Schule : Porsche Cayenne – die Basis

Dritte Variante mit einem 3,2-Liter-V6-Aggregat

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Es hätten gut und gerne auch schon 20 Grad minus sein können, als wir mit dem neuesten Modell des Porsche Cayenne zu ersten Probekilometern im hohen Norden Finnlands starteten. Doch am späten Vormittag pendelte das Thermometer zwischen Nullpunkt und einigen Grad knapp darunter. Und das machte die Straßen besonders tückisch. Denn die zwischendurch leicht angetaute und dann wieder gefrorene dünne Schneedecke, die weder mit Salz noch mit abstumpfenden Mitteln behandelt wird, war deshalb zum Teil gefährlich glatt

Gute Gelegenheit für den im Unterschied zu den landestypisch auf Spikes rollenden Personenwagen mit ganz normalen Winterreifen bestückten Cayenne, seine Qualitäten auf Eis und Schnee zu beweisen. Ob nun in etwas flott gefahrenen Kurven die Fahrdynamikregelung aktiv wurde oder beim kräftigen Bremsen das ABS, dieses Auto ließ sich so leicht nicht aus der Spur bringen.

Allerdings zeigten sich auf glattem Untergrund auch die ganz normalen physikalischen Grenzen für die verschiedenen Assistenzsysteme bei Off-Road-Fahrt. Zum Beispiel den neu eingeführten Porsche Drive-Off-Assistant (PDOA) – ein System, was andere Hersteller als Hill-Holder bezeichnen. Ein mehr als praktischer Helfer, wenn es gilt, an steilen Steigungen anzufahren. Denn das System sichert den Wagen durch einen automatischen Bremsen-Eingriff vor dem Zurückrollen. Kuppelt der Fahrer ein, dann nimmt das System den Bremsdruck zurück und der Wagen fährt an der Steigung sicher an. Das funktioniert natürlich nur, so lange der Wagen nicht an steilen und glatten Hängen allein durch sein Eigengewicht ins Rutschen gerät. Denn dann sind die Grenzen überschritten, bei denen solche Assistenzsysteme wirken können.

Das gilt gleichermaßen, wenn man auf glatten Fahrbahnen mit zu viel Tempo in die Kurven geht oder aus zu hohem Tempo auf extrem kurzer Strecke bremsen muss. Auch hier gelangt man dann an jene Grenze, an der auch das beste Assistenzsystem nicht mehr helfen kann – sei es nun die Stabilitätskontrolle oder die Fahrdynamikregelung bei Kurvenfahrt, das Porsche Traction Management, das die Antriebskräfte vollautomatisch optimal auf die beiden Achsen verteilt oder aber das durch das ABS unterstützte Bremssystem. Deshalb sollten sich Autofahrer gerade im Winter immer wieder klar darüber werden, wo die Grenzen ihrer verschiedenen Assistenzsysteme liegen. Gegen zu schnelles Fahren sind sie nämlich durchweg machtlos. Damit sie helfen können, muss man seine Fahrweise also unbedingt den aktuellen Witterungs- und Straßenverhältnissen anpassen.

Zurück zum Fahrzeug, mit dem wir unterwegs waren. Denn in der Cayenne- Modellgeschichte ist das nun bereits die dritte Variante – und zugleich die Basisversion dieser Baureihe. Und mehr noch. Denn dieses Auto ist zugleich auch der erste Porsche, der einen V6-Motor unter der vorderen Haube trägt. Einen Motor, der keine Porsche-Konstruktion ist, sondern von Volkswagen stammt - jenem Partner also, mit dem zusammen man die Schwestermodelle Cayenne und Touareg entwickelt hat und auch in weiten Bereichen zusammen fertigt.

162 kW (220 PS) leistet das 3,2-Liter-Basisaggregat von Volkswagen, das Porsche in so gut wie allen Details überarbeitet hat – mit dem Ergebnis, das die nun im Cayenne eingesetzte Variante es auf eine Leistung von 184 kW (250 PS) bringt und zwischen 2500 und 5550/min ein höchstes Drehmoment von 310 Nm liefert. Das verspricht von den Daten her viel Anzugskraft über einen breiten Drehzahlbereich. Und die Praxis bestätigte das vollauf. Denn für den Spurt auf Tempo 100 reichen dem Cayenne mit dem V6-Motor 9,1 Sekunden und als Höchstgeschwindigkeit sind bis zu 214 km/h drin. Ein durchaus attraktives Leistungsangebot also, mit dem dieses Auto als sportlicher Luxus-Offroader eine rundum überzeugende Figur macht. Aufgefallen bei den ersten Probekilometern ist, wie leise der V6 seine Arbeit verrichtet. Und zu den erfreulichen Eigenschaften des neuen Basisaggregats gehört sicher auch, dass es mit einemDurchschnittsverbrauch von 13,2 l/100 km für ein Fahrzeug dieser Kategorie auch noch vergleichsweise ökonomisch mit dem Sprit umgeht.

Neu neben dem Motor ist das Sechsgang-Schaltgetriebe. Es ist so ausgelegt, dass es als so genanntes Direkt-Getriebe im fünften Gang das Fahren mit Höchstgeschwindigkeit ermöglicht und man mit dem sechsten Gang entspannt gleiten kann. Bereits 20 603 Cayenne konnte Porsche bis Ende des letzten Geschäftsjahres absetzen – den Löwenanteil machte dabei mit 15 859 Einheiten der Cayenne S aus. Vom neuen Basismodell erwartet man einen jährlichen Absatz von rund 500 Einheiten. Der Preis dafür liegt bei einem Netto-Grundpreis von 40 900 Euro in Deutschland bei 47 592 Euro. ivd

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