Schule : Mit zwei Motoren unter einer Haube

Beim neuen Civic IMA setzt Honda auf einen Hybridantrieb

Ingo von Dahlern

Man sieht es ihm bereits auf den ersten Blick an, dass er ein wenig anders ist, als die übrigen Modelle der gerade erst überarbeiteten aktuellen Civic-Familie von Honda – der neue Civic IMA. Denn die Front des viertürigen Fünfsitzers zeigt ein eigenständiges Design mit schmaleren Scheinwerfern und einem speziellem Grill. Doch die etwas andere Optik ist eigentlich nur Nebensache. Viel wichtiger ist, dass unter der ein wenig anderen Karosserie auch eine etwas andere Technik steckt.

Andere Wege in Japan und USA

Denn um seine Fahrzeuge noch sparsamer und sauberer zu machen, geht Honda unterschiedliche Wege. Einer sind die modernen Diesel, mit denen Honda mit dem ersten selbst entwickelten Triebwerk für den Accord soeben erst mit einer Konstruktion überrascht hat, die Maßstäbe in ihrer Klasse setzt. Diesel allerdings sind eine europäische Spezialität. In Japan, wo private Diesel-Personenwagen verboten sind und den USA, wo sie derzeit nicht etabliert sind, setzt Honda deshalb wie viele andere Hersteller auf so genannte Hybrid-Modelle.

Das sind Autos, die zwei Antriebstechniken unter einer Motorhaube kombinieren – einen ganz normalen Benzinmotor und einen Elektromotor. Und die werden künftig auch in Europa angeboten. Beim Vorgänger des Civic IMA, des Honda Insight, hatte man sich noch darauf beschränkt, lediglich eine kleine Serie von Demonstrationsfahrzeugen nach Deutschland zu bringen. Beim Civic IMA, von dem in den USA und in Japan bereits 15 000 Exemplare verkauft werden konnten, setzt man dagegen darauf, auch in Europa eine größere Zahl auf den Markt zu bringen. Bekommen kann man ihn übrigens schon seit Mai in Großbritannien, wo er auch dadurch attraktiv ist, dass er von der Mautzahlungspflicht für die Londoner City ausgenommen ist. Und schon bald nach dem Jahreswechsel wird es den Civic IMA dann auch auf dem deutschen Markt geben, für den inzwischen auch der Preis bekannt ist: 21 900 Euro wird der Civic IMA kosten.

Der elektrische Motor im Civic IMA – die drei Buchstaben stehen für Integrated Motor Assist – ist allerdings nicht so stark, dass er den Civic allein antreiben könnte. Deshalb ist der Civic IMA auch ein so genannter Soft-Hybrid. Dessen Elektromotor kann den Benzinmotor in vielen Fahrsituationen bei seiner Arbeit unterstützen. Und die Kraft, die er dabei aus einer an Bord mitgeführten Batterie aktiviert, wird an Bord gewonnen – vor allem durch die bei normalen Fahrzeugen beim Bremsen verloren gehende Energie, die hier in elektrischen Strom umgewandelt wird. Von dem gleichen System übrigens, das als Elektromotor arbeitet. Denn von außen angetrieben wird es zum Generator und außerdem kann es auch noch die Aufgaben des Anlassers übernehmen.

Und hier liegt das große Sparpotenzial dieser Technik. Denn durch Bremskraftrückgewinnung lässt sich der Verbrauch des Benzinmotors im Stadtverkehr um bis zu 25 Prozent senken. Und das macht den Civic IMA zum sparsamsten Benziner der Civic-Familie. Denn ihm genügen im Durchschnitt gerade einmal 4,9 l/100 km. Und auch bei den Kohlendioxidemission liegt er mit 116 g/km sehr niedrig. Zudem erfüllt er die Abgasnorm EU4.

Unterstützung bei Bedarf

Der Antrieb des Civic ist eine Kombination aus einem 1,3-l-Vierzylinder-Benziner, der eine Leistung von 61 KW (83 PS) entwickelt und einem Elektromotor, der es auf 6,5 kW (9 PS) bringt. Die Leistung des Benziners reichte, um mit dem Civic IMA ganz normal zu fahren und ihn auch auf längeren Steigungen noch gut vorankommen zu lassen. Aber er zeigt sich dort, wie erste Probekilometer zeigten, flotter, als man es eigentlich von einem 1,3-Liter-Benziner erwartet. Denn die raffinierte Steuerung des IMA-Systems sorgt dafür, dass der Benziner immer dann, wenn er besonders gefordert wird, vom Elektromotor eine zusätzliche Leistungspritze erhält.

