Mediaspree : Ein bedrohtes Fleckchen Multikulti

Der Ärger um das Projekt Mediaspree geht weiter. Nach der Bar 25 und die Maria am Ostbahnhof könnte bald das YAAM am Stralauer Platz bedroht sein. Müssen sich die Berliner bald von einem weiteren Stücken Multikulti verabschieden?

Julius Brauner
Protest: Das Projekt "Mediaspree" bedroht das Idyll am Ufer.
Protest: Das Projekt "Mediaspree" bedroht das Idyll am Ufer.Foto: Julius Brauner

Wie einst die legendäre Bar 25 beschäftigt sich auch das YAAM (Young African Art Market) am Stralauer Platz mit dem Problem „Mediaspree“. Im Multikultur-Zentrum Berlins sind drei je 27 Meter hohe Büroriegel in Planung. Worin der Sinn besteht, eine Strandbar mit Jugendarbeit und Integration durch Bürogebäude zu ersetzen, in einer Stadt, die in Sachen leere Büroflächen europaweit Platz Eins belegt? Diese Frage stellen sich viele Menschen, die an sonnigen Tagen durch den heißen Sand im YAAM schlendert. Auch wenn man sich bewusst ist, dass irgendwann der Tag kommt, an dem das YAAM weichen muss, macht sich dies in keiner Weise am Verhalten der Kinder und Erwachsenen sichtbar. „Das YAAM ist ein Treff für Jung und Alt. Und das schöne daran ist, dass alle mit dem gleichen Ziel hingehen: Einfach mal entspannen und den Alltag abschalten“, sagt der 16-jährige Timur Bünger, während er im Liegestuhl Sonnenstrahlen tankt.

Das YAAM ist seit der Gründung im Jahr 1994 von Mediaspree bedroht. Es wurde von der Arena zur Schlesischen-,  Ecke Cuvrystraße über den Postbahnhof, bis hin zum Stralauer Platz gescheucht. Heute kennt keiner den Stand der Dinge. Wie es in den nächsten Jahren am Stralauer Platz aussehen wird, steht noch immer in den Sternen. Eines steht jedoch fest: „Es wird immer weiter gehen“, bestätigt Haustechniker Muk lächelnd und richtet die Dreadlocks unter seiner Mütze. Auch er hat die Hoffnung nicht aufgegeben. Seit 12 Jahren arbeitet er im YAAM und inzwischen hat er gelernt, wie er mit der Situation umgehen muss. Er berichtet über den guten Draht zum Grundstückeigentümer und erklärt, dass das YAAM somit nicht auf Konfrontationskurs mit dem spanischen Unternehmen Urnova sei.

Eine Aufwertung des Bezirks durch den Bau von Mediaspree würde das Verkehrsaufkommens steigern und massive Mieterhöhungen nach sich ziehen. Subkulturen müssten wahrscheinlich ihre Wohnungen verlassen und Platz für die gehobene Klasse machen. Das Bauvorhaben geht also genau in die falsche Richtung. Im YAAM ist es egal, in welcher sozialen Schicht man angehört. Jeder behandelt jeden, wie er selbst behandelt werden möchte. Es spielt keine Rolle, aus welchem Land man kommt, da sich die ganze Welt dort trifft. Hauptsache ist, dass es sich jeder gut gehen lässt, mit leckeren afrikanischen Spezialitäten, bei einer Partie Volleyball oder in der Konzerthalle.

Eine eventuelle Rettung bestünde darin, dass der Senat mit dem spanischen Unternehmen über einen Grundstücktausch verhandelt, um ein kostbares Plätzchen Berlins vor einem weiteren Bauklotz zu schützen. Da der Senat dem YAAM finanziell sowieso nicht unter die Arme greift, ist diese Utopie wohl eher undenkbar. Berlin ist nämlich nicht Berlin ohne den Ort, an dem man in wenigen Schritten vom Berliner Wolkenbett ins tropische Sonnenbad kommt.

Dieser Text entstand im Rahmen der Tagesspiegel-Schülerakademie.

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