Schule : Multitalente Opel Trixx und Renault Modus

Attraktive und innovative Studien auf dem Genfer Salon / Renault Entwurf ist bereits seriennah

Ingo von Dahlern

Er ist ein Winzling – gerade einmal 3,04 Meter lang. Und trotzdem ist er ein Riese – der in Genf als Studie gezeigte Trixx von Opel. Denn in seinen Laderaum passen trotz der Abmessungen, die noch unter denen des Smart Fortwo liegen, problemlos 1010 Liter. Möglich wird das durch ein raffiniertes Innenraumkonzept – eine Disziplin, bei der die Ingenieure aus Rüsselsheim schon seit Jahren auf der Pole-Position stehen. Denn ob Zafira oder Meriva, Vectra, Signum oder auch Agila – in der Innenraumvariabilität setzt jedes dieser Modelle Maßstäbe in seiner Klasse.

Bis zu vier Personen finden Platz im Trixx – zwei vorn, eine weitere Person hinterm Beifahrer und als vierter Passagier ein Kind bis zu vier Jahren auf einem herausklappbaren Kindersitz hinterm Fahrer. Allerdings hat jeder der Sitze seine ganz besonderen Eigenschaften. So lässt sich der Beifahrersitz dank eines ausgeklügelten Klappmechanismus vollständig im Boden versenken. So entsteht neben dem Fahrer eine völlig ebene Ladefläche. Einen ganz andern Weg gehen die Ingenieure beim hinteren Sitz. Denn der bildet, so lange er nicht benötigt wird, eine durchgehende Fläche mit der Laderaumrückwand. Zum Sitz wird er erst dann, wenn seine dem Passagier Halt gebenden Formteile mit einem Kompressor an Bord des Trixx aufgepumpt werden. Ganze zehn Sekunden dauert dieses Manöver, dann kann man Platz nehmen. Und ebenso schnell ist er mit Hilfe einer Vakuumpumpe wieder in der Rückwand versenkt. Sitzfläche und Rückenteile dieser ungewöhnlichen Konstruktion bestehen aus besonders elastischem Neopren. Und Platz vier für junge Mitfahrer wird einfach aus der Rückwand herausgeklappt.

Platz für komplettes Mountainbike

Bei dieser Konstruktion überrascht es nicht mehr, dass der Trixx als Einsitzer bei einer maximalen Ladelänge von 1,53 Meter zwischen Rückwand und Armaturentafel sogar ausreichend Platz bietet, um ein Mountainbike ohne vorherige Demontage komplett an Bord zu nehmen. Und auch der Transport eines mittleren Kühlschranks ist kein Problem.

Ebenso wichtig wie ausreichend Platz sind natürlich auch ausreichend breite Türen. Auch hier beschreitet Opel neue Wege. Denn mit jeweils einem Träger in der Karosserie verankerte so genannte Pantograph-Türen, die elektrisch betätigt werden, lassen sich so weit öffnen, dass auf der Beifahrerseite mit zwei solchen Türen ein rund 1,50 Meter breiter Zugang entsteht. Der ist so breit, dass man auf die allgemein übliche Heckklappe verzichten konnte, was wiederum die Konstruktion des aufblasbaren dritten Sitzes erlaubte.

Nicht alles, was in den Trixx hineinpasst, sollte allerdings in ihm transportiert werden. Denn allzu schmutziges oder problematisches Ladegut würde den attraktiven Innenraum erheblich verschmutzen. Trotzdem kann man auch solche Dinge mitnehmen wie einen Sack Zement vom Baumarkt oder auch ein stark verschmutztes Rad. Denn mit einem Griff kann man aus dem Heck einen Heckgepäckträger herausziehen, der dort wie eine Schublade versteckt ist. Und der hat eine Traglast von immerhin 30 Kilogramm. Für besonders hohes Ladegut gibt es eine weitere raffinierte Lösung – eine im hinteren Bereich des Dachs angebrachte fast über die ganze Fahrzeugbreite reichende Dachluke, die sich auf Knopfdruck öffnet oder schließt.

Um so viel Platz für Passagiere und Gepäck auf so wenig Raum zu verwirklichen, mussten die Opel-Ingenieure in vielen Bereichen nach ganz neuen Lösungen suchen. Dazu gehört zum Beispiel auch der nicht wie üblich vor dem Motor sondern stattdessen über diesem angeordnete Kühler – eine Konstruktion, die immerhin 130 Millimeter Baulänge einsparen half. Mit einem überaus praktischen Nebeneffekt übrigens. Denn bei einer Kollision wird das Kühlsystem nicht beschädigt, so dass trotz Beulen eine Weiterfahrt möglich ist.

