Pädagogen-Proteste in Berlin : Heute streiken Lehrer in Berlin - Eltern gehen auf Distanz

Heute protestieren Berliner Pädagogen erneut in der Innenstadt. Tausende Unterrichtsstunden fallen wieder aus. ihre Verhandlungsposition ist gar nicht schlecht - doch sie treffen kaum auf Verständnis.

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Am Dienstag treten Berlins angestellte Lehrer erneut in einen Warnstreik.
Am Dienstag treten Berlins angestellte Lehrer erneut in einen Warnstreik.Foto: dpa

Bei Schülern und Eltern schwindet das Verständnis für die Streiks der Lehrer. „Wir dulden es, aber wir haben nicht mehr so viel Verständnis“, kommentierte Landeselternsprecherin Lieselotte Stockhausen-Döring den neuesten Warnstreik an diesem Dienstag. Abermals wird mit weit über 10 000 Stunden Unterrichtsausfall gerechnet. Auch Leonie Mader vom Landesschülerausschuss ging erstmals auf Distanz: „Dieser Streik ist weniger nachvollziehbar als die vorangegangenen, weil es inzwischen doch ein Gesprächsangebot der Tarifgemeinschaft der Länder gibt“, sagte die Friedrichshainer Gymnasiastin dem Tagesspiegel.

Die Länder wollen im Herbst mit der GEW verhandeln

Tatsächlich ist leichte Bewegung in die bislang festgefahrene Situation gekommen, nachdem sich die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) vergangene Woche für Verhandlungen im Herbst ausgesprochen hatte. Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht das allerdings nicht weit genug. „Verhandlungen ohne konkretes Angebot reichen uns nicht“, sagte die GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik auf Nachfrage. Seit 2006 werde die Gewerkschaft mit gar keinen oder schlechten Angeboten abgespeist. Deshalb gebe es nach dem neuesten Vorstoß der TdL überhaupt keinen Grund, die Streikpläne aufzugeben, zumal viele Fragen gar nicht durch Gespräche oder Verhandlungen auf Bundesebene gelöst werden könnten. Als Beispiel nennt Siebernik einzelne Berufsgruppen wie die pädagogischen Unterrichtshilfen, die es nur in Berlin gebe.

Am Dienstag streiken die angestellten Lehrer in Berlin

Wie berichtet, streiken die angestellten Lehrer am Dienstag zum wiederholten Mal dafür, dass sie einen eigenen Tarifvertrag bekommen. Darüber hinaus richtet sich ihr Unmut gegen die verordnete Mehrarbeit in Gestalt von zusätzlichen Präsenztagen und gegen die vielen Vertretungsstunden, die anfallen, weil sich alle Lehrer zwei Tage individuell frei nehmen können. Das ist aber nicht alles. „Die Lehrer streiken auch deshalb, weil so vieles im Argen liegt“, bilanzierte Landeselternsprecherin Stockhausen-Döring ihre jüngsten Gespräche mit Eltern und Lehrern. Als Beispiel nannte sie die vielen ungelösten Probleme wie das schlechte Abschneiden bei der Berufsbildungsreife und dass ein großer Teil der Unterrichtsstunden zwar irgendwie abgedeckt werde, aber weit entfernt von gutem Standard sei, weil er von überlasteten Referendaren oder Vertretungskräften ohne volle Lehrbefähigung gegeben werde. „Die Situation ist insgesamt unbefriedigend“, findet Stockhausen-Döring, die dann schon mal das Wort „Bildungskatastrophe“ in den Mund nimmt.

Die CDU in Berlin will mehr Lehrer verbeamten

Auch die Koalitionsfraktionen sind unzufrieden. Die CDU fordert immer vehementer die Rückkehr zur Verbeamtung, und die SPD will zumindest erreichen, dass sich Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mit der GEW an einen Tisch setzt. „Man muss den Lehrern zeigen, dass man sie ernst nimmt“, appelliert SPD-Bildungspolitiker Ilkin Özisik. Es gehe um „Wertschätzung und Respekt“.

Özisik und sein Fraktionskollege Lars Oberg haben sich inzwischen mehrmals mit Vertretern der Lehrerinitiative „Bildet Berlin“ getroffen, die sich zusammen mit der GEW dafür einsetzt, dass die angestellten Lehrer bessere Arbeitsbedingungen erhalten. „Man muss mit denen reden. Die sind flexibel“, appelliert der Sozialdemokrat an die Senatorin.

Die GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik kann diesen Appell nicht ganz nachvollziehen: „Wir sprechen regelmäßig mit der Bildungsverwaltung über alle möglichen Themen. Aber bei der Tariffrage ist nun einmal Finanzsenator Ulrich Nußbaum unser Ansprechpartner“. Nußbaum und sein Vorgänger Sarrazin kommen deshalb am Dienstag auf die Bühne – allerdings nur als Figuren während der Kundgebung am Potsdamer Platz. Bei einer szenischen Aufführung soll es um die verschlechterten Arbeitsbedingungen der Lehrer seit 2003 gehen.

Wie ist die Stimmung an den Schulen, wer macht bei der Demo mit? Aktuelle Berichte finden Sie am Dienstag ab 8 Uhr in unserem Live-Blog zum Lehrerstreik unter www.tagesspiegel.de.

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