Schule : Neuer Glanz für den letzten Audi Imperator

Audi erster und einzig erhaltener Achtzylinder wurde in zweijähriger Arbeit restauriert

Ingo von Dahlern

Audi Imperator? – noch nie gehört, werden die meisten sagen. Kein Wunder, denn er wurde nur in 145 Exemplaren gebaut. Er war der erste Achtzylinder des Unternehmens, den Chefkonstrukteur Heinrich Schuh 1927 auf den Markt brachte. Angetrieben von einem 4,9-Liter-Vergasermotor mit einer Leistung von 74 kW (100 PS), seitlicher Nockenwelle und Steigstromvergaser erreichte das 5,20 Meter lange Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Der Verbrauch der rund 2,3 Tonnen schweren Pullman-Limousine mit ihrem Radstand von 3,62 Meter lag zwischen 23 bis 25 Liter/100 km.

Ein imposantes Auto zweifellos und auch ein gutes Auto war das – aber leider auch eines, das zur falschen Zeit erschien. Denn die Endzwanziger, in denen die Weltwirtschaftskrise im November 1929 ihren Höhepunkt erreichte, war keine gute Zeit für solche luxuriösen Limousinen, die mit einem Preis von 16 575 Reichsmark für Fahrwerk und Motor dem Gegenwert eines kleineren Hauses entsprachen. Und so vermochte der große Achtzylinder Audi auch nicht mehr vor dem Verkauf an den Herrn des DKW-Imperiums Jörgen Skafte Rasmussen zu bewahren, der es 1928 übernahm.

Die wenigen Imperator-Modelle, die damals gebaut wurden, überlebten die folgenden Jahrzehnte nicht – bis auf ein einziges. Das wurde Ende der Neunziger in Sachsen entdeckt – in einem Zustand, der mehr als nur einen erfahrenen Restaurator verlangte. Denn vieles musste schlicht neu konstruiert werden. Zwar lief der Originalmotor noch. Aber beim Aufbau war nicht mehr exakt nachzuvollziehen für welche Karosserie sich der damalige erste Eigner entschieden hatte. Und danach ging es durch viele Hände, hat wahrscheinlich nur überlebt, weil es später einmal einer Feuerwehr diente und als Feuerwehrauto besonders pfleglich behandelt wurde. Und viel gefahren wurde es auch nicht, denn der Tacho erreichte gerade einmal 19 000 km.

Für die Restauerierungspezialisten der Firma Rosenow in Glienick bei Berlin war der letzte Imperator eine gewaltige Herausforderung. Zwar hatte das Team um Peter Spillner bereits mit der Restaurierung des Zwölfzylinders Horch 670 eines der größten Schmuckstücke der Auto Union in den Ursprungszustand zurückversetzt. Aber die Wiederherstellung des Audi Imperator erwies sich als weitaus schwieriger – wenn auch nicht unmöglich. Denn nach zwei Jahren intensiver Arbeit konnte der erste und zugleich auch weltweit letzte große Audi in diesen Tagen wie neu an Audi Tradition und damit die obersten Traditionshüter der Audi AG, übergeben werden – in einem Zustand, als sei er gerade aus der Fabrik und der Karosseriewerkstatt gerollt, die ihre Karosserie auf das Chassis des Audi Imperator gesetzt hatte.

Ein wahres Schmuckstück, bei dessen Aufbau man sich nach langem Studium von Originalfotos, von aus jener Zeit verfügbaren Unterlagen und dem Besuch zahlreicher Museen für einen offenen Tourenwagen/Phaeton-Aufbau entschieden hatte. Da man an einem der Scheinwerfer noch einen Rest der ursprünglichen Lackierung fand, konnte man in im originalen Farbton, der sich am ehesten mit grün-braun-oliv beschreiben lässt, lackieren.

In das Audi-Markenzeichen, die „1“, ist wie früher ein Thermometer integriert, den Reifenwechsel erledigt man wie früher mit nur einer Zentralmutter, die Motorhaube besteht wie früher aus Aluminium und bewegt wird das mit Hinterradantrieb ausgestattete Auto mit einer „Schnecke“. Auf sich aufmerksam macht der letzte Imperator mit einer Auspuff-Schalmei, die heute wie einst wie ein Nebelhorn röhrt. Vorerst bekommt der Imperator noch keinen festen Platz im Audi museum mobile in Ingolstadt. Denn Audi wird das in neuem Glanz erstrahlende Schmuckstück erst einmal bei besonderen Unternehmensauftritten einsetzen.

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