Schule : Offenes Doppel

Der Porsche 911 Carrera tritt jetzt auch in der Cabrio-Version an. Die beiden Motoren, die bereits das Coupé antreiben, machen den Schwaben zu einem reinrassigen Sportwagen

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Wer diesen Wagen fährt, scheut öffentliches Interesse wohl eher nicht. Kerniger Sound, elegante Linie – das garantiert Aufmerksamkeit, wo immer man hinkommt. Mit einem Porsche Carrera zeigt man aber auch sehr deutlich, dass es aufwärts geht im eigenen Leben. Und trotz Konjunkturknick und Spardebatten scheint das bei nicht wenigen Menschen so zu sein. Schon mehr als vier Jahrzehnte fährt der Porsche 911 auf der Erfolgsspur. Allein von der im letzten Sommer eingeführten sechsten Generation wurden weltweit rund 9600 Fahrzeuge verkauft.

Vom 2. April an dürften die Verkaufszahlen weiter steigen. Dann geht neben dem Coupé die offene Variante an den Start – und macht keine halben Sachen: Wie schon die Limousine tritt das neue Carrera Cabrio in zwei üppig motorisierten Varianten an: Es hat entweder einen 3,6Liter-Motor, der 239 kW (325 PS) leistet. Oder, wenn’s ein bisschen mehr sein darf, ein 3,8-Liter-Triebwerk mit 261 kW (355 PS) – dieser Motor steckt hinter dem Namen Carrera S Cabriolet.

Mit dieser Kraft unter der Haube spurten beide Cabrios in Windeseile auf Tempo 100 – gerade einmal 4,9 (5,2) Sekunden benötigen sie dafür. Die Höchstgeschwindigkeit wird nicht – wie oft bei PS-Boliden – bei 250 km/h abgeriegelt. Die Tachonadel kommt deshalb erst bei 293 (285) km/h zum Stillstand. Damit sind die Cabrios genauso schnell wie die Coupés – wenn man’s denn drauf anlegt.

Wer den Fahrtwind spüren und den direkten Blick zum Himmel erleben möchte, hat aber sicherlich anderes im Sinn als Höchstgeschwindigkeiten. Außerdem haben sie den Nachteil, dass sie den 64-Liter-Tank schnell leeren. Der Durchschnittsverbrauch ist mit gut elf Liter angegeben. Bei nachdrücklichem Gebrauch des Gaspedals sind aber auch 16 oder 17 Liter nichts Außergewöhnliches bei diesem Auto.

Schnell ist das neue Porsche-Cabrio auch in anderer Hinsicht. Ein Ampelstopp und ein Knopfdruck genügen, um den 911 zu öffnen. In nur 20 Sekunden faltet sich das Stoffdach zusammen und verschwindet wie von Zauberhand im Verdeckfach hinter den Sitzen. Dessen Deckel schließt sich anschließend mit einem leisen Klick. Für diese Show muss man nicht einmal anhalten: Auch während der Fahrt lässt sich das Stoffdach bei bis zu Tempo 50 öffnen und schließen – bewundernde Blicke von Passanten gehören damit zur Serienausstattung.

Porsche bleibt auch beim neuen 911 Cabrio dem Stoffdach treu. Das bewahrt nicht nur die klassische Optik, sondern hat auch manchen paktischen Vorteil. So leicht und kompakt wie ein Stoffdach lässt sich ein Variodach aus Metall nicht gestalten. Nur ganze 42 Kilo wiegt das komplette System. Das wiederum hat positive Einflüsse auf die Fahreigenschaften. Der Schwerpunkt liegt tiefer und dank des geringen Gewichts werden auch die Fahrleistungen kaum beeinträchtigt. Dazu trägt auch bei, dass es den Aerodynamikern gelungen ist, einen Luftwiderstandsbeiwert (cw-Wert) von nur 0,29 zu verwirklichen.

Das Ganze ist auch hier mehr als die Summe seiner Teile und bietet ein unvergleichliches Fahrerlebnis. Brummelte der Motor eben noch sanft dahingleitend, spielt er auf kurviger Bergstrecke seine unbändige Kraft aus. Geht es flott auf die Autobahn ist man durchaus dankbar, dass die spontan ansprechenden Motoren den Wagen nicht nur nach vorn katapultieren, sondern auf Wunsch auch sanft und kultiviert ihre Arbeit verrichten. Mit den breiten 18- oder 19-Zoll-Rädern liegt der Wagen satt auf der Straße.

Das Carrera Cabrio ist nicht nur für den Schönwetter-Ausflug geeignet. Es taugt sowohl für den Wintereinsatz als auch für lange Strecken. Die leichten Luftströme im Innenraum machen das Gespräch mit dem Beifahrer selbst bei zügiger Fahrt nicht unmöglich. Die Koffer sollten auf Reisen allerdings nicht zu groß sein. 135 Liter Gepäckraumvolumen bieten eher Platz für den Wochenendausflug nebst Schminkköfferchen.

All das hat mit 85 176 und 95 152 Euro einen hohen Preis. Wer sich das leisten kann, muss schon mächtig erfolgreich sein. Aber der coole Knopfdruck ist es wirklich wert.

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