Gefahren wird von einem überraschend bequemen Fahrerplatz mit einem bewährtem Triebwerk – dem 1,3-Liter-CDTI-Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung, der mit 51 kW (70 PS) für durchaus flotte Fahrleistungen sorgt. Ein rundum geradezu ideales Auto für Stadtbewohner, das zeigt, dass Erfolgsmodelle wie der Smart Fortwo nicht die einzige Lösung sind. Ob der Trixx allerdings einmal in Serie geht, ist ungewiss – aber nicht unmöglich. Und da offensichtlich ein Bedarf für Stadtautos in diesem Format besteht, darf man gespannt sein, wie Opel dieses Konzept weiterentwickeln wird.

Ebenfalls als Studie trat in Genf ein neues Fahrzeug von Renault an – der Renault Modus. Er füllt eine Lücke im Angebot der zahlreichen Minivans des Großraumlimousinen-Pioniers. Denn neben dem Oberklassemodelle Espace in zwei Längen und den kompakten Vans der Scénic-Familie, die in der aktuellen Generation ebenfalls in zwei Längen antreten, fehlt bislang ein Minivan in der Klasse darunter. Das ist die Klasse des Clio. Und diese Lücke wird durch den Modus geschlossen. Und das bereits in diesem Herbst. Denn der Modus tritt zwar als Studie an, präsentiert sich aber weitestgehend schon im späteren Seriengewand.

Trotz seiner kompakten Abmessungen von gerade einmal 3,79 Meter in der Länge glänzt der Modus mit einem ausgesprochen großzügigen Innenraum sowie einer überraschend großen Kopf- und Kniefreiheit. Und ebenso bequem wie der bis zu fünf Personen Platz bietende Innenraum ist der Zugang zu diesem, denn das 1,59 Meter hohe Auto hat besonders breite Türen.

Zwei oder drei Plätze hinten

Auch Renault gehört zu den Herstellern, die immer wieder mit attraktiven Innenraumkonzepten überraschen. Diesem Ruf bleibt man auch beim Modus treu. Denn dessen Rückbank kann sowohl zwei als auch drei Personen Platz bieten. Dafür hat sie einen ausklappbaren mittleren Sitz, der sich herausklappen lässt, sobald man die Sitzflächen der zweisitzigen Bank mit einem Handgriff nach außen geschoben hat. Außerdem lässt sich die Rückbank, die im Verhältnis 1:2 asymmetrisch geteilt ist, in der Längsrichtung um 17 Zentimeter verschieben und vollständig oder in Teilen zusammenklappen. So entsteht ein Laderaum ganz nach Bedarf. Den Zugang zu dem schafft eine zweigeteilte Heckklappe, die auch bei sehr engem Parkraum noch problemlos geöffnet und benutzt werden kann.

In der Linie orientiert sich der Modus konsequent am inzwischen gut eingeführten und vor allen Dingen von den Käufern auch akzeptierten neuen Renault-Design. Dabei setzt Renault sowohl auf das typische Familiengesicht als auch die unverwechselbare Heckpartie. Charakteristisch für den künftig kompaktesten Minivan mit dem Rhombus sind zudem die weit heruntergezogene Frontscheibe und die großen Glasflächen, die den Innenraum besonders hell erscheinen lassen. Und konsequent haben die Designer auch die Oberflächen des Interieurs so gestaltet, dass sie das Auge ebenso ansprechen wie die über sie tastenden Hände. Dabei werden sowohl Leder als auch mit Softlacken bearbeitete Oberflächen eingesetzt, die zudem in hellen Farbtönen strahlen. Und ganz neu sind die künstlerisch gestalteten Sitzbezüge mit Landschaftsmotiven.

Neuartiger Fahrradträger Velofix

Zu den besonders praktischen Ausstattungen für den Modus gehört ein neu entwickelter Fahrradträger. Diese Velofix genannte Konstruktion lässt sich besonders leicht an- und abmontieren und kann , unabhängig von der Position der Rückbank, zusammengeklappt im Kofferraum verstaut werden. Zwei Fahrräder mit bis zu 30 Kilo können mit diesem Träger transportiert werden.

Unter der Motorhaube der Studie steckt ein 85 kW (115 PS) leistender 1,6-Liter-Sechzehnventiler, der seine Kraft an die Vorderräder des Modus weiterleitet, dessen Plattform er sich wie auch der künftige Clio mit dem neuen Nissan Micra teilt. Und mit weiteren Motorisierungen wird sich der auf 17-Zoll-Rädern rollende extrem kompakte Van als besonders flexibles Auto sowohl für das Fahren in verkehrsreichen Städten als auch für große Touren anbieten. Denn trotz seiner kompakten Maße ist er ein vollwertiges Familienauto, das variabler als der Twingo und geräumiger als der Clio neue Akzente in seiner Klasse setzen wird.

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