Schule : Packesel und Klettermaxe

Mit der sechsten Generation des Pick-ups Hilux stellt Toyota einen Geländeprofi auf die Beine

Roland Koch

Aller Laster Anfang war 1967. Na ja, zumindest bei Toyota, denn damals kam der Hilux auf die Welt, ein Gefährt bestehend aus Fahrerkabine und Ladefläche, das man gemeinhin Pick-up nennt. Hierzulande wähnt man es vornehmlich in amerikanischen Filmen, wo dann echte Männer ihre Pferdesättel oder ihr Handwerkszeug auf die Ladefläche wuppen. Aber nicht nur in Filmen, auch im echten Leben werden Pick-ups in vielen Ländern der Welt gern gefahren. In Mittel- und Südamerika und in Asien zum Beispiel, wo man einen robusten Packesel zu schätzen weiß. Und so kommt es, dass der Hilux, der auf dem deutschen Markt eher ein Nischendasein fristet, weltweit gesehen nach dem kompakten Corolla die Nummer Zwei in Toyotas Bestseller-Liste ist.

Jetzt wurde die sechste Generation dieses Fahrzeugs auf dem hiesigen Markt eingeführt und unweigerlich fragt man sich, ob die Toyota-Chefs mehr über den neuen deutschen Bundeshaushalt und daraus resultierende künftige Straßenverhältnisse wissen, als unsereins. Doch die Beruhigung folgt auf den Fuß. Es sind nicht nur die traditionellen Käufer wie Landwirte, Handwerker oder Forstleute, die nach einem aktuellen Modell verlangen. Eine neue Kundenschicht seien so genannte freizeitorientierte Käufer. Die transportieren mit ihrem Hilux Tauchausrüstung, Surfbrett oder Motorrad – und können sich aufmerksamer Blicke jedweder Art gewiss sein, wenn sie abends vor Kino oder Disse anrollen. Das Auto erhält dann gern das „Kult-Attribut“. Was auch immer das sein soll.

Für letzteren Zweck empfiehlt sich das Double-Cab-Modell. Der Hilux hat in dieser Version eine viertürige Kabine, die fünf Personen Platz bietet. Die Ladefläche des insgesamt 5,25 Meter langen Pick-ups misst dann noch 1,52 Meter. Wer mehr Platz außen und weniger Platz innen braucht, kann den Hilux auch als zwei- oder zwei+zwei-Sitzer ordern. Sie heißen dann Single Cab oder Extra Cab. Die Kabinen sind kleiner, was sich zugunsten der Ladefläche auswirkt. Maximal misst sie beim Single Cab 2,31 Meter und dürfte dann die Version sein, die sich der Forstmann für den arbeitsintensiven Einsatz wünscht.

Zum Image des rauen Gesellen, der hart im Nehmen ist, passt auch der Motor. Man mag den rüden Charme dieses 2,5-Liter-Turbodiesels, der 75 kW (102 PS) leistet und maximal 150 km/h schnell ist, durchaus schätzen. Längere Reisen möchte man damit aber nicht unbedingt unternehmen. Für den Spurt auf Tempo 100 zum Beispiel benötigt er mit 16,8 bis 18,2 Sekunden eine kleine Ewigkeit. Im spartanisch ausgestatteten Innenraum ist er überdies deutlich zu hören und zu spüren. Aber im kommenden Jahr soll ein weiterer, leistungsstärkerer Dieselmotor das Angebot ergänzen.

Nein, für das sanfte Dahingleiten ist der Hilux (noch) nicht gemacht. Er will auf die Schotterpiste oder den Feldweg oder – noch lieber – einen anständigen Berg hochkraxeln. Dafür hat er in der Extra- und Double-Cab-Version einen zuschaltbaren Allradantrieb und eine spezielle Geländeuntersetzung, mit der er solche Aufgaben geradezu meisterlich bewältigt. Das maximale Drehmoment beträgt zwar nur 260 Nm, liegt dafür aber schon bei 1600 /min. an. So mutiert der Pick-up abseits befestigter Wege zum Geländeprofi und der Fahrer mit ihm zum Abenteurer in spe.

„Für die Stammkunden ist die Kaufentscheidung vornehmlich rational begründet“, sagt Felix Büttner, der Produktmanager. „Hohe Qualität, maximale Zuverlässigkeit, hohe Nutzlast und geringe Betriebskosten sind die kaufentscheidenden Motive.“ Der Hilux hat auch deshalb ein neu konstruiertes Leiterrahmen-Chassis bekommen, das deutlich verwindungssteifer als das des Vorgängers ist und damit all diese Aufgaben besser meistern soll. Die Ladung beispielsweise darf gegenüber dem Vorgänger rund ein Viertel mehr wiegen: Die Zuladung beträgt zwischen 965 und 1230 Kilogramm.

Da aber auch Abenteurer mitunter ein wenig Luxus zu schätzen wissen, hat der Hilux unter anderem serienmäßig elektrische Fensterheber und eine Zentralverriegelung mit Funkfernsteuerung bekommen. Für die Sicherheit gibt es unter anderem ABS sowie Fahrer- und Beifahrerairbag. Asphalt-Cowboys dürften eher mit der Ausstattung „Sol“ liebäugeln, die eine Klimaanlage, Radio mit CD-Player und Leichtmetallräder beinhaltet. Für Puristen gibt’s die Version „Heavy Duty“, die nicht einmal die elektrischen Fensterheber der Grundausstattung bietet, dafür aber mit 18 908 Euro die günstigste Einstiegsversion ist.

Die Preise für die Double-Cab-Variante in der üppigen „Sol“-Ausstattung beginnen bei 27 956 Euro. Hier hat der Frontgrill ein Chromdesign und die Kotflügel sind verbreitert. Dank dieser Optionen wird sich sicherlich der eine oder andere neue Käufer zu den traditionellen dazugesellen.

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