Schule : Luxus und Leichtigkeit

Die neue Generation des Audi A8 setzt weiter auf Aluminium und viele Innovationen

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Von Ingo von Dahlern

Die Konzernmarke Audi hat längst geschafft, worum die Mutter Volkswagen mit ihrem neuen Top-Modell Phaeton in diesem Sommer zu kämpfen begonnen hat – den Einstieg in die automobile Oberklasse. So brachte es der Audi A8, der 1994 dem sechs Jahre zuvor eingeführten ersten V8 unter dem Markenzeichen der vier Ringe folgte, auf eine Produktionszahl von mehr als 105 000 und schaffte damit zugleich den Durchbruch für ein in dieser Klasse bislang noch einmaliges Konzept. Denn der A8 läutete die Epoche der komplett aus Aluminium gefertigten Autos in der Oberklasse ein und schuf damit eine Alternative zur bislang üblichen Stahlkarosserie. Damit kamen luxuriöse Leichtgewichte auf die Straße, deren innovative Technik gewichtige Akzente für die Weiterentwicklung des Automobils setzt und zugleich ganz neue Dimensionen der Leichtigkeit eröffnet – nicht nur auf der Waage, sondern vor allem auch bei der Handhabung dieser wegweisenden Luxuslimousinen, bei denen Komfort und Dynamik in einer ganz neuen Mischung auftreten.

Dieses Angebot zu optimieren und zu perfektionieren, hatten sich die Entwickler der zweiten Generation des A8 zum Ziel gesetzt – und dieses Ziel so überzeugend erreicht, dass die ersten Probekilometer mit der zweiten Generation des A8 zu einem eindrucksvollen Fahrerlebnis wurden. Denn wie das 250 km/h schnelle vorläufige Top-Modell Audi A8 4.2 mit seinem 240 kW (335 PS) leistenden V8-Motor, der bei 3500/min ein Drehmoment von 430 Nm liefert, binnen 6,3 Sekunden Tempo 100 erreicht, wie es seine Antriebskräfte dank permanentem Allradantrieb sicher auf die Straße bringt, wie es selbst enge Kurven mit hohem Tempo sicher umrundet und wie es dank seiner Luftfederung auch mit größeren Fahrbahnunebenheiten spielerisch fertig wird und sich ebenso spielerisch auch im dichten Stadtverkehr bewegen lässt, dass alles lässt ungetrübte Fahrfreude aufkommen.

So gut wie kein Teil des bisherigen A8 blieb unangetastet, um zu diesem Ergebnis zu gelangen. Am zurückhaltendsten gaben sich dabei auf den ersten Blick die Designer. Denn die Grundlinie des bisherigen A8 blieb weitgehend erhalten. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass sich trotz fast unveränderter Außenmaße die Proportionen des A8 ein wenig verändert haben, der Vorderwagen dank des um mehr als sechs Zentimeter gewachsenen Radstands nun einen weniger großen Überhang hat und die Silhouette des größten Audi mit dem kräftiger gewordenen Heck erkennbar gestreckter und dynamischer geworden ist. Und auch die Front mit den High-Tech-Scheinwerfern und dem markanten Doppelgrill wirkt ein wenig wuchtiger und repräsentativer – vor allem dann, wenn der A8 in dunklen Lackierungen antritt. Was allerdings nichts daran ändert, dass auch das neueste Top-Modell insgesamt vergleichsweise zurückhaltend auftritt.

Nötig hat es das beim besten Willen nicht. Denn unter dem Kleid aus dem silbrigen Leichtmetall hat sich so gut wie alles geändert – mit einer Fülle sehr positiver Effekte. Das gilt bereits für die Struktur der A8-Karosserie. Denn Audi hat den Space-Frame der ersten Generation konsequent weiterentwickelt, die Zahl der Bauteile drastisch reduziert und nicht zuletzt dank neuer Fügetechniken eine Karosserie geschaffen, die sehr viel stabiler und vor allem auch um 60 Prozent verwindungssteifer ist und somit einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur verbesserten Fahrdynamik des neuen A8 leistet.

Die konnte ja schon beim Vorgänger überzeugen, der zu den betont fahraktiven Vertretern der Oberklasse zählte. Und der dort bewährten Grundkonstruktion mit Vierlenker-Vorderachse und spurgesteuerter Trapezlenker-Hinterachse blieb man denn auch treu – allerdings nicht ohne sie noch einmal zu verbessern. Und erstmals setzt man nun statt auf klassische Stahlfedern mit der neu eingeführten „adaptive air suspension“ auf eine eine Luftfederung in Kombination mit einer kontinuierlichen Dämpferregelung. Damit aber löst man den klassischen Zielkonflikt zwischen gutem Handling und einem der Oberklasse angemessenen Federungskomfort – indem man diesen Konflikt schlicht aufhebt. Und da die Luftfederung es erlaubt, das Niveau des Fahrzeugs geschwindigkeitsabhängig zu variieren, hat Audi gleich vier unterschiedliche Bodenfreiheits-Stufen definiert. Neben dem Normalniveau mit 120 Millimeter Bodenfreiheit sind das ein Hochniveau mit 145 Millimeter, ein Sportniveau mit 100 Millimeter und das Autobahnniveau mit nur noch 95 Millimeter, was bei flotter Autobahnfahrt neben einer betont tiefen Schwerpunktlage auch spürbare Verbesserungen bei der Aerodynamik bringt.

