Neues Schuljahr : Nie mehr Hauptschule

Für 321.000 junge Berliner fängt am Montag der Unterricht an. Nun muss sich die rot-rote Schulreform im Alltag bewähren.

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Nie mehr Hauptschule.
Nie mehr Hauptschule.Foto: dpa

Die Hoffnungen sind groß, die Bedenken auch. Mit dem heutigen Unterrichtsbeginn geht die rot-rote Schulreform in die entscheidende Phase. Die Umsetzung in die Praxis beginnt. Wirtschaft und Verbände unterstützen das Projekt mit zahlreichen Angeboten. Während IHK und Handwerkskammer den neuen Sekundarschulen zur Seite stehen, um praxisbezogenes Lernen und Berufsorientierung anzubieten, unterbreiten Landessportbund, Sportjugend Berlin und die Spitzenverbände der freien Wohlfahrt Angebote für die Ganztagsbetreuung.

Insgesamt 111 Integrierte Sekundarschulen gehen an den Start. Dazu gehören die bisherigen Gesamtschulen, für die sich nicht viel ändert. Spannender ist es für die rund 70 Schulen, die aus Haupt- und Realschulen hervorgehen. Sie müssen zum Teil strapaziöse Fusionen und Umbauten bewältigen und sich in jedem Fall auf eine veränderte Schülerklientel einstellen. Dazu gab es in den vergangenen Monaten intensive Fortbildungen.

Das ist aber noch nicht alles. Neu ist für die Sekundarschulen auch, dass sie auf das Sitzenbleiben verzichten sollen. Zudem sind Lehrer noch mehr als bisher gefordert, Kinder unterschiedlicher Leistungsstärke im gemeinsamen Klassenverband zu belassen. Inwieweit sie das tun oder doch wieder getrennte Leistungsgruppen bilden, bleibt aber den Sekundarschulen selbst überlassen. Die 17 Gemeinschaftsschulen hingegen sind verpflichtet, die Schüler zu mischen. Große Freiheiten haben die Schulen bei der Gestaltung des Nachmittagsbetriebes. Ob sie bis 16 Uhr Basketball, Tanzkurse, Berufsorientierung, Anti-Aggressionstraining oder naturwissenschaftliche und künstlerische Projekte anbieten, bleibt ihnen überlassen und richtet sich nach ihrer Schülerschaft.

Viel Neues erwartet auch die Gymnasien. Ebenso wie die Sekundarschulen sollen sie sich im Herbst auf Kriterien einigen, nach denen sie ihre Schüler auswählen. Diese Kriterien, die von den Schulkonferenzen abgestimmt werden sollen, richten sich nach dem Schulprofil und werden angewandt, wenn es mehr Anmeldungen als Plätze gibt. Eine musikbetonte Schule hat dann die Möglichkeit, einem musikbegabten Kind den Vorzug zu geben, während bisher die BVG-Verbindung zwischen Schule und Elternhaus darüber entschied, ob ein Kind aufgenommen wurde.

Für die Schulen, aber auch für die Familien, die sich in den nächsten Monaten für eine weiterführende Schule entscheiden müssen, wird die Umstellung des Verfahrens allerdings heikel. Während ein Kind mit einer Gymnasialempfehlung bisher sicher sein konnte, einen Platz an einem wohnortnahen Gymnasium zu erhalten, muss es jetzt möglicherweise mit Kindern aus weiter entfernten Kiezen konkurrieren. Falls ein Schüler nicht genommen wird, kann er an einem Losverfahren teilnehmen, denn Rot-Rot hat festgelegt, dass 30 Prozent der Plätze an nachgefragten Schulen verlost werden.

Neu ist dieses Jahr, das es an den Gymnasien keine Orientierungsstufe mehr gibt: Die Elftklässler beginnen direkt mit den abiturrelevanten Kursen und legen erstmals nach der zwölften Klasse das Abitur ab. Die Sekundarschulen bieten das Abitur überwiegend nach 13 Jahren.

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