Schule : Powerdiesel für den König der Löwen

Zum ersten Mal in der Modellgeschichte setzt Peugeot einen Sechszylinder ein

Ingo von Dahlern

Limousinen der gehobenen Klasse werden in Deutschland bevorzugt mit deutschem Markenzeichen gekauft. Fahrzeuge von Importeuren haben auf unserem Markt, vor allem wenn es um Firmen- und Dienstwagen geht, eindeutig schlechtere Karten. Das gilt selbst, wenn sie bei der Ausstattung und den Fahrleistungen deutschen Modellen ebenbürtig sind und ändert sich auch dann kaum, wenn sie noch deutlich preiswerter sind.

Unter solchen Bedingungen darf man es als einen beachtlichen Erfolg registrieren, dass es Peugeot in der gehobenen Klasse gelungen ist, den Peugeot 607 seit seiner Markteinführung vor vier Jahren immerhin rund 7500 Mal in Deutschland zu platzieren. Und nun darf man sich bei Peugeot sogar Hoffnungen machen, die bisherigen Ergebnisse noch zu übertreffen. Denn mit dem vom Februar an verfügbaren Peugeot 607 V6 HDi kommt nun ein Auto auf den Markt, das den Forderungen der deutschen Käufer in dieser Klasse optimal entspricht.

Die setzen nämlich auch in er gehobenen Klasse zusehends auf kräftige Diesel. Da macht Peugeot mit dem HDi FAP 135 mit seinem 98 kW (133 PS) leistenden 2,2-Liter-Turbodiesel auch ein recht interessantes Angebot, was ein Anteil von rund 80 Prozent an den Verkäufen des 607 bei uns unterstreicht. Aber die Mehrzahl der Dieselkäufer in der gehobenen Klasse setzt auf stärkere Triebwerke – von rund 100 kW (136 PS) an aufwärts.

Hier konnte Peugeot mit dem HDi 135 bislang nicht mithalten. Doch mit dem soeben vorgestellten 607 V6 FAP HDi 205 tritt nun auch der König der Löwen mit einem besonders leistungsstarken modernen Turbodiesel an. Denn die neue 2,7-l-Maschine bringt es auf 150 kW (204 PS) und ein höchstes Drehmoment von 440 Nm bei nur 1900/min. Das ist ein gewaltiger Leistungssprung, der Fahrleistungen in ganz neuen Dimensionen ermöglicht. Denn mit 8,7 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 230 km/h ist er fast so schnell wie der jetzt ein wenig kräftiger gewordene Spitzen-Benziner 3.0 V6 24 V mit nun 155 kW (211 PS), der 235 km/h erreicht und dessen 9,2 Sekunden für den Spurt auf Tempo er sogar übertrifft.

Bei ersten Probekilometern bestätigte der neue Turbodiesel seine Klasse aber nicht nur mit Blick auf die Dynamik dieses Autos, das sich auf der Autobahn ebenso wie auf kurvigen und zum Teil recht engen Bergstraßen als leichtfüßig und erfreulich handlich und zugleich sehr fahrsicher erwies. Hierzu trägt bei, dass Peugeot den V6 nun mit einem elektronisch gesteuerten Fahrwerk mit getrennt voneinander elektronisch aktivierbaren Stoßdämpfern ausstattet. Was außerdem besonders auffiel, war, wie verblüffend leise der Turbodiesel seine Arbeit tut – so leise, dass man manchmal zweifelt, dass hier ein Diesel arbeitet.

Mit dieser so leisen und kultivierten Kraftentfaltung hat uns diese Maschine schon vor Monaten verblüfft – als Antrieb des Jaguar S-Type 2.7 D. Denn der V6-Turbodiesel im Peugeot 607 ist eine der Diesel-Gemeinschaftsentwicklungen von PSA Peugeot Citroën und Ford, die Ford bei seinen Premium-Marken Jaguar und Land Rover bereits erfolgreich eingeführt hat – beim Jaguar S-Type ebenso wie beim neuen Land Rover Discovery.

