Schule : Mazda MPV – mit Karakuri noch flexibler

Die Großraumlimousine aus Hiroshima nun mit Familiengesicht und einer neuen Sechssitzer-Variante

Ingo von Dahlern

Während derzeit die meisten Autohersteller über seit Jahren sinkende Verkaufszahlen klagen, gibt es ein paar Unternehmen, die sich über steigende freuen. Zu denen gehört die japanische Marke Mazda. Früher einmal sehr stark auf dem deutschen Markt, war sie im vergangenen Jahrzehnt kontinuierlich zurückgefallen. Doch das tiefe Tal ist längst durchschritten, und die zum Ford-Konzern gehörende Marke aus Hiroshima erlebt nach einer durchgreifenden Erneuerung ihrer gesamten Modellpalette einen selbst Optimisten überraschenden Aufschwung. Das gilt sowohl für den gesamteuropäischen als auch speziell für den deutschen Markt. Hier liegt man derzeit bei den Verkäufen zwölf Prozent über den Werten des schon vom Aufschwung gezeichneten vergangenen Jahres, konnte den Marktanteil von 2,0 auf 2,3 Prozent steigern und rechnet insgesamt mit dem Verkauf von 72 500 Fahrzeugen.

Ganz offenbar ist es Mazda gelungen, mit mehreren neuen Modellen echte Bestseller auf die Räder zu stellen – allen voran der Mazda6, der in seiner Klasse inzwischen das Importfahrzeug Nummer 1 auf dem deutschen Markt ist. Gut etabliert hat sich außerdem der Mazda2. Und auch beim Mazda3, mit dem man ein technisch und vor allem auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis her überzeugendes Modell in der Golf-Klasse auf die Räder stellen konnte, stehen die Signale auf Erfolg. Ja selbst der bereits 1990 eingeführte und seitdem konsequent modellgepflegte Roadster MX-5 verkauft sich weiter gut, so gut, dass die Neuzulassungen von solchen Konkurrenten wie Alfa Spider, Fiat Barchetta, Honda S2000 und Toyota MR2 zusammen genommen exakt ein Drittel der MX-5 Neuzulassungen ausmachen.

Endlich ein typisches Design

Neben der überzeugenden Technik und den attraktiven Preisen der Mazda-Modellpalette leistet aber auch das Design der neuen Mazdas einen wichtigen Beitrag zum aktuellen Erfolg. Denn Mazda ist es inzwischen gelungen, seinen Fahrzeugen einen unverwechselbaren markentypischen Auftritt zu geben. Während man noch vor Jahren raten musste, was für ein Auto man vor sich hatte, besteht heute bereits beim ersten Blick auf die aktuellen Mazda-Modelle kein Zweifel mehr, aus welchem Stall diese Autos kommen.

Und das gilt nun auch für einen Mazda, der das bislang nicht so klar zeigte ,– die Großraumlimousine Mazda MPV. Denn die tritt nun mit einer neuen Optik an, die nahtlos in die aktuelle Mazda-Familie passt. Bereits seit 1990 wird der MPV, dessen Hauptmarkt die Vereinigten Staaten sind, auch in Europa verkauft. Und seit er im vergangenen Jahr überarbeitet und erstmals auch mit einem modernen Dieselmotor angeboten wurde, erlebte er einen überraschenden Aufschwung. Denn von 2300 Verkäufen im Jahr 2002, die gegenüber 2001 bereits einen Zuwachs von gut 60 Prozent bedeuteten, steigerte man sich nun so, dass 2003 mit rund 2600 Verkäufen gerechnet wird. Die Mehrzahl davon sind inzwischen Diesel, steigerte man sich doch von einem Dieselanteil von 48 Prozent im vergangenen Jahr auf 85 Prozent in diesem Jahr.

