem Namen eine komplette Marke geworden – mit sportlichen Coupés der Oberklasse, luxuriösen Off-Roadern und längst auch sehr viel kompakteren Modellen. Allerdings durchweg mit einem ganz klar definierten Premium-Anspruch, den alle Lexus-Modelle auch überzeugend erfüllen können. Und das Spitzenmodell der Toyota-Edelmarke baute seine Position konsequent aus, wurde im Jahr 2000 zum LS430 und tritt unter diesem Namen nun bereits in seiner zweiten Generation an.

Anfangs mag es viele gestört haben, dass es bei der Linie des LS430 und der früheren S-Klasse aus Stuttgart unverkennbare Ähnlichkeiten gab. Daraus allerdings zu schließen, Lexus habe nicht mehr als eine besonders gut gelungene Kopie eines seiner Hauptkonkurrenten auf die Räder gestellt, führt in die Irre. Denn von Beginn an hatte dieses Auto seinen eigenen Charakter. Das zeigt sich heute umso deutlicher, da der Hauptkonkurrent sich längst für eine neue Linie entschieden hat, während auch der neueste Lexus seiner so erfolgreichen Grundlinie treu geblieben ist. Einer inzwischen fast schon konservativen und zugleich längst klassischen Linie, die erst beim zweiten Blick erkennen lässt, dass sie sich in vielen Details überraschend weiter entwickelt und verändert hat.

Denn sie wirkt nun erkennbar dynamischer, wozu vor allem der neu gestaltete Kühler, eine um zwei Zentimeter flacher gewordene Motoraube, neu gezeichnete schräg gestellte Scheinwerfer sowie eine in vielen kleinen Details überarbeitete Heckpartie beitragen. Nur geringfügig verändert haben sich die Maße. Denn mit knapp 5,03 Meter ist der nun auf großen 18-Zoll-Rädern stehende Lexus LS430 gerade einmal zwanzig Millimeter länger als bisher.

Und er musste auch gar nicht mehr länger werden. Denn was er seinen Passagieren an Platz bietet, das bieten seine Hauptkonkurrenten so eigentlich nur in ihren Langversionen. Das gilt insbesondere für den extrem bequemen Fond. Und ganz nebenbei auch für das gewaltige Gepäckabteil, das 570 Liter fasst.

Lexus, das ist beim LS430 ein Synonym für Luxus. Denn alles was bei der Ausstattung edel und bei der Technik fortschrittlich und wegweisend ist, wird in diesem Auto verwirklicht. Ob es das kostbare Leder oder das edle Walnussholz der Innenausstattung ist, ob das schlüssellose Fahrzeugbediensystem, ob die klimatisierten Komfortsitze, die Klimaautomatik mit ihren oszillierenden Luftdüsen, die acht Airbags einschließlich Kniebags auf Fahrer- und Beifahrerseite, das adaptive Frontlicht und die LED-Rückleuchten oder die Mini-Video-Kamera am Heck, der LS430 markiert den aktuellen Stand der Technik oder setzt konsequent neue Maßstäbe.

Das gilt natürlich vor allem für das Herz dieses Autos, seinen 4,3-l-V8 mit seiner variablen Ventilsteuerung (VVT-i), der 207 kW (282 PS) liefert, ein maximales Drehmoment von 417 Nm bei 3400/min und das immerhin knapp zwei Tonnen schwere Gerät binnen 6,3 Sekunden Tempo 100 und maximal 250 km/h erreichen lässt, bei denen abgeregelt wird. Ein bei jedem Tempo souveränes Fahrzeug, das mit seinem luftgefederten semiaktiven Fahrwerk ein Höchstmaß an Fahrkomfort mit extrem großer Fahrstabilität und verblüffenden Handlingeigenschaften kombiniert und sich bei höheren Geschwindigkeiten automatisch absenkt. Mit höchsten Komfort schaltet auch das neu entwickelte Automatikgetriebe – mit nunmehr sechs statt der bisher verfügbaren fünf Gangstufen und einer zusätzlichen Schaltgasse für all die, die gerne selber beim Gangwechsel aktiv werden möchten.

Der LS430 hat aber nicht nur einen der leisesten Motoren, sondern auch einen der leisesten Innenräume in der Oberklasse. Denn minimal sind neben den Motorgeräuschen auch Windgeräusche oder irgendwelche Vibrationen. Dazu trägt neben einer weiter perfektionierten Aerodynamik – der LS430 hat einen besonders niedrigen Luftwiderstandsbeiwert von gerade einmal 0,26 – und wegweisenden neuen Dämmstoffen auch bei, dass wo immer möglich Schwingungssysteme entkoppelt wurden.

Das alles macht aus dem Lexus ein in fast allen Bereichen nahezu perfektes Auto, zu dem das High-End-Audiosystem von Mark Levinson ebenso gut passt wie das DVD-Navigationssystem. Ein Auto, bei dem man durchaus versteht, dass mancher bei uns neidisch wird, weil er aus welchen Gründen auch immer ein heimisches Produkt fährt oder fahren muss. Ein Auto aber auch, das zeigt, dass die Konkurrenz nicht nur nicht schläft, sondern überraschend munter auf Fortschrittskurs ist. Da muss man gewaltig aufpassen, dass man trotz viel längerer Tradition nicht ins Hintertreffen gerät.

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