Schule : Pluriel – der Limousinen-Cabrio-Spider

Citroën bietet das erste kompakte „Umbauauto“ an – und das auch noch ausgesprochen preiswert

Ingo von Dahlern

Gerade noch eine kompakte viersitzige Limousine mit großem Faltdach, nach wenigen Handgriffen ein viersitziges Cabrio und wenige Minuten später ein offener Spider und dabei stets ein und das selbe Auto – so etwas hat es bislang zwar schon als manche attraktive Studie auf Automobilausstellungen gegeben. Aber noch nie als Serienauto. Nun endlich kann man einen solchen Verwandlungskünstler kaufen. Er kommt von Citroën, basiert auf dem kompakten C3 und nennt sich C3 Pluriel. Doch er ist mehr, als nur eine weitere Variante des erst im letzten Jahr eingeführten rundlichen Kompakten – er ist ein Auto einer ganz neuen Art und zugleich der überzeugende Beweis dafür, dass Citroën endlich wieder auf den Weg ist, automobile Avantgarde zu präsentieren.

Schon beim ersten Kennenlernen im vergangenen Herbst begeisterte uns das Konzept dieses Autos, das alles in den Schatten stellt, was bisher an Karosserievariabilität bei Serienautos geboten wurde. Und diese Begeisterung steigerte sich mit jedem Kilometer, den wir nun bei ersten Probefahrten bewältigen durften – bei nur schwach bewölktem Himmel und Temperaturen, die geradezu dazu einluden, offen unterwegs zu sein. Mit einem handlichen Faltblatt, das in Bild und Text Schritt für Schritt zeigt, wie man den Pluriel umbaut, suchten wir uns einigen ruhigen Platz abseits der Straße und gingen ans Werk. Auf dem Weg dorthin hatten wir allerdings schon den großen Drehknopf neben der Deckenleuchte betätigt und damit das die ganze Fahrzeugbreite einnehmende Faltdach komplett nach hinten fahren lassen und uns damit einen Quadratmeter offenen Himmel erschlossen. Und als wir dann auch noch alle vier Seitenscheiben per Kopfdruck versenkten, fühlten wir uns in dem kleinen Kompakten, bei des es keine störende B-Säule gibt, fast schon wie in einem Cabrio.

Doch es geht noch offener. Denn mit einem weiteren Griff zum Drehschalter ließen wir das zusammengefaltete Dach hinter die Heckscheibe gleiten. Dann allerdings mussten wir aussteigen. Denn das gesamte Dach einschließlich Heckscheibe lässt sich mit ein paar Handgriffen komplett im Kofferraumboden versenken. Dafür muss man die Heckklappe öffnen, den Laderaumboden herausnehmen, eine Verriegelung an der Heckscheibe öffnen – und schon lässt sich alles lösen, schwenken und nach unten schieben. Dann allerdings gab es eine kurze Verzögerung. Denn erst nach mehreren Blicken in die Anleitung hatten wir begriffen, wie die kleine Kofferraumabdeckung montiert wird, und dass man die Rückenlehnen der hinteren Sitze recht kräftig nach hinten werfen muss, um sie auch wieder zu verankern. Hier fehlt offensichtlich noch ein wenig Perfektion. Aber die soll bei den ersten Serienautos – wir waren mit Vorserienmodellen unterwegs – erreicht sein. Sobald wird den Laderaumboden wieder eingelegt und die Laderaumabdeckung montiert hatten, konnte es mit einem luftigen viersitzigen Cabrio mit zwei stabilen bogenförmigen Holmen, die sich von der Frontscheibe bis zum Heck spannen, weitergehen.

Das allerdings ist noch nicht die letzte Stufe der Offenheit beim Pluriel. Denn auch die beiden Holme lassen sich abbauen. Und auch das ohne jedes Werkzeug. Löst man zwei Verriegelungen – eine im Kofferraum und eine weitere nahe dem Frontscheibenrahmen, dann kann man die jeweils zwölf Kilo wiegenden Holme abbauen. Und für die hinteren Verankerungen rechts und links gibt es im Kofferraumdeckel zwei Abdeckungen, die mit wenigen Griffen montiert sind. Nun präsentiert sich der Pluriel als völlig offener viersitziger Spider. Ein ideales Auto für Sommertage ohne Regenwolken. Denn wer den Pluriel so offen fahren möchte, muss die beiden ausgebauten Holme zurücklassen. Im Fahrzeug nämlich findet er dafür keinen Platz. Vielleicht findet man hier noch einmal eine Lösung, bei der man die Teile so verankern kann, dass noch zwei Plätze im Auto übrig bleiben. Aber derzeit müssen Spider-Fahrer darauf vertrauen, dass es trocken bleibt. Wobei es für den Fall des Falles im Zubehörprogramm eine Abdeckplane für den völlig offenen Wagen gibt.

Ebenso, einfach wie man den Pluriel von der geschlossenen Limousine zu einem offenen Spider verwandeln kann – der mit umgelegter Rückbank und geöffneter Heckklappe dann sogar Pickup-Qualitäten hat, lässt er sich wieder zur Limousine machen. Allerdings muss man aufpassen, dass sich beim Zusammenbau bei den zahlreichen Plastikteilen nichts verkantet, und dann, wenn es hier und dort etwas hakt, mit Gefühl statt mit Gewalt zu Werke gehen. Doch dann ist das Auto schon nach wenigen Minuten wieder im Ursprungszustand. Und je öfter man den Umbau übt, desto schneller und unkomplizierter bewältigt man ihn, kann die Anleitung dafür schon bald vergessen, da sich eigentlich jeder Schritt von selbst erklärt.

