Schule : Mit Leichtigkeit zu neuen Ufern

Alukarosserie, Luftfederung und typisch britisch / Tradition und HighTech beim neuen Jaguar XJ

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Von Ingo von Dahlern

Sie gehört unabdingbar dazu - die typische Linie, die bereits beim ersten Blick auch nicht den leisesten Zweifel daran aufkommen, dass man einen Jaguar vor sich hat. Und wer den neuen XJ, der derzeit in Paris sein Debüt vor großem Publikum gibt, auch nur aus den Augenwinkeln erfasst, weiß sofort, mit wem er es zu tun hat. Jaguar ist seiner großen Tradition treu geblieben, hat die Linie seines Spitzenmodells überzeugend in die Zukunft übertragen. Eine nicht immer ganz leichte Aufgabe, allein was die Front angeht. Denn Aerodynamiker haben mit dem schräg nach vorn geneigten Grill so ihre Probleme. Doch ohne ihn fehlt der Karosserie ein ganz typisches Element, dass deren Auftritt eine ganz spezielle Spannung verleiht. Und so hat auch der neueste XJ einen schräg nach vorn geneigten Grill, der bei genauerem Hinsehen allerdings sehr viel kraftvoller wirkt als bisher.

Und er hat auch wieder die für den Charakter dieses Autos so typischen großen Räder. Die tragen künftig eine Karosserie, die in allen Dimensionen um wichtige Zentimeter zugelegt und ihre Proportionen mit etwas nach vorn gerückter Fahrgastzelle und entsprechend kürzerer Motorhaube verändert hat. Doch dass der neue XJ tatsächlich länger, breiter und höher ist und in seinen Abmessungen der S-Klasse von Mercedes-Benz ebenbürtig, erfasst man mit den Augen kaum. Man muss schon das Zentimetermaß anlegen, denn optisch wirkt dieses Fahrzeug trotz seiner Größe sehr kompakt. Umso größer ist die Überraschung, wenn man sich hineinsetzt. Denn hier hat ein bemerkenswerter Wandel stattgefunden. Denn bislang waren viele enttäuscht, wie eng es in diesem Auto zugeht, das von außen so groß aussieht. Nun ist man überrascht, wie viel Kopf-, Schulter-, Ellenbogen- und Beinfreiheit die neue Generation bietet, die von außen eher kompakt wirkt – kurzum, das Platzangebot ist nun endlich klassengerecht.

Auch Pedale elektrisch einstellbar

Mit viel moderner Technik trägt Jaguar dazu bei, dass man es sich hinterm Lenkrad des XJ angemessen bequem machen kann. So gibt es auf Wunsch in sechzehn Funktionen elektrisch verstellbare Vordersitze mit einem längeneinstellbaren Sitzpolster und einstellbarer Lordosestütze. Und in Verbindung mit der ebenfalls elektrisch einstellbaren Lenksäule sowie erstmals auch elektrisch einstellbaren Pedalen findet man schnell eine Position, die sowohl komfortabel als auch sicher ist. Wer öfter mit Passagieren im Fond unterwegs ist, kann auf Wunsch eine elektrisch einstellbare Rückbank bekommen, bei der sich Lehnenneigung, Kopfstützen und Lordosestütze individuell in Position bringen lassen. Und sowohl vorn als auch hinten erlaubt es eine Vierzonen-Klimaautomatik praktisch jedem Passagier, sein Wunschklima zu gestalten.

Ebenso wichtig wie die äußere Linie ist bei einem Jaguar die Optik des Interieurs. Und wer hier eine durch klassisches poliertes Wurzelholz geprägte typisch britische Salonatmosphäre erwartet, wird keinesfalls enttäuscht. Es gibt sie auch künftig die edlen Hölzer an Instrumentenbrett, Mittelkonsole, Türinnenseiten und Schaltknauf, die ebenso sorgfältig verarbeitet sind, wie das wertvolle Leder, das dem Innenraum dieses Autos seinen typisch britisch Akzent verleiht. Die Rundinstrumente mit ihren weißen Zeigern sind nicht übertrieben groß und auch die bei einem modernen Auto unserer Zeit unverzichtbare Elektronik tritt äußerlich angenehm dezent auf – ein Luxusauto im klassischen Stil, in dem man sich wohl fühlen kann.

Wem das allerdings nicht zusagt, der kann sich auch ganz anders entscheiden. Denn das „Warm Charcoal"-Armaturenbrett mit seinen grau gebeizten Vogelaugenahorn-Applikationen schafft eine völlig andere sportlich-elegante Optik, die vielen sicher sehr viel besser zu den Versionen passt, die sportbetont auftreten. Die verzichten dann auch in ihrem Äußeren mit lackiertem Wabengitter-Grill auf jedwede Chrom-Applikationen – kurzum, man hat die Wahl, in welcher Optik man den neuen XJ bewegen will, auf den man allerdings noch ein wenig warten muss, denn er kommt erst im nächsten Frühjahr zu den Händlern.

Vier Motoren werden dann erst einmal angeboten werden – drei V8-Triebwerke und ein V6-Motor, mit dem auch eines der klassischen Markenbezeichnungen zurückkehrt: JX6. Vorerst nicht zurück kehrt Jaguar allerdings in den exklusiven Zwölfzylinder-Club, in den inzwischen selbst Volkswagen mit dem Phaeton eingezogen ist. So wird das Spitzenmodell des neuen XJ der XJR sein, dessen von einem Kompressor aufgeladener 4,2-Liter-V8 beachtliche 291 kW (395 PS) an die Hinterachse liefert. Als Saugversion bringt es diese bewährte Maschine im XJ 4.2 auf 219 kW (298 PS) und neu ins Programm kommt ein 3,5-Liter-V8, der 190 kW (258 PS) leistet. Den Einstieg bildet dann der XJ6, dessen Dreiliter-V6 175 kW (238 PS) bietet und damit für durchaus respektable Fahrleistungen sorgt. Dabei sind alle Motoren mit einem der modernsten Automatikgetriebe kombiniert, das derzeit auf dem Markt ist – der Sechsgang-Automatik von ZF, die ihr Debüt im neuen 7er von BMW gab und künftig auch in den neuen Top-Modellen für schnelle und sanfte Gangwechsel sorgen wird.

Zwar hält Jaguar hier die endgültigen Werte derzeit noch zurück. Doch alle Vertreter der neuen XJ-Generation profitieren von einer technischen Änderung, die man mit dem Auge nicht erfasst, aber sowohl auf der Waage als auch bei der Fahrdynamik dieses Autos spüren wird – denn statt auf Stahl setzt Jaguar bei der Karosserie künftig weitestgehend auf Aluminium, so dass der neue XJ neben dem Audi A8 das zweite Oberklasseauto mit einer Karosserie aus diesem Leichtmetall ist. Das verarbeitet Jaguar mit einer Fülle neuer Fügetechniken, setzt auf neue Nietverfahren ebenso wie das Stanznieten und vor allem auch auf Klebeverbindungen. Neben Aluminium kommt etwa bei den Sitzrahmen oder dem Querträger, an dem das Instrumentenbrett und die Lenksäule montiert sind, das noch leichtere Magnesium zum Einsatz. Allein bei der Karosserie konnte man so rund 200 Kilo einsparen – und das nicht etwa auf Kosten der Stabilität. Denn die Aluminiumkarosserie ist rund 60 Prozent steifer.

Luftfederung und CATS

Das wiederum kommt der Fahrdynamik dieses Autos zugute, bei dem Jaguar auch beim Fahrwerk, das in seiner Grundkonzeption verwandt mit dem des S-Type ist, einen großen Sprung nach vorn macht. Denn statt auf konventionelle Stahlfedern setzt man auf eine Luftfederung. Deren Federrate wird an das jeweils aktuelle Fahrzeuggewicht so angepasst, dass stets der gesamte Federweg zur Verfügung steht. Das ist angesichts der leichten Karosserie besonders wichtig, da Passagiere und Zuladung ja einen höheren Anteil am Fahrzeuggesamtgewicht haben. Und schließlich erlaubt die Luftfederung, das Fahrzeugniveau unabhängig von der Beladung auf konstanter Höhe zu halten sowie die gesamte Karosserie bei flotter Autobahnfahrt abzusenken. Kombiniert ist die Luftfederung mit einer weiter entwickelten Version des bereits bewährten adaptiven Dämpfersystems CATS (Computer Active Technologie Suspension). Das optimiert Straßenlage und Handling, da es die Dämpferkennung in Sekundenbruchteilen vollautomatisch dem jeweiligen Fahrzustand anpasst. Gesteuert werden CATS und Luftfederung von einem gemeinsamen Steuergerät.

Alle wichtigen elektronischen Assistenzsysteme gehören zur Ausstattung des neuen XJ, dessen kraftvolles Bremssystem mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung und einem Bremsassistenten arbeitet. Vor durchdrehenden Rädern beim Anfahren bewahrt die Traktionskontrolle, und wenn das Fahrzeug in kritischen Fahrsituationen einmal außer Kontrolle zu geraten droht, dann sorgt die Fahrdynamikregelung DSC (Dynamische Stabilitätskontrolle) dafür, dass es duch gezieltes Bremsen einzelner oder mehrerer Räder und schnelle Eingriffe ins Motormanagement wieder auf den richtigen Kurs gebracht wird. Sowohl die Traktionskontrolle als auch die Fahrdynamikregelung lassen sich übrigens abschalten.

Bei der Geschwindigkeitsregelung setzt Jaguar künftig auf einen intelligenten Tempomaten mit adaptiver Regelung, der bei der Temporegelung darauf achtet, dass stets der nötige Sicherheitsabstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen eingehalten wird. In dieses System ist eine Auffahrwarnung integriert, die auch bei ausgeschalteter Geschwindigkeitsregelung immer dann akustisch warnt, wenn man allzu eng auf den Vordermann auffährt.

Und komplett präsentiert sich schließlich auch die passive Sicherheitsausstattung mit Airbags für die Front, Seitenairbags und solchen für die Köpfe der Passagiere. Dabei setzt man auf das von Jaguar entwickelte System A.R.T.S. (Adaptive Restraint Technology System), das die Auslösung und Entfaltung der Airbags unter Berücksichtigung der Position des Fahrers und von Statur und Gewicht des Beifahrers regelt.

Genau 34 Jahre sind auf den Tag genau zwischen der Vorstellung des ersten JX im Jahr 1968 und der Präsentation der nunmehr siebten Generation vergangen. 800 000 XJ sind seitdem verkauft worden – mehr als die Hälfte der bisherigen Jaguar-Gesamtproduktion. Und mit dem neuen JX schafft Jaguar gute Voraussetzungen, das aus dem XJ noch einmal ein Produktionsmillionär werden kann.

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