Schule : Outlander – der Kombi fürs Grobe

Neuer Crossover mit vielen Mitsubishi-Designelementen der künftigen Modellgenerationen

Ingo von Dahlern

Die Händler der japanischen Marke mit den drei Diamanten haben es derzeit nicht leicht in Deutschland. Denn unter den von ihnen angebotenen Modellen findet man nur wenige Neuheiten. Zwar ist gerade in den letzten Wochen der technisch und optisch aufgefrischte neue Modelljahrgang des Off-Road-Klassikers Pajero an den Start gegangen, neben dem es auch noch den Pajero Sport und den kompakten Pajero Pinin gibt. Aber bei den einst so besonders erfolgreichen Kompakten dauert es noch bis zum Jahreswechsel, bis der neue Colt aus europäischer Produktion antritt. Alles andere als taufrisch ist auch das allerdings gut ausgereifte Mittelklassemodell Carisma.

Da ist es erfreulich, dass der kompakte Minivan Space Star sich gerade in der letzten Zeit zu einem Verkaufsrenner entwickelt hat – ein echter Spätzünder, der diesen Erfolg wirklich verdient hat. Und wenn es darum geht, die Zeit bis zum Erscheinen des neuen Colt zu überbrücken, dann ist sicher auch der Mitsubishi Outlander hilfreich, der nach seiner Europapremiere im März in Genf soeben erst seine Deutschlandpremiere in Leipzig erlebte und Ende Mai, wenn Mitsubishi das Kirschblütenfest feiert, ein neues Element ins Mitsubishi-Angebot bringt. Eines, das optisch ganz wesentliche Elemente eines neuen Mitsubishi-Designs zeigt, mit dem die Marke endlich auf dem Weg ist, ein unverwechselbares Markengesicht zu bekommen, das den neuen Colt zu einem ausgesprochen attraktiven Modell machen wird.

Optisch ein etwas hochbeiniger Kombi mit deutlichem Off-Road-Touch gehört der Outlander zu den so genannten Crossover-Modellen, die Eigenschaften verschiedener Fahrzeugkonzepte vereinen. Hier sind es die eines sportlichen Kombis und eines Sports-Utility-Vehicle, wobei der Auftritt ausgesprochen zivil ist. Dabei zeichnet für die Outlander-Optik das kalifornische Designcenter Mitsubishi Design America verantwortlich. Das entschied sich bei der Front mit dem geteilten Kühlergrill und dem neu gestalteten Logo für eine Lösung, die man auch bei künftigen Mitsubishi-Modellen finden wird. In Verbindung mit den kräftigen horizontalen Streben in den Kühlluftöffnungen, zweifarbig gehaltenen Stoßfängern und einem sehr massiven Dachträger hat der Outlander einen durchaus robusten Auftritt – empfiehlt sich auf den ersten Blick als ein Kombi auch fürs Grobe.

Und da macht er eine recht ordentliche Figur. Zwar ist das Auto bei einer Länge von knapp 4,55 Meter mit 1,67 Meter nicht allzu hoch, so dass sich das Ladevolumen des 1,75 Meter breiten Fahrzeugs in Grenzen hält. Und auch der Laderaumboden liegt recht hoch, nicht zuletzt dadurch bedingt, dass der Outlander als Allradler eben auch Platz für ein hinteres Differenzial braucht. Doch 402 Liter stehen bis zur Fensterunterkante zur Verfügung und klappt man die asymmetrisch geteilten und dreifach neigungsverstellbaren Rücksitzlehnen nach vorn, dann erhält man einen Laderaum von maximal 1049 Liter bei dachhoher Beladung. Da sich auch die Rückenlehne des Beifahrersitzes umklappen lässt, kann man Ladegut mit Längen bis zu 2,40 Meter unterbringen. Und da der Outlander für Deutschland kein vollwertiges Reserverad hat, bleibt auch unterhalb des Laderaumbodens noch Platz, um dort einige Dinge zu verstauen, die man vor den Blicken Neugieriger verbergen möchte.

Insgesamt kein Raumwunder, aber ein recht flexibles Fahrzeug im Laderaum, das auch im Passagierraum ein ordentliches Platzangebot hat. Das gilt zum einen für Fahrer und Beifahrer, trifft aber auch für den Fond zu, in dem man neben guter Bein- und Ellenbogenfreiheit auch ausreichend Kopffreiheit genießen kann. Und für die allerjüngsten Mitfahrer gibt es hinten die genormten Isofix-Kindersitzbefestigungen. Und auch optisch ist der Innenraum ansprechend. Große weiß unterlegte Rundinstrumente mit silberfarbenen Einfassungen sowie insgesamt Materialien mit guter Oberflächenqualität und ordentlicher Verarbeitung sorgen für eine insgesamt gediegene Atmosphäre, die allerdings alles andere als aufregend ist.