Ein verblüffend variables kompaktes Auto also, das im Grundzustand uneingeschränkt alltagstauglich ist – ein auch im Fond mit ausreichend Platz für Erwachsene ausgestatteter 3,93 Meter langer Viersitzer, der als zweitürige Limousine immerhin einen 266 Liter fassenden und noch dazu variablen Laderaum bietet. Und der ist dank der horizontal geteilten Heckklappe besonders bequem zugänglich, selbst wenn man auf engen Parkplätzen steht. Ein Auto, dessen breites elektrisch betätigtes Mehrschicht-Faltschiebedach dank spezieller Stahlstäbe geschlossen fest gespannt ist, keine auffälligen Windgeräusche macht, gut gegen Wärme und Kälte isoliert und den Pluriel wie eine ganz normale geschlossene Limousine auftreten lässt, die man auch durch eine Waschanlage fahren kann.

Ein Auto, das innen alle die Qualitäten bietet, die man bereits von Citroën C3 kennt. Dazu gehören die guten Halt gebenden bequemen Sitze mit Höhenverstellung für den Fahrer und langen Gleitschienen, die selbst groß gewachsenen Fahrzeuglenkern eine bequeme Position hinter dem in zwei Ebenen verstellbaren griffigen Lenkrad erlauben. Halbhoch, wie es für den dank seines runden Dachs viel Kopffreiheit bietenden Pluriel gilt, der rundum eine sehr gute Sicht aufs Verkehrsgeschehen erlaubt.

Das Instrumentenbrett wurde von C3 übernommen, ist übersichtlich, praktisch und wirkt wie der ganze Innenraum frisch und lebendig. Und da stört es auch nicht, dass zum Beispiel an den Türen ein breiter Streifen lackierten Blechs sichtbar ist. Denn der Pluriel wirkt an keiner Stelle billig, setzt im Gegenteil schon in der kompakten Klasse auf ansprechende Materialien und Oberflächen und auch eine saubere Verarbeitung, so dass auch bei flotter Fahrt über schlechte Straßen nichts klappert oder sonstige störende Geräusche von sich gibt.

Unter der Motorhaube des mit seinen kräftigen Stoßfängern mit großem Lufteinlass und den großflächigen modernen Schweinwerfern sehr kraftvoll und dynamisch auftretenden Pluriel stehen zwei Triebwerke zur Wahl. Einstiegsmotor ist der 1,4-Liter-Vierzylinder mit einer Leistung von 54 kW (75 PS) – ein erfreulich agiles und zugleich wirtschaftliches Motörchen, das den Pluriel in Verbindung mit einem Fünfganggetriebe überraschend flott macht. 13, 9 Sekunden reichen für den Spurt auf Tempo 100 und maximal sind mit dem erfreulich leise arbeitenden Benziner, der durchschnittlich 6,8 l/100 km verbraucht, 160 km/h möglich. Das reicht vollauf für den Alltag und insbesondere in der Stadt, wo der Pluriel dank seiner elektrischen Servolenkung ausgesprochen handlich ist.

Wer es flotter liebt, kann mit dem 1,6-Liter-Vierventiler mit 80 kW (110 PS) binnen 11,6 Sekunden Tempo 100 und maximal 185 km/h erreichen – und mit durchschnittlich 6,6 l/100 km noch weniger verbrauchen. Denn dieser Motor ist – als Serienausstattung – mit dem automatisierten Fünfgang-Schaltgetriebe SensoDrive kombiniert. Da genügt ein Antippen des Schalthebels oder aber der feststehend unter dem Lenkrad angeordneten Schaltwippen für einen sehr flotten Wechsel der Gänge, ohne dass ein Tritt auf eine Kupplung nötig ist. Und wer will, kann das Schalten ganz dem Steuergerät überlassen. Das entlastet vor allem im dichten Stadtverkehr. Und da stört es auch nicht weiter, dass die Gangwechsel im Automatikmodus wie bei den meisten automatisierten Schaltgetrieben mit kurzen Zugkraftunterbrechungen einhergehen, wenn man voll auf dem Gaspedal stehen bleibt. Denn schon nach kurzer Zeit hat man das durch gekonnt dosiertes Gasgeben sicher im Griff und kann trotz Schaltgetriebe die Vorteile einer Automatik voll auskosten.

Beim Fahrwerk setzt Citroën auf die Federbein-Vorderachse des C3 und eine speziell für dieses Auto entwickelte Verbundlenkerachse. Diese Kombination bereitet auch bei flotter Fahrt über kurvige Landstraßen viel Fahrfreude, wobei man das Auto jederzeit sicher im Griff behält. Dabei unterstützt beim 1,6-Liter sogar die Fahrdynamikregelung ESP. Auch der Fahrkomfort kommt nicht zu kurz. Besonders erfreulich ist allerdings, dass es den Entwicklern gelungen ist, die Pluriel-Karosserie auch ohne B-Säule stabil und verwindungssteif zu machen – das gilt selbst dann, wenn man dieses Auto völlig offen als Spider fährt. Und der Sicherheit dienen vier Airbags sowie wirksame Bremsen mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent.

Zu den größten Pluspunkten neben seiner Variabilität und Technik gehört beim Pluriel schließlich der Preis. Denn das Vergnügen, mit ein und dem selben Auto Limousine, Panoramalimousine, Cabrio und Spider zu haben – und das sogar mit vier Sitzen – kostet mit der Basismotorisierung nur 15 850 Euro und mit 1,6-Liter-Motor und Automatik 17 350 Euro. Und für 1450 Euro bekommt man eine vollautomatische Klimaanlage sowie Regen- und Lichtsensor – ein konkurrenzlos günstiges Angebot, bei dem es Citroën passieren kann, dass die noch für dieses Jahr für Deutschland geplanten 5770 Pluriel ebenso wenig ausreichen wie die 10 000 für das Jahr 2004.

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