Schule : Mit Schwung in die Sonne Der Tacho verspricht 310 km/h

Audi schickt das RS4 Cabrio auf die Straße – oder besser auf die Rennstrecke

Ingo Wolff

Rom, 27 Grad, die Sonne brennt. Nur die Reifen glühen noch nicht. Aber vielleicht gleich, wenn das neue RS4-Cabrio auf dem Asphalt die ersten Runden hinter sich gebracht hat. Audi hat seine sportlichste Serie erweitert und schickt nach der RS4-Limousine jetzt auch das Cabrio und den Avant auf die Straße. Oder besser: auf die Rennstrecke. Denn 420 PS gehören eindeutig auf einen Motorsportuntergrund. Deshalb stehen die drei Sportwagenmodelle auch auf der Autorennstrecke Vallelunga und warten auf ihren Abflug.

Gestartet wird die Maschine mit einem Knopfdruck auf die Mittelkonsole. Der Motor dröhnt. Im Cabrio lässt sich das noch besser fühlen und hören als im Avant oder in der Limousine. Aber eigentlich müsste man sich fragen, ob ein Cabrio überhaupt einen V8-Motor haben muss und Keramikbremsen, Sportsitze sowie ein Fahrwerk, das jeden normalen Straßenwagen alt aussehen lässt. Man würde sich das sicher fragen, wenn denn das Gehirn anspringt. Doch das bleibt vorerst noch ausgeschaltet oder genauer: Es ist auf den Parcours konzentriert, der vor dem RS4 liegt. Einige Pilone stehen im Weg und sollen eine Slalomstrecke ergeben. Ob da der Wagen bei der angepeilten Geschwindigkeit überhaupt rumkommt? Der Motor heult auf wie ein Hund, den man unsanft tritt. Das Gas ist unheimlich empfindlich. Das Cabrio schießt los. In 4,9 Sekunden soll der Wagen auf Tempo 100 sein, verspricht der Hersteller. Langsam zählen kann man bei dem Höllenritt nicht und noch viel weniger auf die Uhr schauen. Ist aber auch nicht wichtig. Der Magen sagt einem, der Wagen beschleunigt verdammt schnell.

Die erste Kurve kommt und noch eine, Bremsen, Beschleunigen, Bremsen, wieder eine Kurve. Das Tempo macht Spaß, und nicht nur die Haare sind etwas durcheinandergeraten. Die erste Runde hat schon gezeigt, dass der RS4 – egal ob als Cabrio, Avant oder als Limousine – ein Sportgerät ist, das einem das Gehirn durchschüttelt. Wer das bis hierhin noch nicht begriffen hat, kann ja mal die kleine Taste am Lenkrad drücken. Da steckt die Sportfunktion hinter. Die Sitze pumpen sich auf, schmiegen sich an den Körper. Der Motor dröhnt durch eine geöffnete Abgasklappe noch etwas lauter und das Gaspedal springt noch früher an. Jetzt hat das Gefühl endgültig über den Verstand gesiegt. Hier steht ein Rennwagen und kein Straßenfahrzeug.

Audi hat den RS4 mit noch mehr Aluminium noch etwas leichter gemacht. Jedes PS treibt nicht mal vier Kilogramm an. Damit befindet sich die Serie tatsächlich auf Rennwagenniveau. Immerhin ist das Cabrio etwas schwerer als die Limousine und damit etwas schwerfälliger. Verzichten muss der Fahrer dennoch auf nichts. Bei 250 km/h ist das Cabrio genauso wie seine beiden geschlossenen Kollegen abgeregelt. Die variable Dämpfung DRC (Dynamic Ride Control) fängt den Wagen in den Kurven extrem gut ab. Sie reduziert die Wankbewegungen der Karosse. Trotzdem gibt es für Kurven natürlich eine Schmerzgrenze der Geschwindigkeit. Irgenwann hat man auch bei aller sportlicher Technik das Gefühl auszubrechen.

Damit der Verstand aber nicht so abhebt wie die Reifen bei Tempo 100 in den Kurven, wird der Wagen vom Autodromo auf eine normale Landstraße gelenkt. Es ist Zeit, mal die Maschine zu drosseln und die Natur zu genießen. Und tatsächlich, auch mit Allradantrieb und Sportausstattung lässt es sich genüsslich dahincruisen. Doch dann passiert es wieder. Das Sport-Gen greift ein. Von hinten nähert sich ein italienisches Moped. Nicht ungewöhnlich für Rom und seine Umgebung, aber beängstigend für die Karosse, die einen umgibt. Soll man sich in so einem Auto tatsächlich von so einem Gefährt überholen lassen? Der Verstand schaltet sich erneut ab und das Gaspedal schlägt an. Der Motor hämmert und erfüllt die romantische Umgebung mit ohrenbetäubendem Lärm. Das Moped ist schnell wieder weg und die letzten Sekunden sind wie im Flug vergangen.

Die Limousine gibt es seit Ende letzten Jahres. Seit einigen Tagen werden die ersten Cabrios ausgeliefert und im September kommt der Avant dazu.

Der RS4 hat einen V-8-Motor mit 309 KW (420 PS) und 4163 ccm Hubraum. Der Motor erreicht sein maximales Drehmoment von 430 Nm bei 5500 Umdrehungen/Minute.

In 0-100 km/h ist die Limousine in 4,8 Sekunden, Avant und Cabrio benötigen 4,9 Sekunden. Das Tempo ist bei allen dreien auf 250 km/h gedrosselt, obwohl die 310 auf dem Tacho mehr verspricht.

Die Limousine verbraucht 13,5 Liter Benzin auf 100 km im Durchschnitt, Avant mit 13,5 und Cabrio mit 13,9 l/100km sind noch weniger sparsam.

Das Dach des Cabriolets lässt sich mit einem Knopfdruck automatisch in 21 Sekunden öffnen. Bis Tempo 30 ist das sogar während der Fahrt möglich. Das Cabrio kostet in der Grundausstattung 82 900 Euro , den Avant kann man ab 71 500 Euro bestellen, die Limousine gibt es ab 69 900 Euro. iwo

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