Gleitet man dagegen ruhig über eine ebene Landstraße oder Autobahn, dann hält sich der Elektromotor zurück. Und da drei der vier Zylinder des Benziners mit einem speziellen Zylinderleerlaufsystem ausgestattet sind, geht auch keine wertvolle Energie durch die Motorbremswirkung verloren, sondern wird optimal in elektrischen Strom umgesetzt. Dessen Produktion erreicht natürlich ihre Höchstwerte, wenn der Civic IMA verzögert wird und diese Aufgabe so weit wie möglich vom Generator übernommen wird.

All das läuft für den Fahrer unmerklich und vollautomatisch ab. Wie es um den Ladezustand der Batterie, die hinter der Rücksitzbank untergebracht ist, bestellt ist, zeigt ein spezielles Instrument auf dem Armaturenbrett des Civic IMA. Dort kann man auch erkennen, wann der Elektromotor aktiv wird und den Benziner verstärkt. Und bei ersten Probekilometern vor allem auf Mittelgebirgsstraßen, auf denen der Elektromotor öfter gefordert wurde, zeigte sich, dass die dabei kontinuierlich entleerte Batterie sich auf den Strecken in der Ebene und vor allem im Gefälle überraschend schnell wieder auflud.

So gibt sich der Civic IMA für seinen Lenker wie ein ganz normaler Benziner – mit dem Vorteil allerdings, dass man mit diesem Auto weniger oft eine Zapfsäule ansteuern muss. Dazu trägt nicht nur die IMA-Technik bei. Denn die Civic-Entwickler setzen auch auf eine besonders effiziente und in vielen Betriebsbereichen magere Verbrennung des Benziners mit seiner VTEC-Steuerung und niedrige innere Reibung des Motors und sorgen zudem dafür, dass der Motor immer dann, wenn das Fahrzeug steht, abgeschaltet wird. Er startet sofort wieder, wenn man einen Gang einlegt – und das ohne irgendwelche aufdringlichen Startergeräusche, denn diese Aufgabe übernimmt der auf einer gemeinsamen Welle mit dem Benzinmotor sitzende Elektromotor.

Weitere Sparpotenziale wurden durch eine besonders ausgefeilte Aerodynamik erschlossen, zu der neben einem aerodynamisch optimierten Stoßfänger auch ein Kofferraumspoiler und Unterbodenabdeckungen gehören. Und auch die elektrische Servolenkung, die nur dann Energie verbraucht, wenn sie tatsächlich aktiv ist, trägt dazu bei, den Verbrauch des Civic IMA niedrig zu halten.

Wie überzeugt Honda von der Zuverlässigkeit seines IMA-Systems ist, zeigt schließlich, dass man auf das Benzin-Elektromotor-System mit Starter-Generator-Funktion, die dazu gehörende elektronische Steuerung, den Gleichstrom-Wechselstromwandler, die Batteriesteuerungseinheit und die Nickel-Metallhydrid-Batterie des Systems eine Spezialgarantie von acht Jahren oder für 160 000 Meilen gewährt.

Ausschließlich mit Stufenheck

Abgesehen von seiner etwas anderen Technik ist der bis zu 177 km/h schnelle und 4,48 Meter lange Civic IMA, der ausschließlich als Stufenheckmodell angeboten wird, ein vollwertiges Mitglied der aktuellen Civic-Familie, das bis zu fünf Personen Platz bietet und dessen Kofferraum bis zu 341 Liter fasst. Er hat eine den ES-Modellen vergleichbare sehr umfangreiche Sicherheits- und Komfortausstattung einschließlich ABS mit EBC und Bremsassistent, beheizbaren und auf Fahrerseite auch höhenverstellbaren Vordersitzen, Klimaautomatik, höhenverstellbarem Lederlenkrad, Radio mit CD-Spieler und 15-Zoll-Leichtmetallfelgen, das zu einem Preis angeboten wird, der nicht aus dem Rahmen der übrigen Civic-Modelle fällt.

Für alle, die nicht unbedingt einen Diesel fahren aber trotzem sehr sparsam und emissionsarm unterwegs sein und so einen beitrag zur Schonung der Umwelt leisten wollen eine attraktive Alternative.

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