Nach Wunsch einstellen lässt sich über die vier Luftfederbeine des neuen A8 aber auch die Fahrwerkscharakteristik – vom ausgewogenen Modus automatic über den Modus dynamic und den Modus comfort bis zum Modus lift. Im Zusammenwirken mit der elektronisch geregelten stufenlosen Dämpfung bedeutet das neben überzeugender Fahrsicherheit unter allen Fahrbedingungen auch ein Optimum an Komfort – ob bei schneller Autobahnfahrt, flotter Kurvenfahrt oder auch beim Anfahren und Bremsen. Und wer es betont sportlich wünscht, dem steht mit der „adaptive air suspension – sport“ ein Sportfahrwerk mit straffer ausgelegter Federung und Dämpfung zur Wahl.

Unerlässliche Voraussetzung dafür, dass man diese exzellenten Fahrwerksqualitäten auch umfassend nutzen kann, sind natürlich auch leistungsstarke Triebwerke. Und auch hier haben die Audi-Ingenieure ganze Arbeit geleistet. Denn an den Start geht der neue Audi A8 mit zwei V8-Triebwerken, die bei Leistung und Drehmoment gegenüber ihren Vorgängern spürbar zugelegt haben. Beide haben einen Fünfventil-Zylinderkopf mit verstellbaren Einlassnockenwellen und beide sind mit einem Schaltsaugrohr ausgestattet. Beim nunmehr 206 kW (280 PS) leistenden 3,7-Liter-V8, der bei 3750/min sein höchstes Drehmoment von 360 Nm liefert, ist es dreistufig. Mit nur 7,3 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 ist bereits der 3,7-Liter, der ebenso wie der 4,2-Liter bei Tempo 250 abregelt, ausgesprochen flott. Noch eine ganze Sekunde schneller auf Tempo 100 ist allerdings der 4,2-Liter, der bei 3500 maximal 430 Nm Drehmoment liefert und der eleganten Limousine Sportwagenqualitäten verleiht.

Aber das ist noch nicht die künftige Spitze, denn im nächsten Jahr wird es den neuen A8 auch mit noch kräftigerem 6,0-Liter-W12-Motor geben. Auch Diesel-Freunde werden dann auf ihre Kosten kommen mit einem 4.0-Liter-TDI-V8 mit 199 kW (270 PS). Und als neue Einstiegsvariante kommt schließlich ein 3,0-Liter-Sechszylinder mit 169 kW (230 PS), der als einziger A8 auch nur mit Frontantrieb angeboten werden wird – denn alle anderen A8 haben den permanenten Allradantrieb mit Torsen-Mittendifferenzial, der seinen Anteil zur exzellenten Fahrdynamik des A8 leistet. An die vier Antriebsräder gelangen die Motorkräfte über ein sanft und komfortabel schaltendes neues Sechsgang-Automatikgetriebe von ZF, das mit der Tiptronic-Funktion auf Wunsch auch von Hand geschaltet werden kann – und das auch über Schaltwippen vom Lenkrad aus.

Aber es sind nicht allein die exzellenten Fahreigenschaften, die den neuen Audi A8 auszeichnen. Ebenso wegweisend ist als Herzstück des luxuriös ausgestatteten Innenraums MMI. Das Kürzel steht für Multi Media Interface – eine neue Plattform für ein modernes Bedienkonzept, mit dem sich die wichtigsten Systeme dieses Luxusautos sowie Entertainment, Kommunikation und Information über eine zentrale Steuereinheit in der Mittelkonsole zuverlässig und sicher bedienen lassen. Dabei sind die Hauptfunktionen acht festgelegten Funktionstasten zugeordnet. Innerhalb dieser Funktionsmenüs werden die jeweiligen Funktionen durch Drehen und Drücken des zentralen Steuerknopfs aktiviert – und wenn man sich einmal verheddern sollte, dann gelangt man mit der Return-Taste in die nächsthöhere Menüebene zurück.

Und es gibt noch weitere Innovationen beim neuen A8. So zum Beispiel die den gewaltigen Motorkräften angepasste Hochleistungsbremsanlage mit elektromechanischer Parkbremse, das Reifendruck-Kontrollsystem und die auf Wunsch verfügbaren Pax-Reifen mit Notlauffunktion, die zum Sicherheitssystem gehörenden neuen aktiven Kopfstützen vorn, das schlüssellose Zugangs- und Fahrberechtigungs-System „advanced key“ und schließlich auch neue Beleuchtungstechniken. Dazu gehören am Heck besonders schnell ansprechende LED-Leuchten für Bremslicht und Blinker und bei den Scheinwerfern vorn das „adaptive light“ genannte Abbiegelicht, das mit einer zusätzlichen Lampe und einem zusätzlichen Reflektor praktisch um 90 Grad nach rechts und links leuchtet und dabei beim Abbiegen und in engen Kurven Bereiche ausleuchtet, die bei konventionellen Scheinwerfern im Dunkeln liegen.

So viel Technik, so viel Fahrfreude und so viel Luxus wollen natürlich auch bezahlt sein – mit 66 400 Euro beim A8 3,7 quattro und 72 500 Euro beim 4,2 quattro. Viel Geld für ein Auto, das allerdings auch einen angemessenen Gegenwert bietet, auch wenn es weiterhin vergleichsweise zurückhaltend antritt. Seine wahren Qualitäten wollen eben erfahren werden.

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