Schule : Mit Urlaub zum Beruf

Am OSZ Lotis lernen Reise-Experten, Logistiker und Bürokaufleute

Daniela Martens

Bastian hat sich verlesen und es nicht gemerkt. Gut, dass Aline aufgepasst hat: „Du hast die Maßangabe mit dem Gewicht verwechselt, deshalb kommt das Ergebnis nicht hin“, sagt sie. Und Max? „Der hat dir blind vertraut“, sagt Aline zu Bastian. Bastian, Max und Aline, 21 bis 27 Jahre alt, sitzen in einem Klassenraum des Oberstufenzentrums Logistik, Touristik, Immobilien, Steuern (OSZ Lotis). Die drei machen eine Ausbildung zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistungen.

Wenn sie nicht in den Betrieben arbeiten, sind sie hier, in dem großen Gebäude an der Dudenstraße in Tempelhof und lernen. In diesem Moment sind sie dabei, die Gebühren für Luftfracht zu berechnen. Die Klasse ist in Gruppen aufgeteilt. Zum Schluss sollen sie ihre Ergebnisse präsentieren.

Seit 30 Jahren lernen Auszubildende und andere Schüler am OSZ Lotis. Es war eines der ersten Oberstufenzentren in Berlin. Rund 3000 Schüler werden hier unterrichtet, der Großteil davon nimmt an einem der zehn dualen Ausbildungsprogramme teil – unter anderem für künftige Kaufleute für Immobilien, für Freizeit und für Reisen sowie für Steuerfachangestellte. Außerdem können Schüler jeden möglichen Abschluss erwerben vom Hauptschulabschluss bis zur Hochschulreife. Und wer keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, kann eine rein schulischen Ausbildung machen, etwa zum Kaufmann für Bürokommunikation. Diese Schüler simulieren den Berufsalltag in Modellfirmen. Vom Sekretariat über den Einkauf bis hin zur Personalabteilung machen die Schüler alles selbst.

Eine der Schüler-Firmen, die Duden OHG, verkauft ökologische Büroartikel aus recycelbaren Stoffen und nachhaltiger Forstwirtschaft – zum Beispiel ergonomische Bürostühle. Sie hat ihren Sitz in einem richtigen Büro in der Schule – mit Computern, Aktenregalen und Empfangstresen. Drei Monate Praktikum gehören zur Ausbildung dazu. Viele Schüler bleiben danach gleich in den Praktikumsbetrieben und setzen dort ihre Ausbildung fort, heißt es am OSZ. Für alle, die weitermachen, steht am Ende die gleiche Prüfung wie bei der dualen Ausbildung – die Ergebnisse seien oft besser. Einige der Absolventen bleiben nach der Ausbildung weiter am Oberstufenzentrum: Sie machen noch die Fachoberschulreife, um ein Studium anzuschließen.

Schülervertreter Simon Büttner, 18, ist von einer Realschule in den Oberstufenzweig des Lotis gewechselt. Inzwischen ist er in der 12. Klasse und hat wie alle dort Wirtschaft als Leistungsfach. Anschließend will er Betriebswirtschaft studieren. „Ich denke, ich werde dann Vorteile gegenüber anderen Studenten haben, die von normalen Gymnasien kommen“, sagt er. Außerdem lernt er Japanisch in einer Arbeitsgemeinschaft.

Wer anders als Simon nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll, findet im Oberstufenzentrum Rat. In der Sprechstunde in einem Beratungsraum mit Korbstühlen und Teppich helfen Lehrer mit spezieller Fortbildung und Sozialarbeiter auch bei anderen Problemen, etwa bei Schulden, Streit mit den Eltern und bei der Wohnungssuche. Benjamin aus der Logistik-Klasse sucht etwas anderes: die Zeitzone von Kapstadt auf der Weltkarte an der Wand. Auch die braucht er um Luftfrachtgebühren zu berechnen. Daneben diskutieren Aline, Max und Bastian über den Unterricht: „Der ist motivierend hier, wir arbeiten selbständig und unterstützen uns alle gegenseitig.“ Einer findet den Fehler immer. Daniela Martens

Kontakt: OSZ Lotis, Dudenstr. 35/37, www.osz-lotis.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben