Schule : Mazda bleibt dem Rotor treu

Im neuen Sportwagen RX-8 hat der Kreiskolbenmotor alle seine früheren Schwächen überwunden

Ingo von Dahlern

Mit gewaltigen Vorschusslorbeeren ging er Anfang der Siebziger ins Rennen – der NSU Ro80 mit seinem wegweisenden Kreiskolbenmotor nach dem Prinzip von Felix Wankel. Doch der von vielen erwartete Durchbruch dieses wie eine Turbine laufenden Motors blieb aus - schlimmer noch, das technische Wunderwerk, an dessen Entwicklung alle maßgeblichen Automobilhersteller mit viel Engagement arbeiteten, wurde schon bald aufgegeben. Denn 1977 rollte der letzte NSU Ro80 vom Band.

Doch das Ende dieses deutschen Wankelwagens war nicht das Ende des Wankelmotors im Personenwagen. Denn von den vielen, die sich für diese Technik engagiert hatten, ließ sich ein Unternehmen nicht beirren – die japanische Marke Mazda. Sie setzte die aufwändigen Entwicklungsarbeiten am Rotationskolbenmotor, die sie bereits Ende der Sechziger begonnen hatte und erstmals 1967 im Cosmo Sport und seit 1968 auch im Familia Rotary einsetzte, konsequent fort und brachte 1978 mit dem Mazda RX-7 nach vielen Limousinen und Pickups mit Kreiskolbenmotor einen leistungsstarken Sportwagen auf den Markt, von dem bis 2002 immerhin 811 634 Exemplare gebaut wurden. Daneben gab es zahlreiche große Limousinen mit dieser Antriebstechnik, die Mazda in insgesamt 1 804 047 Fahrzeugen einsetzte. Zu den wohl größten Erfolgen zählte 1991 der Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans, denn er wurde mit einem Kreiskolbenmotor errungen – einem Triebwerk, das bei Mazda ohne das Engagement von Keinichi Yamamoto nicht diese Karriere hätte machen können, die nun vor einem neuen Höhepunkt steht.

Denn die konsequenten Arbeiten an der Weiterentwicklung des Kreiskolbenmotor führten zu jenem RENESIS genannten Kreiskolbenmotor der neuesten Generation, der den in diesem Jahr auch auf den deutschen Markt kommenden Sportwagen Mazda RX-8 antreibt – ein Zweischeiben-Motor mit je 654 Kubikzentimeter Kammervolumen, der in seiner Basisversion 141 kW (192 PS) und in seiner High-Power-Version sogar 170 kW (231 PS) leistet.

Ein Triebwerk, das aufgrund seiner Bauweise problemlos hohe Drehzahlen bewältigt und in der Basisversion sein höchstes Drehmoment von 220 Nm bei 5000/min liefert, während die leistungsstärkere Variante 211 Nm bei 5500 liefert. Ungewohnt ist das Ansprechverhalten dieses Triebwerks. Denn mehr als 80 Prozent des Drehmomentmaximums stehen über 70 Prozent des Drehzahlbereichs zur Verfügung - und das bedeutet Kraft sowohl aus niedrigen als auch aus hohen Drehzahlen heraus.

Das führt zu beachtlichen Fahrleistungen. Denn für den Spurt auf Tempo 100 genügen der Basisversion 7,2 Sekunden und der Power-Version sogar nur 6,4 Sekunden . Die Höchstgeschwindigkeiten der beiden Varianten liegen bei 223 und 235 km/h. Und – hier zeigt sich, wie fortschrittlich dieses neue Triebwerk ist – das bei Verbrauchswerten, die mit durchschnittlich 10,8 und 11,4 l/100 km in einem sehr akzeptablen Bereich liegen. Denn sie erlauben in Verbindung mit einem 61-Liter-Tank vernünftige Reichweiten. Und in den Griff bekommen hat man bei Mazda neben dem Verbrauch auch die Emissionen des Kreiskolbenmotors, denn das Triebwerk des RX-8 erfüllt die strenge Abgasnorm EU4. Damit ist es Mazda gelungen, dem Kreiskolbenmotor alle Schwächen auszutreiben, die in den Siebzigern so viele Hersteller veranlassten, das Wankel-Projekt aufzugeben. Es würde zu weit führen, die dabei eingesetzten Techniken hier im Detail zu beschreiben. Nur so viel sei gesagt: der Renesis-Motor arbeitet mit der Seitenauslasstechnologie, die unerwünschte Überlappungen der Öffnungen von Ein- und Auslasskanälen vermeidet, er arbeitet mit einer variablen Ansaugsteuerung und elektronischen Drosselklappen, er hat neue Einspritzdüsen, die ein ultrafeines Gemisch erzeugen – und er baut extrem kompakt und hat nur sehr wenige bewegte Teile, denn Ventile und Ventiltrieb sowie Kurbelwelle und Kolben, wie sie klassische Hubkolbenmotoren haben, gibt es bei ihm nicht. Und damit ist er auch relativ leicht.

