Schule : Perfekte Technik mutig verpackt

Neuer 5er zeigt eigenwilliges, eigenständiges, aber in vielen Elementen typisches BMW-Gesicht

Ingo von Dahlern

Dass man einen BMW hinter sich hatte, der sich auf der Überholspur näherte, sah man bisher im Rückspiegel ohne jedes Problem. Doch ob es nun ein 3er, ein 5er oder gar ein 7er war, das konnte man mit einem schnellen Blick beim besten Willen nicht unterscheiden – denn die Linie aller drei Baureihen war sich einfach zu ähnlich. Doch zusehends werden die Unterschiede größer. Denn nach dem bereits Ende 2001 eingeführten neuen 7er, mit dem bei BMW eine grundlegende Design-Revolution begann, sowie dem gerade erst eingeführten Z4 tritt nun auch die neue Generation des 5er mit neuer Optik an – nicht weniger modern als beim 7er, aber dennoch ganz anders und mit einer Linie, die in vielen Elementen ganz typisch für den 5er ist. Damit ist BMW seinem Ziel, jeder Baureihe künftig ein unverwechselbares Gesicht zu geben, einen bedeutenden Schritt näher gekommen. Wobei trotz aller neuen Formen schon beim ersten Blick ganz klar ist, dass man auch hier einen BMW vor sich hat. Denn ein paar für die weiß-blaue Marke ganz typische Designelemente sind, wenn auch neu interpretiert, erhalten geblieben.

Es ist allerdings mehr Dynamik in die Linie des 5er gekommen – mit einem raffinierten Spiel von konvexen und konkaven Rundungen und dezenten und manchmal auch scharfen Kanten, die den Wagen je nach Beleuchtung und Blickwinkel in immer wieder neuer überraschender Form auftreten lassen. Dagegen wirken die früheren Karosserien plötzlich seltsam steril – zwar ausgewogen und von schlichter Eleganz, aber letztlich doch ein wenig langweilig, ja geradezu bieder. Zugegeben, manches neue Detail provoziert, fordert heraus, wie zum Beispiel die „Brauen“ über den lang gezogenen Doppelscheinwerfern mit den integrierten Seitenleuchten und ein ähnliches Konzept bei den Rückleuchten. Doch sie machen den 5er unverwechselbar und verbinden zugleich Front und Flanken der Karosserie, die insgesamt einen leichten und dynamischen Auftritt hat – ideal passend zu den für dieses Auto so typischen Fahreigenschaften, die den neuen 5er zu einem betont fahraktiven Auto machen.

Einem Auto, das in seinen Dimensionen rundum jeweils ein paar Zentimeter zugelegt hat. 66 Millimeter bei der Länge, die nun gut 4,81 Meter misst, 46 Millimeter bei der Breite, die auf knapp 1,85 Meter wuchs, 28 Millimeter in der Höhe, die nun knapp 1,47 Meter erreicht und schließlich 58 Millimeter beim Radstand, der jetzt knapp 2,89 Meter misst. Doch die veränderten Linien lassen diese Veränderungen kaum erkennen. Dafür sind sie spürbar – etwa beim recht großzügigen Raum in Fond des 5ers oder dem um 60 Liter auf nun 520 Liter gewachsenen Kofferraum, der sich mit seiner aufgesetzten Klappe im Stil des neuen 7er allerdings ganz anders präsentiert als bisher – je nach Beleuchtung oft sogar so aussieht, wie auf eine Fließheckkarosserie aufgesetzt. Von vorn wirkt der neue 5er ein wenig katzenhaft geduckt und beim Blick aufs Heck betont breit und kraftvoll.

Wie schon die äußere Optik der Karosserie, die bewusst wie ein Kunstwerk, wie eine Skulptur gestaltet ist, präsentiert sich auch das Interieur des 5er in neuer Optik. Das bedeutet die Abkehr vom bisher üblichen Cockpit-Look mit um den Fahrer gewölbtem Instrumententräger mit zahllosen Knöpfen und Schaltern zu einem sehr viel schlichteren, die Horizontale betonenden Instrumentenbrett mit einem drastisch reduzierten Schalterangebot. Doch im Unterschied zum 7er, bei dem wir vor den ersten Probekilometern Erklärungen für die eine oder andere Funktion erhielten und auch brauchten, ist dieses Instrumentenbrett sofort verständlich und bedienbar und auch die iDrive-Menüs sind rundum zugänglicher. Uns hat diese Reduzierung der direkt sicht- und greifbaren Bedienelemente auf das für das Fahren nötige Maß durchaus überzeugt und keinerlei Probleme bereitet.

