Schule : Mehr Sein als Schein: Der bescheidene Tscheche

Dezent, aber stark. Der Octavia RS von Skoda ist ein praktischer Wagen für Familien, die es besonders eilig haben

Ingo von Dahlern

Autos mit dem Skoda-Markenzeichen gelten gemeinhin als vernünftige Autos. Wer flinke Sportwagen mag, wird deshalb kaum bei der tschechischen VW-Tochter suchen, die den geflügelten Pfeil im Markenzeichen trägt. Doch damit verspielt er die Chance, einen Sportler der ganz besonderen Art kennen zu lernen. Denn was Skoda ab Mitte Januar als Octavia RS als neues Top-Modell seiner mittleren Baureihe anbietet, sieht zwar nur wenig anders aus als die bekannten Alltagsautos. Aber als RS fahren sich sowohl Limousine als auch Kombi ganz anders, als Vollblut-Sportler, die sogar dem Golf GTI auf der Autobahn den Auspuff zeigen.

Mancher Fahrer eines schnellen Sportwagens blickte erstaunt, als wir jüngst mit dem flotten Kombi mit knapp Tempo 240 souverän an ihm vorbeizogen. Denn erst bei 238 km/h kommt die Tachonadel zur Ruhe, bei der Limousine sind es sogar 240 km/h. Doch es ist weniger die Höchstgeschwindigkeit, die bei diesem Auto überrascht, sondern vor allem sein flotter Antritt. Denn für den Spurt auf Tempo 100 reichen der Limousine 7,3 und dem Combi 7,5 Sekunden. Und da die Maschine ihr höchstes Drehmoment von 280 Nm in einem breiten Band zwischen 1800 und 5000 Umdrehungen liefert, spricht sie praktisch bei jedem Tempo spontan an, wenn man aufs Gas tritt.

147 kW (200 PS) leistet der Zweiliter-Vierzylinder des Fronttrieblers. Im Unterschied zum ebenfalls sportlichen, kompakten Fabia RS, der auf einen kräftigen Turbodiesel setzt, ist diese Maschine ein Benziner – mit Direkteinspritzung und Turbolader. Wem die Daten bekannt vorkommen, liegt richtig. Denn der 2.0 TFSI im Octavia RS ist das gleiche Triebwerk, das auch unter der Motorhaube des Golf GTI steckt. Kein Wunder also, dass der Octavia, der sich die Plattform mit dem Golf teilt, als RS ebenso flott wie der neue GTI ist.

Damit man keine Probleme hat, die geballte Kraft aus diesem Motor vernünftig auf die Straße zu bringen, hat Skoda nicht nur das Sechsganggetriebe, sondern auch das Fahrwerk angepasst. 12 Millimeter wurde es tiefer gelegt, Federn und Dämpfer haben eine straffere Charakteristik. Das bringt eine auch bei zügiger Kurvenfahrt sichere Straßenlage. Als elektronischer Assistent ist die Fahrdynamikregelung ESP an Bord– einschließlich elektronischer Differenzialsperre (EDS), hydraulischem Bremsassistenten und Driver Steering Recommendation (DSR, siehe Kasten rechts).

Dem einen oder anderen mag das RS-Fahrwerk ein wenig zu straff erscheinen. Wir empfanden den verbliebenen Fahrkomfort als ausreichend auch für den Alltag. Denn uneingeschränkte Alltagstauglichkeit ist eine der besonderen Stärken des Octavia RS. Wenn bei Bedarf auch sportlich flott, ist er doch vor allem eine geräumige Familienlimousine mit einem großzügigen 560 Liter fassenden Kofferraum. Der Kombi zeigt echte Transporterqualitäten, sein Stauraum lässt sich bequem auf bis zu 1620 Liter erweitern.

Mehr Sein als Schein. Das prägt den unaufdringlichen Auftritt des Octavia RS. So fallen die kräftigen Stoßfänger mit den großen Lufteinlässen und den tief platzierten Nebelscheinwerfern erst auf den zweiten Blick auf. Dann entdeckt man auch die hinteren Stoßfänger mit Spoilerlippe, den Edelstahl-Doppelauspuff sowie die großen 18-Zoll-Leichtmetallräder mit Reifen 225/40 R18. Deutlicher werden die Unterschiede zum normalen Octavia, wenn man die Türen öffnet. Das Interieur in der Farbkombination schwarz/silber unterstreicht den besonderen Charakter dieses Autos. Die Sportsitze mit einer sorgfältig verarbeitetem Leder-Stoff-Kombination geben guten Seitenhalt, Lederlenkrad, Leder-Schalthebel und Alu-Dekore verströmen sportliches Flair. Alles wirkt dezent und zurückhaltend – der einzige Ausreißer beim Octavia RS ist der unübersehbare Spoiler auf der Heckklappe der Limousine.

Ebenso großen Wert wie auf Sportlichkeit legt Skoda auf den Ausstattungskomfort. Der Octavia RS bringt eine Kliamautomatik mit, Xenonlicht, Fahrlichtassistent, Regensensor und das Audiosystem Stream mit CD-Player. Fahrer und Beifahrersitz sind höhenverstellbar und beheizbar. Und die Sicherheitsausstattung ist komplett: Front-, Seiten und Fensterbags, verstellbaren Kopfstützen an allen Sitzen, Reifendruck-Überwachung TPM.

Fazit: Der Skoda Octavia RS ist ein neuer Beweis dafür, dass man nicht unbedingt einen teuren Sportwagen braucht, wenn man richtig sportlich unterwegs sein will. Natürlich hat auch diese Art der Fortbewegung ihren Preis: Für die Limousine muss man 25 990 Euro auf den Tisch legen, der Kombi kostet 1000 Euro Aufschlag. Gemessen am Leistungspotenzial und der Ausstattung ist das ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Nun fehlt Skoda nur noch die passende Allradversion. Die gibt es zwar schon als Modell Octavia 4 x 4, die aber ist bislang sehr viel schwächer motorisiert.

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