Schule : Netter Hintern, der Kleine

Der Seat Ibiza ist ein Frauentyp – aber noch lange kein Frauenauto. Eine Runderneuerung für Spaniens Liebling

Susanne Leimstoll

Ist er nicht süß? So handlich – mit seinen gut dreineunzig Länge. Schön knuffig mit seinen knapp einssiebzig Breite. Netter, kompakter Hintern – was zum Tätscheln. Rassiges Gesicht – bisschen trotzig, aber sexy. Der Süße sieht aus, als sei er immer auf dem Sprung: leicht geduckt. Wirkt alltagstauglich und doch nicht spießig wie sein artiger Bruder Polo. Der kleine Spanier ist ein Sportler. Das merkt schon, wer ihn nur ansieht. Das fühlt vor allem, wer ihm ganz nah kommt. Der will benutzt werden. Sprintet los, wenn man nur ein bisschen Stoff gibt, lässt sich lässig führen, reagiert auf die kleinste Hilfe. Er ist ein Frauentyp, der neue Seat Ibiza.

Neu? Was da steht, kennt man seit 2002. Da kam die dritte Generation des Erfolgsmodells auf den deutschen Markt. Immer noch der Renner des Unternehmens. Immer noch der Kleinste der Seat-Typen. 22 Jahre auf der Welt und kein bisschen müde. 3,5 Millionen Mal produziert und läuft und läuft. Die Spanier lieben ihn. Dort ist er das meist verkaufte Modell in seinem Segment. 22 000 haben ihn sich letztes Jahr in Deutschland zugelegt. 56 Prozent davon Frauen, mehr als die Hälfte von ihnen Singles, durchschnittliches Netto-Einkommen 2600 Euro. Vor allem „jüngere Damen“ entscheiden sich für den Ibiza, sagt Deutschlandchef Michael Grosche. „Das ist kein typisches Zweitauto.“ Die „jüngeren Damen“ wollen ihn also für sich allein. Verständlich.

Seat begreift sich als die „sportliche Einsteigermarke“. Na und? Der Ibiza macht auch reiferen Fahrern Spaß. Weil er geblieben ist, was er schon in den Neunzigern war: Gebrauchsgegenstand, aber mit Pfiff. Familienkutsche auch, aber besser noch für den Solotrip. Was Schnittiges für jeden Tag.

Er hat das größte Motorenangebot seiner Klasse. Daran hat sich auch beim neuen Modell, das es ab Ende März zu kaufen gibt, nichts geändert. Der Ibiza kommt in fünf Ausstattungslinien und zehn Motoren auf den Markt – fünf Benziner und fünf Diesel. Die Normalo-Palette nennt sich „Reference“, es gibt eine Comfort-Edition, den sportliche Ableger FR und den Superrenner Cupra. So will der Kleinwagen Ibiza sich auf dem Markt behaupten – immer besser. Auch über den Preis: Den Neuen gibt es in zwei spartanischen Sondermodellen schon für 9900 Euro, der FR bleibt mit 18 690 Euro immerhin unter der 20 000-Euro-Marke.

Das Segment ist gnadenlos umkämpft, die Konkurrenz groß. Renault-Clio, Skoda-Fabia, Peugeot 206, VW Polo können bei ähnlichen Käuferschichten landen. Sie sind eleganter oder aufwändiger ausgestattet oder Mutter-mit-Kind-tauglicher als der Ibiza. Der aber ist vor allem eines: rassiger als die anderen, ausgestattet mit einem Fahrwerk der Superklasse. Und vielleicht ein bisschen hübscher.

Facelift, das sollte nach drei Jahren offensichtlich sein. Mehr als ein wenig Kosmetik ist nicht passiert. Hauptsache sportlich: nette Doppelscheinwerfer, schickere Stoßfänger vorne und hinten, dunkelrote Rücklichter, neue Radkappen beziehungsweise unterschiedliche (Leichtmetall-)Räder. Und der Seat- Schriftzug macht einen auf Heckklappen-Ornament.

Auch innen nur kleine Korrekturen: Polsterbezüge in diskreteren Farben, Lenkrad und Schalthebelknauf sind anders, bei der FR-Variante in Leder. Immerhin: Das Armaturenbrett sieht weniger nach Billig-Plastik aus als beim aktuellen Modell. Zweierlei Kunststoffe hat man jetzt verwendet, Präge-Optik auf der Ablage vorn. „Verbesserte Haptik“ nennen das die Konstrukteure. Ein bisschen sinnlicher, was zum Anfassen. Passt auch besser zu dem Kleinen. Generell gilt: Das Design verzichtet auf Firlefanz.

Denn die richtige Lust auf den Ibiza kommt nach dem Start. Am Fahrwerk war nicht groß was zu verbessern. Reinsetzen, anlassen und los: rauf auf den Berg, rein in die Serpentinen. Der Kleine geht in die Kurven wie auf Schienen. Lässig zu lenken – erst recht bei hoher Geschwindigkeit im FR oder Cupra –, locker zu schalten in allen fünf Gängen. Die Federung ist optimal für den Typ: sportlich genug, aber eben nicht zu hart. Das war früher schon mal anders.

Gibt’s was zu mäkeln? Kleinigkeiten. Dass der noch immer doofe Drehknauf für das Licht nach wie vor außerhalb des Sichtfeldes unten links vom Lenkrad sitzt. Dass die Steuerung für Lüftung und Klimaanlage wieder an der Mittelkonsole unter dem Radio hängt – nicht zu erkennen und lenkt vom Fahren ab. „Ja“, sagt Entwicklungschef Christoph Vierling, „wir müssen aufpassen, dass wir zentrale Funktionen, die Botschaften aussenden, gut sichtbar anordnen.“

Beim Nachfolger wird das verbessert sein. Der wird nicht nur komplett überarbeitete Armaturen haben, sondern vielleicht in der schnellen Version auch Sitze, die dem Beifahrer noch mehr Halt geben. Der Ibiza der Zukunft soll vor allem eines werden: noch sportlicher – ein kleiner „Leon“ sozusagen. Und die Ibiza-Zukunft beginnt Ende 2007.

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