Nun kommt der moderne direkt einspritzende V6 mit zwei Turboladern und einem Hochdruck Common Rail mit bis zu 1650 bar, piezoelektrischen Injektoren und bis zu sechs Einspritzungen pro Arbeitstakt bei Peugeot erstmals in einem Fronttriebler zum Einsatz – dem künftig stärksten seiner Klasse, der zugleich der erste Sechszylinder-Diesel in der Modellgeschichte von Peugeot ist. Selbstverständlich hat dieser Motor im 607 ein Partikelfilter, so dass er die Abgasnorm EU4 erfüllt. Das Filtersystem arbeitet, wie für Peugeot typisch, mit einem Additiv. Doch mit Blick auf eine erst nach mehr als 200 000 km fällige Wartung kann man es, wie es Peugeot auch tut, inzwischen mit gutem Gewissen als wartungsfreies System bezeichnen.

Neu neben dem großenTurbodiesel, der mit durchschnittlich 8,4 l/100 km recht sparsam mit dem Sprit umgeht, ist eine Sechsgang-Automatik. Dieses sehr kompakte Getriebe wurde gemeinsam mit dem japanischen Spezialisten Aisin entwickelt. Es überzeugt durch seinen hohen Schaltkomfort ebenso wie seine perfekt zum neuen Diesel passende Abstufung. Für sportliches Fahren bietet es ein spezielles Sportprogramm und außerdem gestattet es dank Tiptronic auch den Gangwechsel von Hand.

Auf den neuesten technischen Stand gebracht hat Peugeot beim 607 auch die elektronischen Assistenzsysteme. So wird der Fahrzeuglenker in schwierigen Fahrsituationen durch die neueste ESP-Variante von Bosch unterstützt, die mehrere Räder zugleich abbremsen kann. Für das Anfahren auf rutschigem Untergrund lassen sich ESP und ASR deaktivieren. Allerdings schalten sie sich automatisch wieder ein, sobald das Auto schneller als Tempo 50 fährt.

Deaktivieren, und zwar mit dem Zündschlüssel, lässt sich auch der Beifahrerairbag, wenn man vorn Kinder in Reboard-Sitzen mitnimmt. Übrigens sind die beiden Frontairbags im 607 nun adaptive Zweistufen-Airbags. Und dem Schutz vor Langfingern dient die ab Tempo 10 automatisch aktiv werdende Verriegelung von Türen, Tankdeckel und Kofferraumklappe.

Um den neuen V6-Turbodiesel im 607 unterzubringen, musste die Karosserie vorn um drei Zentimeter verlängert werden. So wirkt dieses nun 4,90 Meter lange Auto mit seinem langen Radstand von 2,80 Meter nun noch gestreckter. Zum dynamischeren Auftritt trägt auch bei, dass Peugeot die Lufteinlässe in der Frontschürze vergrößert, neue Nebelscheinwerfer mit Chromeinfassung integriert hat und Stoßfänger und Rammschutzleisten in Wagenfarbe lackiert. So präsentiert sich der 607 auf seinen 17 Zoll Leichtmetallrädern als respektable Limousine der gehobenen Klasse.

Das gilt auch für das Interieur mit seinem großzügigen Platzangebot vor allem auch im Fond. Hier unterstreichen Applikationen aus echtem Holz oder aus Aluminium auf Mittelkonsole und Türen den Premium-Anspruch dieser in den drei Ausstattungsversionen Premium, Sport und Platinum angebotenen Limousine, die übrigens bevorzugt in der Spitzenausstattung geordert wird. Neu beim Ausstattungsprogramm sind der kilometergenau einstellbare Geschwindigkeitsbegrenzer, Reifendrucksensoren mit Defektmelder für jedes einzelne Rad, die nun auch MP3-fähige Audioanlage RD4 mit Lenkradbedienung, CD-Spieler und Sechsfach-CD-Wechsler als Option. Wunschausstattungen sind eine Bluetooth-Schnittstelle für das Mobiltelefon sowie das Navigations- und Telematiksystem RT3 mit 7-Zoll-Farbdisplay und Sprachsteuerung.

Neue Wege geht Peugeot bei den Preisen. Die sind nun für vergleichbare Benzin- und Dieselversionen identisch. So kosten der Benziner Premium 160 und der Premium HDi FAP 135 jeweils 30 500 Euro und die Spitzenmodelle Platinum V6 210 Automatik und Platinum V6 HDi FAP 205 Automatik jeweils 42 200 Euro. Viel Geld für ein Auto – aber verglichen mit den Preisen der deutschen Konkurrenten sehr attraktive Angebote.

FAZIT

Mit dem neuen Sechszylinder Turbodiesel bringt Peugeot in der gehobenen Klasse künftig ein Angebot, das in dieser Klasse gute Chancen hat, auch bei uns in größeren Stückzahlen gekauft zu werden.

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