Schule : Platzmacher

Wer in der stark wachsenden Klasse der kompakten Minivans punkten will, muss sich schon etwas einfallen lassen. Der neue Mazda 5 hat mehr als nur zwei Schiebetüren zu bieten

Ingo von Dahlern

Immer mehr kompakte Minivans rollen auf Europas Straßen. Allein in den Jahren 2000 bis 2004 wuchs dieses Marktsegment um 60 Prozent auf 1,4 Millionen. Kein Wunder, dass auch Mazda hier nicht abseits stehen will. Mazda 5 nennt sich das jetzt zu den Händlern kommende neueste Angebot aus Hiroshima. Ein Auto mit einer Doppelrolle: Es soll sowohl den 1999 eingeführten sehr viel kompakteren Mazda Premacy als auch den großen Mazda MPV ersetzen.

Soeben erst hat Opel die neueste Generation seines Bestsellers Zafira vorgestellt, Volkswagen hat mit dem recht spät angetretenen Touran einen Volltreffer gelandet, Minivan-Pionier Renault zeigt sich bestens aufgestellt und auch Mazdas Konzernmutter Ford ist mit dem Focus C-Max erfolgreich. Da muss man sich schon etwas einfallen lassen, um als Newcomer in dieser Klasse aufzufallen.

Beim neuen Mazda 5 sind das vor allem die hinteren Schiebetüren auf beiden Seiten. Für klassische Vans ist das nicht neu. Aber in der Kompaktklasse ist der Mazda 5 das erste Angebot mit dieser Technik. Und man muss den Mazda-Entwicklern bescheinigen, dass sie ihre Aufgabe gut gelöst haben. Die Schiebetüren lassen sich mit nur wenig Kraft bedienen und geben eine immerhin 70 Zentimeter breite Türöffnung frei. Diese wiederum erlaubt einen bequemen Ein- und Ausstieg nicht nur in die zweite, sondern auch die dritte Sitzreihe – und das auch, wenn es auf dem Parkplatz eng zugeht und ein nebenstehendes Auto dem neuen Mazda allzu nahe kommt. Knapp 16 Zentimeter Breite erfordern diese Türen, so dass man auch sehr knappe Lücken nutzen kann.

Auch beim Sitzkonzept hat sich Mazda neue Lösungen für den bis zu sieben Plätze bietenden 4,51 Meter langen Mazda 5 einfallen lassen. Die mittlere Sitzreihe besteht aus zwei um 27 Zentimeter in Längsrichtung verschiebbaren bequemen Einzelsitzen. Braucht man einen dritten Platz in dieser Reihe, lässt der sich mit wenigen Handgriffen aus dem linken Einzelsitz hervorzaubern. Reichen zwei Sitze, kann man aus dem rechten Einzelsitz eine praktische Ablagebox herausklappen.

Ja und dann gibt es noch die zweite hintere Sitzreihe mit zwei überraschend bequemen Plätzen, durch die der Mazda zum Siebensitzer wird. Allerdings nur, wenn man sich beim Kauf bereits für diese Variante entschieden hat, denn nachrüsten lässt sich diese Sitzreihe nicht mehr. Wer sich für sie entscheidet, bekommt ein sehr variables Auto in die Hand: Die beiden hinteren Sitze lassen sich mit nur wenigen Griffen und ohne, dass Gurte oder Kopfstützen in die Hand genommen werden müssen, komplett zusammenfalten. Dann entsteht aus dem 112 Liter fassenden schmalen Gepäckabteil ein bis zu 720 Liter fassender ebener Laderaum mit 1,10 Meter Länge, der beim Zusammenlegen der mittleren Sitzreihe bis auf 1566 Liter wächst. Ein Innenraum-Konzept, das neben seiner großen Variabilität vor allem durch die leichte Bedienbarkeit gefällt.

Wie schon die seit 2002 eingeführten vier neuen Mazda-Modelle gefällt auch der Mazda 5 durch seine Optik. Das gilt nicht nur für das inzwischen typische Familiengesicht, sondern auch für die keilförmige gestreckte Silhouette des Siebensitzers mit den hinten schmaler werdenden Fenstern und den hoch angeordneten Rückleuchten. Innen kann der Mazda5 mit seinem sportlich-eleganten Design, der Aluminiumoptik für die Mittelkonsole, den hochwertigen Oberflächen und der guten Verarbeitung überzeugen.

Angetrieben wird der kompakte Minivan von vier Aggregaten – zwei Vierzylinder-Benzinern mit Fünfganggetriebe sowie zwei modernen Turbodieseln mit Common Rail und einem neu entwickelten Sechsganggetriebe. 85 und 107 kW (115 und 145 PS) leisten die Benziner. Sie erlauben den Spurt auf Tempo 100 in 11,4 und 10,8 Sekunden und maximal 182 und 192 km/h. Ihr Verbrauch ist mit 7,9 und 8,2 l/100 km angegeben. Mit nur 6,3 l/100 km sehr viel sparsamer sind allerdings die beiden 2,0-Liter-Turbodiesel, die 81 und 105 kW (110 und 143 PS) leisten. Sie erreichen Tempo 100 bereits nach 12,9 und 10,4 Sekunden und sind bis zu 179 und 197 km/h schnell. Damit ist der größte Diesel auch der schnellste Mazda 5. Beide Selbstzünder gefallen durch ihre hohe Laufkultur und ihr niedriges Arbeitsgeräusch und erfüllen, serienmäßig mit Partikelfilter ausgestattet, die Abgasnorm EU4.

Komplett beim Mazda 5 ist die Sicherheitsausstattung. Frontairbags, Seitenairbags vorn und Windowbags für alle drei Sitzreihen gehören zur passiven Sicherheitsausstattung ebenso wie verstellbare Kopfstützen auf allen Plätzen sowie Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer vorn. Aktive Sicherheitselemente sind das ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, ein Bremsassistent und die Fahrdynamikregelung DSC einschließlich Traktionskontrolle. Wer mit dem Mazda 5 unterwegs ist, genießt nicht nur die hohe Fahrsicherheit, sondern vor allem auch die nur geringe Seitenneigung in zügig gefahrenen Kurven.

Ein Problem für frühere Premacy-Fahrer dürfte allerdings der Preis sein. Der ist mit einer Spanne zwischen 19 600 und 26 100 Euro zwar durchaus attraktiv, liegt aber deutlich über den früheren Premacy-Preisen. Der Mazda5 ist allerdings eine Klasse höher angesiedelt. MPV-Fahrer werden feststellen, dass der Mazda 5 zwar sehr viel kompakter ist, aber trotzdem mit überraschend viel Raum und einer den MPV klar übertreffenden Variabilität überrascht.

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