Projekt : Signale aus der Lokhalle

Wo früher Eisenbahnen repariert wurden, soll etwas Neues entstehen. Schöneberger Schüler haben Konzepte entworfen, die viel Kreativität bewiesen.

Deborah Hermanns

Besonders einladend wirkt das große Backsteingebäude der Lokhalle inmitten von wilder Natur nicht. Lauter Baulärm übertönt das Vogelgezwitscher. „Wie kann man Schönes in diese Halle bringen?“ Das hat sich auch Marisa, Schülerin der Riesengebirgsschule, gefragt, als sie die alte Lokhalle am Priesterweg in Schöneberg das erste Mal sah.

Im Rahmen eines Projekts des Jugendmuseums Schöneberg und der Bundeszentrale für politische Bildung fand dort im Sommer eine Woche lang ein Workshop zum Thema „Jugendliche planen an einem ungewöhnlichen Ort“ statt. Teilgenommen haben 50 Schüler der 8. und 9. Hauptschulklassen der Waldenburg- und der Riesengebirgs-Hauptschule.

Die Idee war, dass jeder Schüler ein eigenes Konzept darüber erstellen sollte, was er in Zukunft gerne in der Lokhalle sehen möchte. Im Anschluss an das Projekt sollten dann die einzelnen Vorschläge in einer kleinen Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Marisa hat sich während der sieben Tage Workshop eine Modewerkstatt in der eher tristen Halle eingerichtet und somit den Ort für sich zu etwas Lebendigem und Schönem gemacht. Für ihre Mode ließ sie sich von der alten Lokhalle und ihrer Umgebung, dem ehemaligen Rangierbahnhof, inspirieren.

Ihr Mitschüler Volkan hat sich die Tristheit und Kühle der Halle dagegen zunutze gemacht und sie in einen Ort der Wut verwandelt. Er brauche nicht noch ein Jugendzentrum, zugestellt mit Tischtennisplatten, Computern, und anderen Dingen, sagt er. Er wünscht sich lieber einen Ort der Leere, in dem er sich austoben und machen kann, was er will, wo keine Vorschriften herrschen. Andere Jugendliche wollen einen Box-Club einrichten.

Momentan wird das Dach und der Boden der denkmalgeschützten und leicht heruntergekommen 4000 Quadratmeter großen Halle inmitten des Naturparks auf dem Schöneberger Südgelände repariert. So viel steht fest: Hier wird wohl leider nie eine Konzerthalle oder ein Schwimmbad entstehen, wie einige der 14- bis 16-jährigen Schüler es sich wünschen, weil solche Unterfangen nicht mit den Denkmalschutzbestimmungen zu vereinbaren wären.

Aber warum nicht ein Museum für Lokomotiven? Das war der Vorschlag von Shara. „Oft ist es so, dass Gebäude ohne Geschichte rumstehen, und mich interessiert die Geschichte vor und nach dem Zweiten Weltkrieg sehr.“ Deswegen würde er hier gerne ein Museum über die Eisenbahn im 20. Jahrhundert einrichten. Genug Material gäbe es, vor der Halle stehen Lichtsignale und Weichen herum, als ob sie wie Müll weggeschmissen werden sollen.

Ein Eisenbahnmuseum hält auch Birgit Hägele, Mitarbeiterin des Jugendmuseums Schöneberg, für den besten Vorschlag. Sie findet, das Innenkonzept der Halle sollte ihre Umgebung, den leicht verwilderten Naturpark und ihre Vergangenheit als alter Bahnhof widerspiegeln.

Die Besucher der Ausstellung waren da allerdings anderer Meinung. Sie wählten die „Vielseitigkeitshalle“ von Aylen, Sabine und Ermine zur besten Idee. Die drei Jugendlichen hatten die verschiedensten Vorstellungen ihrer Mitschüler verknüpft: Neben zwei Kunst-Räumen, einem „Chillraum“, Toiletten und Imbiss wollen sie auch eine Sporthalle mit „aufklappbarer“ Bühne einrichten. Sodass dort in Zukunft am Nachmittag eifrig Fußball gspielt werden kann und am Abend nach einem kleinen Imbiss die Nachwuchskünstler der Stadt auf der Bühne ihr Bestes geben können.

Diese Aufteilung der Halle in mehrere verschiedene Räume fand bei den Besuchern am meisten Zustimmung, doch ob das Konzept der „Vielseitigkeitshalle“ auch in die Tat umgesetzt werden wird, ist fraglich.

Ende des Jahres werden sich erstmal alle Beteiligten am runden Tisch zusammenfinden, und danach wird hoffentlich endlich feststehen, was mit der Lokhalle in Zukunft passieren soll.

Die Ausstellung „Zukunft Lokhalle“ ist am S-Bahnhof Priesterweg ist noch bis zum 11. November zu sehen; samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr

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