Schule : MG, Baujahr 78: Falten nach Vorschrift

Warum unserem Autor ein elektrisches Faltdach gestohlen bleiben kann

Andreas Conrad

Endlich oben ohne. Der Rausch von Sommer, Sonne, Freiheit beginnt. Ein Knopfdruck nur, nun rasch die Augen geschlossen, während es um einen herum dezent zu surren, rascheln, knacken beginnt: die sanfte Geräuschkulisse eines modernen, sich sekundenschnell zusammenfaltenden Cabrio-Verdecks. Die Augen auf, grenzenlos sollte sich jetzt der blaue Himmel über uns wölben – doch nein, es war nur ein Traum, und wir sitzen noch immer in dem alten britischen Roadster, einem MG B Baujahr 1978, niedrige Fenster, das schwarze Vinylverdeck geschlossen. Raumeindruck: wie im Cockpit einer Spitfire bei der Luftschlacht um England.

Aber das lässt sich ändern, mit viel Zeit und handwerklichem Geschick. Gewiss, man könnte einfach die beiden Schnapper oben am Rahmen der Windschutzscheibe lösen und das Verdeck mit Schwung nach hinten klappen. Aber elegant sieht das derart zusammengestauchte Paket nicht aus, und bald zeigt sich im Plastikfenster der erste Riss.

Das Falten nach Vorschrift wird ausführlich im „Driver’s Manual“ beschrieben: Man schwenke die Sonnenblenden zur Seite und löse zwölf Druckknöpfe von Verdeckgestänge und Außenblech der Karosserie, sodann zwei Befestigungshaken, zuvor ist das Verdeck etwas nach vorn zu ziehen. Nach Vorklappen der Sitzlehnen wird die Verdeck-Vorderleiste angehoben, „bis diese etwa in der Mitte der Türöffnung liegt“, wie es im Handbuch rätselhaft heißt. Nun wird die hintere Verdeckleiste aus ihren zwei Verankerungen ausgehängt, damit endet der einfachere Teil der Aktion.

Die nun folgenden Gefahren werden schon durch Fettdruck in der Anleitung herausgestellt: „Immer dafür Sorge tragen, dass das Verdeckmaterial zwischen Seitenfenstern und Heckfenster gefaltet wird. Wird dieser Anweisung nicht entsprochen, dann entsteht unter Umständen permanente Beschädigung des Heckfenstermaterials.“ Das Problem ist nur: Das Material, das in mehreren Schritten zusammengefaltet, um das eingeklappte Gestänge gewickelt und festgeschnallt wird, knickt meistens da, wo es nicht darf: an den Plastikfenstern, die immer neue kleine Kratzer und Knicke erhalten. Man kann das üben, perfekt gelingt es nie – und manchmal gar nicht, so dass man wieder auseinanderfalten und neu beginnen muss.

Nun könnten wie endlich losfahren, aber elegant sieht es noch immer nicht aus. Eine zweiteilige Stange für den Verdecküberzug, im winzigen Kofferraum gelagert, ist zusammenzustecken und über dem zusammengefalteten Verdeck zu befestigen. Der Überzug wird über das Verdeck gespannt – fertig. Gedauert hat es, je nach Tagesform und Übung, fünf bis zehn Minuten. Wenn man nicht vorher genervt aufgegeben hat.

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