Oberstufenzentrum Körperpflege : Ein neues Haus für die Schönheit

Am Oberstufenzentrum für Körperpflege lernen Maskenbildner, Kosmetiker, Friseusen und Zahntechniker. 3000 Schüler stellen hier die Weichen für ihren Beruf.

Christian van Lessen
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Direktor Peter Mibus (rechts, mit der Maske) und seine 3000 Schüler haben sich bereits eingelebt im neuen Klinkerbau. - Foto:...

Peter Mibus versteht viel Spaß. Der Direktor einer Schule, die Maskenbildner ausbildet, muss damit rechnen, bei der Stippvisite in einer Klasse eine Maske aufzusetzen. Oder eine Glatze. Dann lacht die Klasse, junge Leute, meist Frauen. Sie kommen nicht nur aus Berlin, auch von Theatern und Opernhäusern in Dortmund, Leipzig, Cottbus, Potsdam, Weimar oder Halle, sind zweimal im Halbjahr wochenweise hier. Wenn sie aus dem Fenster sehen, schauen sie aufs Schillertheater, das gerade für die Staatsoper umgebaut wird. Ein Ort, der geradezu beflügelt und so manche Hoffnung weckt.

Das Oberstufenzentrum Körperpflege, das Kosmetiker, Zahntechniker, Fachangestellte für Bäder, Fußpfleger und eben auch Maskenbildner ausbildet, ist schon was Besonderes. Schon die Architektur des Neubaus an der Schillerstraße fällt aus dem Rahmen. Noch wird an der Sporthalle gewerkelt, aber daneben ist ein Schmuckstück entstanden. Heiner Farwick und Dagmar Grote haben ein klares, helles Klinkergebäude errichtet, mit einem großen, lichten Hof, mit Liebe zum Detail. Im Foyer sind, nur als Beispiel, an den Wänden Besen ohne Stil angebracht. Symbole der Sauberkeit. Überhaupt: Die Schule ist erst paar Monate alt – und keine Spur von Zerstörung und Graffiti.

Die Körperpflege, um die es hier geht, hat offensichtlich den pfleglichen Umgang mit einem schönen Haus zur Folge. Die jungen Frauen Bahar und Damla, beide 22 Jahre alt und angehende Friseurinnen, sind stolz, gerade hier unterrichtet zu werden. „Wir achten darauf, dass es nicht verdreckt.“ Rund 3000 Schüler gibt es, davon 1300 Vollzeitschüler, die die ganze Woche über in der Schule sind.

Über 80 Prozent sind junge Frauen, und davon die knappe Mehrheit Friseurinnen. Ein Drittel der Schüler ist in berufsvorbereitenden Lehrgängen. Die Atmosphäre ist locker, in der Mensa wird viel gelacht, junge Frauen schauen sich immer wieder prüfend ins Gesicht, tupfen hier und dort und ziehen die Augenbrauen nach, aber das gehört dazu, wenn sie sich als Kosmetikerinnen bewähren wollen. In den Klassenräumen sind Stühle aufgebaut, die wie Zahnarztsessel aussehen, sich in alle Positionen stellen lassen und der Schönheitsbehandlung dienen. Allein die Vorbereitungen, die vielen Tücher, die aufgelegt werden, erfordern viel Zeit. Für die Schönheit dauert nichts zu lang.

Auch das Lehrpersonal fühlt sich in dieser Umgebung offensichtlich wohl. Für sie gibt es einen „Raum der absoluten Stille“, der konzentrierter Vorbereitung oder auch vorübergehender Entspannung dient. Von ihrem Lehrerzimmer mit Fenster bis zum Boden können sie dezent das ganze Schulgelände überblicken. Zu Füßen liegt ihnen der große, helle Hof, der wie eine Theaterbühne wirkt, aber der ist ziemlich leer. Eine Folge des Rauchverbots . „Friseure paffen wie die Weltmeister“, sagt der Direktor. So stehen die Schüler in den Pausen vorm Haus. Und sehen, wie gegenüber Bauarbeiter am hinteren Schillertheater herumstauben.

Die Schule hofft für ihre Maskenbildner auf eine Kooperation mit der Oper, wenn die ab 2010 vorübergehender Nachbar ist. Kontakte sind geknüpft. Mit falschen, eigenhändig gefertigten Bärten, Glatzen und Masken kennen sich die Schüler aus. Und Peter Mibus darf gern in den Unterricht kommen und sein Gesicht verlieren. Christian van Lessen

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