Mittagessen, Klassenfahrten, Bücher : Ausgaben für Schule in Berlin: Das summiert sich

Die Ferien sind vorbei, Zeit für einen Kassensturz: Denn auch an öffentlichen Schulen zahlen Eltern dazu. Viele kommen an ihre finanziellen Grenzen, doch dafür gibt es Hilfe. Ein Überblick.

von , und Nándor Hulverscheidt
Erst nachdenken, dann verhandeln: Rot-Rot-Grün hat jetzt viel zu tun.
Erst nachdenken, dann verhandeln: Rot-Rot-Grün hat jetzt viel zu tun.Foto: imago/imagebroker

Ein Kind kostet viel Geld. Das merken Eltern schnell. Wenn die Schulzeit beginnt, bekommen die Ausgaben noch mal eine andere Dimension. Ein Schreibtisch und ein Ranzen müssen her, jedes Jahr sind Bücher, Stifte, Hefte, Turnschuhe zu zahlen, ganz zu schweigen von Klassenfahrten, Hortbeiträgen und Schülerticket.

Familien, die auf Transferleistungen angewiesen sind, können den Großteil dieser Ausgaben über das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) finanzieren lassen. Für Gutverdiener stellen die Ausgaben wohl kein Problem dar. Schwierig ist es oft für gering- und mittelverdienende Eltern ohne Anspruch auf Sozialleistungen. Es gibt zwar an manchen Schulen Förder- und Spendenvereine. Die Hemmschwelle, diese Hilfen zu nutzen, ist aber oft groß. Mit der Offenbarung der eigenen Lebensverhältnisse sei bei vielen Eltern ein persönlicher Konflikt verbunden, sagt Landeselternsprecher Norman Heise. Dazu kommt, dass Fördervereine Einzelnen mitunter gar nicht helfen dürfen, weil sie dem Anspruch der Gemeinnützigkeit gerecht werden müssen.

SCHULBÜCHER

Für Fachbücher, Lektüre und Arbeitshefte müssen Eltern pro Jahr bis zu 100 Euro zahlen. So hoch ist der sogenannte Eigenanteil. Was darüber hinaus an Büchern benötigt wird, muss die Schule den Kindern zur Verfügung stellen.

Es gebe „immer wieder mal Fälle, in denen Bücherlisten die Grenze von 100 Euro überschreiten“, sagt Landeselternsprecher Heise. Das passiere meistens aus Unkenntnis. Eltern sollten auch auf Ausgaben während des Schuljahres achten, etwa für Kopien oder kurzfristig beschaffte Lektüren, da auch diese vom Eigenanteil gedeckt sein müssen. Gegebenenfalls, so Heise, könnten Eltern die Zahlung verweigern.

Es geht aber auch anders: Viele Schulen setzen auf Sammelbestellungen und sogenannte Lernmittelfonds. Dann zahlen Eltern einen jährlichen Beitrag, meist zwischen 40 und 60 Euro, und davon schafft die Schule die Bücher an. Die bleiben dann Eigentum der Schule und können an nachfolgende Jahrgänge weitergegeben werden. Arbeitshefte, in die die Schüler hineinschreiben, werden neu gekauft.

Manche Schulen organisieren einen Bücherbasar, um die Kosten für die Eltern niedrig zu halten. Der Verkauf gebrauchter Bücher wird dadurch erschwert, dass es in Berlin anders als in vielen anderen Bundesländern keine zentrale Zulassung von Büchern gibt. Aus diesem Grund kann jede Schule der Stadt andere Lernmittel auf die Einkaufsliste setzen. Empfänger von staatlichen Transferleistungen wie Hartz IV bekommen die Bücher vom Land bezahlt, sie sind „lernmittelbefreit“.

SCHREIBWAREN UND CO

Die Liste ist bei den meisten Eltern gefürchtet: Fürs nächste Schuljahr braucht das Kind zwölf linierte A-4-Hefte mit Rand und fünf ohne Rand, vier karierte in A 5 und zwei A 4 blanko. Schnellhefter und Umschläge in Hellblau, Dunkelgrün und Lila. Turnschuhe mit heller Sohle, ein durchsichtiges Lineal. Die Liste ist meistens noch viel länger. Je nach Schnäppchentalent und Jahrgangsstufe kommen schnell zwischen 30 und 100 Euro zusammen. Auch während des Schuljahres ist immer etwas zu besorgen. Mal gibt der Füller seinen Geist auf, mal sind die Buntstifte abgenutzt oder das Geodreieck verloren gegangen.

Auch hier hilft das BuT den Transferempfängern: 70 Euro bekommen sie für Schulbedarf zu Schuljahresbeginn, weitere 30 Euro gibt es für das zweite Schulhalbjahr.

MITTAGESSEN

Pauschal kann man sagen: Für das Mittagessen an Grundschulen zahlen Eltern einen monatlichen Beitrag von 37 Euro. Das stimmt dann, wenn das Kind in einer Ganztagsschule ist oder an der Hortbetreuung teilnimmt. Für Kinder, die nachmittags nicht in den Hort gehen, aber dennoch mitessen wollen, müssen Eltern den nicht subventionierten Vollpreis zahlen: rund 65 Euro im Monat. BuT-Berechtigte zahlen einen Euro pro Essen, also rund zwanzig Euro im Monat.

An den weiterführenden Schulen ist das Schulessen nicht vom Land subventioniert. Hier muss der volle Preis bezahlt werden. Es gibt unterschiedliche Regelungen. Manchmal muss man Monatsverträge abschließen, oft kann man Essen einzeln kaufen. Bei den älteren Schülern ist ohnehin die Dönerbude oft beliebter als die Schulkantine. Der durchschnittliche Preis für ein Oberschulessen betrug laut einer Untersuchung des Ernährungsministeriums von 2014 rund drei Euro. BuT-Berechtigte zahlen auch für ein Oberschulessen nur einen Euro pro Portion.

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