Und das überrascht nicht, wenn man mit dem Diesel im MPV einmal Bekanntschaft gemacht hat. Denn Mazda stattet den MPV mit einem hochmodernen direkt einspritzenden Turbodiesel aus, der aus einem Hubraum von 2,0 Liter eine Leistung von 100 kW (136 PS) entwickelt und bei 2000/min ein höchstes Drehmoment von 310 liefert. Ein ausgesprochen anzugsstarker Motor also, der seine Kraft über ein breites Drehzahlband anbietet und sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er sehr kultiviert und mit erfreulich niedrigem Geräuschniveau zu Werke geht. Man muss bei flotter Fahrt also schon sehr genau hinhören, um zu erkennen, dass man einem Diesel lenkt.

Der mit einem Turbolader mit variabler Turbinengeometrie ausgestattete Common-Rail-Diesel mit einem maximalen Einspritzdruck von 1800 bar lässt den Mazda MPV Tempo 100 binnen 13,2 Sekunden und maximal 176 km/h erreichen. Und mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,1 l/100 km ist er zugleich besonders sparsam. Da überrascht es nicht, wenn immer mehr Käufer des MPV dem Diesel den Vorzug geben. Denn dem daneben angebotenen Benziner, einem 2,3-Liter-Reihenvierzylinder mit Vierventiltechnik und einer Leistung von 104 kW (141 PS) ist er ebenbürtig. Der Benziner braucht mit 12,7 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 nicht sehr viel weniger Zeit und ist mit maximal 180 km/h auch nur unbedeutend schneller. Und bei den Verbrauchswerten liegt er mit durchschnittlich 10,4 l/100 deutlich über dem Diesel. Für den Benziner mag sprechen, dass er die Abgasnorm EU4 erfüllt, während der Diesel nur EU3 schafft, aber sonst ist der Diesel für viele sicher das überzeugendere Aggregat, wie die Bestellungen in diesem Jahr ja auch bestätigen.

Neben dem modernen Diesel spricht der besonders geräumige und nun noch flexibler gewordene Innenraum für den Mazda MPV. Denn neben die bislang schon als Fünf- und als Siebensitzer angebotenen Versionen tritt nun als weitere Serienausstattung die bislang nur als Sondermodell verfügbare sechssitzige Variante Karakuri. Der Begriff, bekannt von der japanischen Faltpuppen-Technik, steht hier für eine besonders komfortable Variante, die vor allem in der Reihe hinter Fahrer und Beifahrer so etwas wie Business-Class-Komfort bietet. Denn hier sitzt man auf bequemen Einzelsitzen, deren Rückenlehnen in Neigung und Länge verstellbar sind und die zudem mit Armlehnen ausgestattet sind. Der rechte Sitz lässt sich außerdem zur Seite verschieben, so dass man bequemer einsteigen kann. Und bei beiden Sitzen lassen sich die Rückenlehnen auch zu Tischen umklappen. Zudem kann jeder der beiden Sitze einzeln ausgebaut werden. Schon das schafft eine Vielzahl von Nutzungsvarianten im Innenraum des MPV.

Mit wenigen Handgriffen versenkt

Besonders attraktiv wird die Variabilität allerdings durch die Rückbank der Karakuri-Version. Denn die lässt sich, ohne dass man sie ausbauen muss, mit wenigen Handgriffen im Wagenboden versenken. Lediglich die Kopfstützen müssen vorher entfernt werden, dann verschwindet die gesamte Bank und man hat einen glatten Laderaumboden. Und dann wird aus dem Sechssitzer ein Fahrzeug mit einem Laderaum von 866 Liter, wenn man die Sitze in der zweiten Reihe nutzt. Auf 166 Liter steigern lässt sich das Laderaumvolumen, wenn man diese Sitze ausbaut. Dann passt auch sperriges Sport- und Hobbygerät bequem in den Mazda MPV. Und da sich auch die Lehne des Beifahrersitzes nach vorn klappen lässt, kann man auch extrem langes Ladegut unterbringen. Aber auch bei sechs Sitzen reicht der 405 Liter große Gepäckraum des MPV Karakuri für die ganze Familie.

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