Den RX-8 – das bestätigten erste Probekilometer in diesen Tagen, macht er zu einem ausgesprochen agilen Auto, das mit seinem niedrigen Schwerpunkt und seiner so gut wie idealen Gewichtsverteilung ein Maximum an Fahrfreude und Fahrsicherheit bietet. Dazu tragen die Double-Wishbone-Vorderradaufhängungen ebenso bei wie die neu entwickelte Fünflenker-Hinterachse. Und auch die elektrische Servolenkung hat ihren Anteil an der Handlichkeit dieses Autos, das die Ohren von Insassen und Umwelt mit einem ganz eigenen Sound überrascht.

Aber nicht nur Motor und Fahrwerk sorgen für Pluspunkte bei diesem Auto. Denn ebenso ungewöhnlich wie der Triebstrang ist auch die Karosserie des RX-8. Ihre Form entstand zwar im japanischen Designzentrum von Mazda, zeigt aber unverkennbare amerikanische und auch europäische Einflüsse und passt auch in der Alten Welt sehr gut in die Landschaft, wirkt kraftvoll und dynamisch aber alles andere als aufgesetzt, zeigt markante Kotflügel und Stoßfänger und eine Motorhaube, der man ansieht, dass man es mit einem leistungsstarken Fahrzeug zu tun hat.

Und das bietet, eine Ausnahme im Sportwagenangebot, Platz für vier Personen. Aber nicht etwa auf beengten schmalen Notsitzen im Fond, sondern auf überraschene bequemen Einzelsitzen, auf denen man relativ tief aber verblüffend bequem sitzt und vor allem guten Halt in allen Richtungen spürt.

Noch überraschender ist, wie man auf diese Sitze gelangt. Denn der RX-8 gehört zu den wenigen modernen Autos, die wieder auf das Prinzip gegenläufiger Türen setzen. Denn die Vordertüren sind wie gewohnt vorn, die hinteren Türen dagegen unkonventionell hinten angeschlagen. Und Mazda ging sogar so weit, auf die B-Säule komplett zu verzichten. So hat man einen verblüffend bequemen Ein- und Ausstieg bei diesem System, dem Mazda den Namen Freestyle gegeben hat. Und da sich die hinteren Türen erst dann öffnen lassen, wenn die vorderen bereits offen sind, muss man auch keine Sicherheitsbedenken haben.

Die kann man auch in anderer Hinsicht streichen. Denn selbstverständlich verfügt der RX-8 über alle Ausstattungen, die ein Optimum an aktiver und passiver Sicherheit gewähren. So hat er neben dem ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und einem Sperrdifferenzial mit begrenztem Schlupf eine Antriebsschlupfregelung (TCS) und die Fahrdynamikregelung DSC, die sich auf Wunsch abschalten lässt. Zur passiven Sicherheitsausstattung gehören Dreipunktgurte auf allen Plätzen sowie Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer vorn, zweistufig auslösende Frontairbags sowie Seiten- und Fensterairbags und Isofix-Kindersitzbefestigungen im Fond.

Eine Ausstattung, dir durchaus Sinn macht. Denn zu den besonderen Eigenschaften des Mazda RX-8 gehört, dass er zwar ein Sportwagen und noch dazu ein außergewöhnlicher ist, aber zugleich auch ein alltagstaugliches Fahrzeug. Dazu gehört auch der mit 290 Liter mehr als respektable Kofferraum im Heck. Ein Auto also auch, mit dem mit der Familie auf Fahrt gehen kann, was angesichts des hohen Fahrkomforts trotz aller Sportlichkeit keine Zumutung wird. Und ein Auto schließlich, das trotz seiner einmaligen Technik erschwinglich ist. Denn die Preise beginnen bei 26 300 Euro. Es dürfte Mazda, auch mit Blick auf den gelungenen Wiederaufstieg der Marke, nicht schwer fallen, die noch für dieses Jahr geplanten 2000 und die rund 6000 im nächsten Jahr zu verkaufen.

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