Und was hier für die Optik gilt, traf ausgesprochen konsequent für das Fahren zu. Denn dieser neue 5er ist ein Auto, das man selbst bei flotter Fahrt auf kurvigen Straßen jederzeit problemlos und sicher im Griff behält. Wobei gewissermaßen als Rettungsring dann, wenn man seine eigenen oder die Fähigkeiten des Fahrzeugs überschätzt hat, alle derzeit verfügbaren elektronischen Assistenzsysteme eingreifen – von der Fahrdynamikregelung DSC (Dynamische Stabilitäts Control) über die Traktionskontrolle DTC (Dynamic Traction Control) und die Antriebsschlupfkontrolle ASC bis zum auf Wunsch verfügbaren Aktiven Fahrwerk Dynamic Drive mit der bereits vom 7er bekannten Wankstabilisierung, die das Fahrzeug praktisch aufrecht und ohne Seitenneigung durch die Kurven fahren lässt.

Und es gibt auch ein ganz neues System – die AktivLenkung, die BMW als erster Hersteller anbietet. Die ist ein elektronisch gesteuertes Lenksystem mit variabler Übersetzung und variabler Lenkkraftunterstützung. Sie sorgt dafür, dass das Auto bei sportlicher Fahrweise bis in den Geschwindigkeitsbereich von etwa 120 km/h mit einer direkteren Lenkübersetzung ein Übergreifen am Lenkrad weitgehend überflüssig macht. Und während sich der Lenkaufwand im Stadtverkehr und beim Parken auf ein Minimum reduziert, wird bei höheren Geschwindigkeiten die Lenkwinkel- und Lenkkraftunterstützung sukzessiv zurückgenommen – ein System, das man schon nach wenigen Runden über einen Handling- und Slalomkurs im Griff hat und dann nicht mehr missen möchte.

Zu den dynamischen Fahreigenschaften des neuen 5er trägt bei, dass BMW bei Fahrwerk und Karosserie konsequent auf die Verarbeitung von Aluminium und Stahl in intelligenter Mischbauweise gesetzt hat. Insbesondere der Vorderwagen des 5er besteht ebenso wie das komplette Fahrwerk weitestgehend aus diesem Werkstoff, der durch raffinierte Niet- und Klebetechniken an den Übergangsstellen zu Stahlelementen mit diesen verbunden wird. So konnte man das gesamte Fahrzeug trotz größerer Abmessungen und zusätzlicher Ausstattungen um bis zu 75 Kilo leichter machen als den Vorgänger. Und das hat wiederum Einfluss auf Fahrleistungen und Verbrauchswerte.

Hier zeigte sich der 5er bei ersten Probekilometern von seiner besten Seite. Zur Wahl standen dabei zwei der drei Reihensechszylinder, mit der dieses Auto im Juli als 520i, 530i und 530d an den Start geht. Das sind bewährte Triebwerke, bei denen die Benziner mit Vierventiltechnik, Resonanzsauganlage, adaptiver Klopfregelung und Einzelzündspulen sowie der stufenlosen Nockenwellenverstellung Bi-Vanos für Ein- und Auslass hohe Leistung, kraftvolles Drehmoment und niedrige Verbrauchs- und Emissionswerte verbinden und die Abgasnorm EU4 erfüllen. Mit seinen 170 kW (231 PS) lässt der Dreiliter-V6 mit einem Drehmoment von 300 Nm bei 3500/min den 530i binnen 6,9 Sekunden Tempo 100 und maximal 250 km/h erreichen – ein betont sportliches Auto also, das durchschnittlich 9,5 l/100 km verbraucht. Mit nur 6,9 l/100 km erheblich sparsamer ist der Turbodiesel 530d, der mit 7,1 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 245 km/h nur geringfügig langsamer ist – ein regelrechter Power-Diesel, der 160 kW (218 PS) leistet und ein höchstes Drehmoment von 500 Nm bei nur 2000/min liefert und auch dank eines neues Sechsganggetriebes seine bemerkenswerten Fahrleistungen erreicht.

Neben den Schaltgetrieben wird es für alle 5er auf Wunsch auch Automatikgetriebe geben – und zwar ausnahmslos das moderne ZF-Getriebe mit sechs Fahrstufen. Als weitere Motoren stehen im Herbst der 520iA, der 525i und als Top-Modell der 545i mit 4,4-Liter-V8 mit Valvetronic und einer Leistung von 245 kW (333 PS) auf dem Programm.

Zu den technischen Innovationen gehören als Wunschausstattung ein Head-Up-Display, bei dem wichtige Anzeigen über Tempo, Geschwindigkeitsregelung, Navigation und Warnanzeigen nach eigener Programmierung in die Frontscheibe eingespiegelt werden, so dass man sie ablesen kann, ohne den Blick von der Straße wenden zu müssen. Ebenfalls verfügbar sind das Adaptive Kurvenlicht sowie – vorerst nur für die USA, aber nach Zulassung in Deutschland durch zusätzliche Software aktivierbar – ein adaptives Bremslicht sowie die Adaptive Geschwindigkeitsregelung ACC. Viel bewährte und eine Menge neuer Technik also, die mit der für BMW typischen Dynamik und der mutigen neuen Optik den neuen 5er mehr als attraktiv machen Die Preise beginnen übrigens bei 35 100 Euro für den 520i.

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