Schule : Platformat und der Tiger im Tank

Eine kleine Kulturgeschichte der Tankstelle

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Wer erinnert sich wohl noch an Shell Platformat, Aral immer am Ball oder BP Super Mix? Aus den 60er Jahren, als allein die Zahl der Tankstellen des Marktführers Aral in der Bundesrepublik 11 000 betrug, stammen Werbemätzchen wie Salzstreuer in Form einer Tanksäule, Atlanten oder auch Fahrtenbücher. Doch nur der 1965 von Esso kreierte „Tiger im Tank“, dessen Schwanz zeitweise Autoantennen schmückte, ist bis heute als geflügeltes Wort erhalten geblieben. Der freundliche Tankwart mit Mütze, der auch die Scheibe putzte oder den Ölstand kontrollierte, verschwand mit der Ölkrise 1973/74 ebenso aus der bundesdeutschen Straßenlandschaft wie die meisten seiner Arbeitsplätze. Gab es 1972 in der Bundesrepublik noch 46 000 Tankstellen, so sind es heute in ganz Deutschland 16 000, darunter 2500 in der Ex-DDR – als durchgehend geöffnete Einkaufszentren auch für Nichtkraftfahrer attraktiv.

Die mehr als hundertjährige Tradition der Kraftstoffversorger hat Joachim Kleinmanns in einem Büchlein vorgestellt („Super, Voll! Kleine Kulturgeschichte der Tankstelle“, Jonas Verlag, Marburg, 20 Euro), in dem er mit Liebe zum Detail vor allem die Architektur der deutschen Tankstationen beleuchtet, die Benzinraffinerien im 20. Jahrhundert an Landstraßen, Autobahnen und in Städten errichteten. Gab es anfangs das Benzol-Gemisch aus Apotheken, so entstanden in den 20ern „Tankkioske“ oder sogar Garagen mit Angebot verschiedener Marken.

Erst an den Autobahnen wurden von 1935 an Tankstellen mit mehreren Spuren konstruiert, an denen sechs Autos gleichzeitig tanken konnten. Geschwungene freihängende Dächer, taghelle Beleuchtung und auffällige Beschilderung kamen hinzu, seitdem mehrere Marken um die Gunst der Autofahrer buhlten. Die älteste erhaltene Benzin-Pumpen-Garage steht übrigens als Museum am Schlesischen Tor in Berlin – und zwar direkt neben einer modernen Großtankstelle mit einemn dazugehörigem Supermarkt. Martinus Schmidt

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