Unter der Motorhaube des Outlander arbeitet der bereits in anderen Modellen der Marke bewährte Zweiliter-Vierventiler mit einer Leistung von 100 kW (136 PS), der dem Allradler zu durchaus ansprechenden Fahrleistungen verhilft. Denn für den Spurt auf Tempo 100 reichen ihm 11,4 Sekunden und maximal sind 192 km/h möglich. Wer längere Zeit schnell fahren möchte, wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein Verbrauchsproblem bekommen, denn der Durchschnittsverbrauch, der bereits bei 9,5 l/100 km liegt, dürfte dann schnell deutlich übertroffen werden. Das liegt mit daran, dass die Getriebeabstufung zu wenig europäischen Fahrbedingungen angepasst ist, denn bereits bei Tempo 130 dreht der Motor im fünften Gang mit knapp 4000/min. Wer also schnell fährt, muss das dann mit sehr hohen Drehzahlen tun – und mit entsprechend hohem Verbrauch.

Schade, denn das Fahrwerk des Outlander zeigte sich bei ersten Probekilometern einer flotten Fahrweise durchaus gewachsen. So hat man den Allradler, der auf einen permanenten Allradantrieb mit Mitteldifferenzial mit Viscosperre setzt, auch bei flotter Kurvenfahrt sicher im Griff. Dafür sorgen neben dem automatisch für optimale Kraftverteilung sorgenden Allradantrieb die Federbein-Vorderachse und die Multilenker-Hinterachse, die sauber ansprechende servounterstützte Zahnstangenlenkung und nicht zuletzt die stabile und sehr steife Karosseriestruktur des Outlander.

Auch der Fahrkomfort des Allradlers ist ordentlich. Und auch abseits befestigter Wege macht das Auto eine gute Figur, wobei man allerdings berücksichtigen muss, dass er über keine Sperren verfügt. So bereiten ihm auch ausgefahrene Waldwege mit tiefen Löchern keine Probleme, so lange es nicht zu extrem starken Verschränkungen mit vom Boden abhebenden Rädern kommt – dann ist der Outlander ganz schnell schachmatt.

Noch im Laufe des Jahres wird Mitsubishi dem Zweiliter-Benziner einen 2,4-Liter mit variabler Ventilsteuerung und einer Leistung von rund 118 kW (160 PS) zur Seite stellen. Und 2004 gibt es dann auch einen Turbo als Topversion, der um die 149 kW (200 PS) leisten wird. Entgegen früheren Ankündigungen nicht mehr geplant ist allerdings ein Dieselmotor. Zwar ist es nachvollziehbar, dass bei der als Airpark auf dem japanischen Markt bereits seit 1991 angebotenen Konstruktion das nachträgliche Anpassen eines Diesels recht hohe Kosten verursachen würde. Aber Mitsubishi verspielt mit dieser Entscheidung womöglich interessante Absatzchancen, denn mit einem flotten und sparsamen Diesel wäre der Outlander in Zentraleuropa ausgesprochen attraktiv.

Attraktiv, vor allem was den Preis angeht, ist er allerdings auch als Benziner. Denn für das in den Ausstattungsvarianten Comfort und Sport angebotene Modell werden in der einfacheren Comfort-Version 21 990 Euro verlangt. Dafür bekommt man bereits eine sehr umfangreiche Komfort- und Sicherheitsausstattung. Zu der gehören vier Airbags, fünf Drehpunkt-Automatikgurte, ein Antiblockiersystem mit elektronischer Bremskraftverteilung, eine Klimaanlage, vier elektrische Fensterheber, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, ein höhenverstellbarer Fahrersitz und eine neigungsverstellbare Lenksäule, eine Dachreling und ein 12-Volt-Anschluss im Laderaum. Die für 23 990 Euro angebotene Ausstattungsversion Sport hat zusätzlich eine Klimaautomatik, Leichtmetall-Räder, Nebelscheinwerfer und abgedunkeltes Privacy Glass im Heckbereich sowie ein Lederlenkrad. Insgesamt also eine Menge Auto fürs Geld und zudem eines, das nicht nur durch seine unkomplizierten Fahreigenschaften überzeugt, sondern auch durch seinen Komfort und seine Variabilität und nicht zuletzt die ansprechende Optik.

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