Neukölln : Eltern und Lehrer planen mit Kindern die Freizeit

Rund 100 Viert- und Fünftklässler, Eltern und Lehrer der Neuköllner Richard-Grundschule konnten ihre Wünsche aufschreiben: Sie sammeln Vorschläge für die Nachmittagsgestaltung.

Sophie Crocoll

Der zehn Jahre alte Mert ist der Traum eines jeden Biologielehrers: „Fische sezieren“ wünscht er sich als Freizeitbeschäftigung. „Ich will wissen, wie Tiere von innen aussehen“, sagt er begeistert. Drei Mitstreiter für das Projekt hat er schon gefunden. Eifrig schreiben sie nun ihre Ideen auf ein Plakat.

Rund 100 Viert- und Fünftklässler, Eltern und Lehrer der Neuköllner Richard-Grundschule konnten letzte Woche ihre Wünsche aufschreiben: Sie sammelten Vorschläge, wie die Kinder der offenen Ganztagsgrundschule künftig auch außerhalb der Schule ihre Nachmittage gestalten können.

„Die Kinder sind in ihrer Freizeit häufig sich selbst überlassen. Wir würden uns mehr Projekte für sie wünschen“, sagte Schulleiterin Marita Stolt. Die Schule bietet bereits drei Mal wöchentlich eine Lernwerkstatt an, bei der zwei Studenten des Max-Planck-Instituts mit den Kindern forschen. Nun unterstützt auch der Verein „Bildung ohne Grenzen“, kurz Bildog, Stolts Anliegen.

Seit 2006 fördert Bildog in Hamburg besonders Schüler mit Migrationshintergrund in kostenlosen Freizeitangeboten. Organisatorin Anna Vatankhah arbeitete in Hamburg ehrenamtlich für den Verein, der sich über Spenden, Sponsoren und öffentliche Fördergelder finanziert. Seit sie im vergangenen Jahr nach Berlin zog, engagiert sie sich hier für die Schüler. „Wir wollen Eltern, Vereine und Studenten im Richardkiez dafür gewinnen, vielfältige Projekte anzubieten“, sagt die 30-Jährige. Die Schule, an der rund 90 Prozent der Kinder Migrationshintergrund haben, stellt dafür die Räume.

Einer der wenigen Väter in der Halle ist Maximilian Shlain. Tochter Anna interessiert sich fürs Kochen, er selbst fotografiert gern. „Den Workshop könnte ich anbieten“, sagt er. Es sei wichtig, die Neugier der Kinder zu wecken. Auch Nadja Arnaout findet das. Mit ihrem Sohn Mohamad schreibt die Elternvertreterin „Roboter bauen“ und „Musik machen“ auf einen Zettel. Arta, Malak, Pinar, Aida und Merve wollen eine Breakdance-AG gründen, „Wir helfen uns“, haben sie sich auf ihrem Plakat versprochen. Ziel ist: „Spaß“. Merve überlegt und schreibt noch „Keine Jungs“ dazu. „Genau, Jungs nerven nur“, sagt Malak. „Aber mein Cousin könnte unser Trainer sein.“

Insgesamt kommen 37 Projektideen zusammen. Und sie werden in die Tat umgesetzt: Diese Woche treffen sich etwa die Schülerzeitungs- und die Kochgruppe zum ersten Mal. Bald wird es Basketball-, Breakdance- und Straßenfußballgruppen geben, auch Hausaufgabenbetreuung ist geplant. Merts Wunsch wird sich wohl ebenfalls erfüllen: Eine Referendarin, die Sachkunde unterrichtet, will mit den Jungs die Fische auseinandernehmen.

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