Medienerziehung : Lernen, wo Gefahren für die Kinder liegen

Das „Fachprofil Medienbildung“ macht aus Erziehern Computerspezialisten - und aus Kindern. Die Dozenten bringen den Kleinen bei, nicht alles zu glauben, was im Internet steht und Nicknames zu benutzen. In einer Zusatzausbildung werden Erzieher für die Medien sensibilisiert.

Rita Nikolow

Medienbildung ist im Pestalozzi-Fröbel-Haus in der Bundesallee Sache von Beate und Beate: Die Erzieherinnen Beate Lutze und Beate Basson bringen den Kindern, die nach der Schule in den Hort kommen, bei, wie ein Computer funktioniert, dass nicht jeder Wikipedia-Artikel die reine Wahrheit enthält und man fürs Chatten einen „nickname“, einen Spitznamen, verwenden sollte. „Ich vergleiche unsere Medienarbeit mit der Verkehrserziehung“, sagt Beate Lutze. Die Kinder müssten den Umgang mit den Medien üben und begreifen, wo mögliche Gefahren liegen.

Seit mehr als neun Jahren beschäftigen sich Beate und Beate mit Medien- und Computerarbeit. In den vergangenen 18 Monaten haben sie eine Zusatzausbildung absolviert, in Präsenzseminaren, Praxisphasen und per E-Learning: Das Fachprofil Medienbildung, 440 Stunden, verteilt auf fünf am Freitagnachmittag und sieben am Sonnabend. Zielgruppe der berufsbegleitenden Weiterbildung sind Kita- und Grundschulerzieher. Medienpädagogen vermitteln den Teilnehmern, welche Software- und Internetangebote für die Kinder geeignet sind, wie sie mit ihren Gruppen Filme und Radiobeiträge erstellen können und was sie beim Jugendmedienschutz beachten müssen.

Für die beiden Beates war diese Weiterbildung das i-Tüpfelchen. „Und der Erfahrungsaustausch ist ja auch ein Ideenpool“, sagt Beate Basson, die sich für ihre Abschlussarbeit das Thema „Verrückte Maschinen“ ausgesucht hat: Kinder zwischen drei und neun Jahren – aus dem Hort- und Elementarbereich – haben dafür alte Computer und Drucker auseinandergenommen und zu etwas Neuem zusammengebaut: einem Roboter, einer Kutsche, einem Auto und zwei Raumschiffen. Die Objekte sind zurzeit in einer Ausstellung im Exploratorium Potsdam zu sehen. Parallel zu dieser Zerlegungsaktion konnten die Kinder am PC mit Lernspielen wie „Willy Werkel baut Autos“ herumexperimentieren und physikalische Grundkenntnisse sammeln.

Und im Pestalozzi-Fröbel-Haus wurde auch schon ein Trickfilm gedreht, „Star Wars in Berlin“. Die Kinder haben die Szenen selber geschnitten, die Musik auf dem Keyboard eingespielt und den Text eingesprochen. Zu Stubenhockern entwickeln sich die Schüler durch die viele Technik aber nicht: „Sie haben immer noch einen großen Bewegungsdrang“, sagt Beate Basson. Trotzdem wollen viele der Kinder, die jetzt nach und nach aus der Stechlinsee-Schule eintreffen, ganz schnell an die Rechner.

Alicia, Emily, Christa und Elena zum Beispiel klicken sich durch ihr Lieblingsdetektivspiel, im Moment suchen sie nach einem Grammofon – und fragen sich, was das sein soll: „Vielleicht eine Art Mikrofon“, überlegt eine, fragt dann aber doch bei Beate Lutze nach. „Manche Begriffe muss ich den Kindern erst erklären“, sagt die Erzieherin. Wichtig ist ihr, dass es am Computer ein Miteinander gibt. Die beiden Erzieherinnen sind überzeugt, dass sich ihr Engagement lohnt: „Wenn diese Kinder später zur Uni gehen, haben sie eine ganz andere technische Medienkompetenz“, sagt Beate Basson. Und vielleicht werden aus Christa, Alicia und den anderen dann ja hauptberufliche Computerspezialisten.

Rita Nikolow

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