Musikbetonte Grundschulen : Mozart soll nicht auf der Strecke bleiben

Musikbetonte Grundschulen sammelten bereits fast 16000 Unterschriften. Eltern und Lehrer protestieren gegen geplante Einsparungen.

André Glasmacher

Im Mai haben sie bei null angefangen, jetzt sind es schon 15878 Unterschriften. „Die 16000 werden wir sicher bald deutlich überschreiten“, sagt René Glase von der Eltern-Lehrer-Initiative „Für den Erhalt der musikbetonten Grundschulen.“ Die Initiative entstand vor dem Hintergrund des neuen Schulgesetzes, das „abweichende Organisationsformen“ an Berliner Grundschulen nicht mehr vorsieht. Am stärksten betroffen sind davon die 15 Grundschulen, die ein musikbetontes Profil haben. Den Schülern wird die Möglichkeit geboten, frühzeitig und kostenlos ein Instrument zu lernen und intensiven Musikunterricht zu erhalten.

Das könnte in dieser Form der Vergangenheit angehören. Zum Ende des Schuljahres 2007/08 laufen hierfür die Genehmigungen aus. Zwar hält Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) die Musikbetonung für wichtig, doch wie es im Detail weitergeht, liegt im Ungewissen. „Über Einzelheiten sprechen wir, wenn es soweit ist. Eine Entscheidung, wie das Schulprofil einer Musikbetonung fortgeführt werden kann, wird aber rechtzeitig bis zum Ende dieses Schuljahres getroffen“, sagt Kenneth Frisse, Pressesprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung.

René Glase befürchtet, dass es am Ende darauf hinausläuft, „dass die Musikbetonung weggestrichen oder kaputtgespart wird.“ Schon jetzt sei der Instrumentalunterricht vielerorts um 30% gekürzt. Eltern und Lehrer wehren sich auch dagegen, dass die bisher den Profilschulen zugewiesenen Musikstunden auf alle Grundschulen verteilt werden könnten und so das Profil verloren ginge.

Und dagegen will die Unterschrifteninitiative ankämpfen. Sie vereint 60 Vertreter aller musikbetonten Grundschulen. „Wir ziehen an einem Strang, denn wir können nur gemeinsam etwas erreichen“, sagt Glase. Sie hätten auch schon Gespräche mit Vertretern des Bildungssenators geführt, um ihre Positionen zu verdeutlichen. „Man sagt uns immer, dass die Musikbetonung erhalten werden soll. Doch wenn wir Konkretes wollen, hören wir eigentlich nur vage Floskeln.“ Einmal wurde es aber doch konkret: Eine Möglichkeit für die Erhaltung sei, so hieß es, wenn sich die Grundschulen jeweils Sponsoren suchten oder wenn der Unterricht an Musikschulen ausgelagert würde – unter finanzieller Beteiligung der Eltern.

Von dieser Lösung hält Ulrike Banach, Leiterin der Neuköllner Franz-Schubert- Grundschule wenig. „Das wäre das Ende der Musikbetonung an unserer Schule. Unsere Eltern haben schon jetzt massive Probleme, die 15 Euro für die Instrumentenversicherung aufzubringen“, sagt sie. Seit 1972 gibt es an ihrer Schule das Musikprofil. „Der Musikunterricht hilft nachweislich, die kognitiven und sozialen Kompetenzen unser Schüler und Schülerinnen zu entwickeln“, sagt Ulrike Banach. 85% der Grundschüler hätten einen Migrationshintergrund, dennoch könne man von einem ausgeglichenen Schulklima sprechen.

Von der musikpädagogischen Kompetenz der Franz-Schubert-Schule könnten übrigens bald auch die Rütli- und die Heinrich-Heine-Schule profitieren, da sich alle drei, wie berichtet, zu einer Gemeinschaftsschule zusammentun wollen. Geplant ist, den Musikunterricht durchgängig von der Primarstufe bis zum Mittleren Schulabschluss anzubieten – das wäre bisher in dieser Form einmalig.

Auch bei Ulrike Banach liegen die Unterschriftslisten. „Die Aktion ist an unser Schule auf sehr große Resonanz gestoßen“, erzählt sie. „Die Eltern, viele sind türkisch- oder arabischstämmig, haben in ihrer Nachbarschaft eifrig Unterschriften gesammelt. Sie wissen, wie wichtig der Musikunterricht für ihre Kinder ist. Musizieren in einer Gruppe und öffentliche Auftritte sind ein wichtiger Baustein für die Integration.“

Dass die Musikbetonung einen Beitrag zur Integration leistet, davon ist auch Desanka Christmann, Präsidentin des Lions Club Berlin-Luisenstadt, überzeugt. „Die Musikförderung beinhaltet Potenziale für eine soziale und interkulturelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.“ Deshalb führen die „Lions“ gerade Gespräche mit Förderinitiativen und überlegen, wie EU-Mittel des Landes Berlin für den Fortbestand der Musikbetonung aktiviert werden könnten. „Wir wollen mit dem Senat ins Gespräch kommen und unsere Konzepte vorstellen.“

Ein Vertreter des Senats wird dafür am 11. Dezember in der Komischen Oper zur Verfügung stehen: Landschulrat Hans-Jürgen Pokall will die gesammelten Unterschriften entgegennehmen. „Gerne hätten wir natürlich Herrn Zöllner die Unterschriften ausgehändigt, doch das hat nicht geklappt“, sagt René Glase. Dafür wird aber eine weitere hochkarätige Person anwesend sein: Der Intendant der Komischen Oper, Andreas Homoki unterstützt die Initiative. Im Juli verfasste Homoki einen offenen Brief an den Bildungssenator: „Auf diesem Bildungssektor sparen hieße, an falscher Stelle zu sparen und der Verödung nicht nur unseres kulturellen Lebens, sondern der Grundwerte unseres Zusammenlebens insgesamt Vorschub zu leisten.“

Die Initiative im Internet: http://www.musikbetonung.schule-berlin.net/

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