POSITION : Bewährtes nicht zerstören!

Warum das Fach Arbeitslehre in den neuen Sekundarschulen gebraucht wird

Manfred Triebe
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Foto: privat

Das Fach Arbeitslehre wurde in Berlin 1970 an den Hauptschulen, wenig später auch an den Gesamtschulen eingeführt. Für das „Learning by doing“ wurden gut ausgestattete Werkstätten eingerichtet. Ziel des neuen Unterrichtsfachs war die Verbindung von Schule und Arbeitswelt, die Einführung und Bewertung von Berufsarbeit und Haushaltsführung, die Vermittlung von Umgangserfahrungen mit Arbeitsprozessen und damit die Vorbereitung auf eine verständigere Berufswahl. Konsequent war Arbeit das didaktische Zentrum des neuen Faches.

Nach 40 Jahren Erfahrung, dreimaliger Überarbeitung des Curriculums und nach Einführung eines integrierten Studienganges Arbeitslehre an der Technischen Universität erklärte nun Bildungssenator Jürgen Zöllner in der Debatte um die künftige Schulstruktur fast beiläufig, dass Arbeitslehre künftig WAT (Wirtschaft, Arbeit, Technik) heißen soll. Begründet wurde dies nicht.

Namen mögen nicht entscheidend sein. Allerdings gab es vor sechs Jahren schon einmal einen Umbenennungsversuch des Berliner Fachs, um eine Namensgleichheit mit Brandenburg herzustellen. Dies scheiterte am Widerstand verschiedener Kollegen. Die Erfahrung lehrt, dass veränderten Namen oftmals auch veränderte Inhalte folgen.

Tatsächlich findet unter der Bezeichnung WAT in Brandenburg „Buchunterricht“ statt, in dem das Kernstück der Arbeitslehre, das praktische Arbeiten in den Werkstätten, keine Rolle mehr spielt. Für uns ist aber praktisches Tun in den Arbeitslehrewerkstätten in Verbindung mit theoretischer Reflexion dieser Arbeit die Basis für eine solide Berufsvorbereitung und -orientierung. Arbeitslehre ist integrierte ökonomische, technische, arbeits- und haushaltsbezogene Bildung.

Aus der Bildungsverwaltung hört man nun, dass die bewährte Konzeption des Fachs bei der Reform der Sekundarschule nicht infrage gestellt werden soll. Die vorgesehene Stundentafel verheißt jedoch nichts Gutes. So werden für die Klassen sieben bis zehn der künftigen Sekundarschulen zwar zwei Wochenstunden pro Jahrgang genannt, diese aber durch Fußnoten gleich wieder relativiert: In den Klassen neun und 1zehn können diese Stunden zur „Verstärkung anderer Unterrichtsfächer oder zusätzlicher Wahlpflichtangebote (…) verwendet werden“. Verpflichtend bleibt lediglich eine Einzelstunde zur Vorbereitung des Betriebspraktikums im neunten Jahrgang. Was bleibt dann noch von der „bewährten Konzeption des Faches“?

Das „Duale Lernen“ gilt als das inhaltliche Kernstück der Schulstrukturreform. Die Senatsverwaltung schreibt dazu: Es „ist das besondere Ziel der integrierten Sekundarschule, (…) auch auf die Fortsetzung des individuellen Bildungsganges hinsichtlich einer Berufsausbildung oder eines Studiums vorzubereiten“.

Genau dies war und ist der Ansatz des Schul- und Studienfaches Arbeitslehre. Es hätte also nahegelegen, das „Duale Lernen“ in der Arbeitslehre anzusiedeln, mit ihr zu verknüpfen, um den Begriff des Dualen Lernens für die Sekundarschule mit Leben zu füllen.

Der Name „Wirtschaft, Arbeit, Technik“ restauriert dagegen die Teildisziplinen und zerstört den integrativen Ansatz des Fachs. Duales Lernen unterstützen wir – aber mit Arbeitslehre als Leitfach!

Manfred Triebe ist Vorsitzender der Berliner Gesellschaft für Arbeitslehre.

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