Schule : Reifen, Bremsen, Motoröl …

Vor dem Start in den Frühling sollte das Motorrad durchgecheckt werden

Gideon Heimann

Wenn der Zeiger des Thermometers um die Zehngradmarke spielt, dann geht’s auch wieder auf zwei Rädern los. Aber Vorsicht: Das Mopped hat die kalte Jahreszeit in der Garage verbracht, ein paar wichtige Handgriffe sind vor dem Start also notwendig. Einiges sollte man sich genauer ansehen, um die Verkehrstüchtigkeit sicherzustellen.

Wenn das Reifenprofil am Ende ist, kann das auch ein Laie feststellen. Wer dann noch weiter fährt, schreit geradezu nach einem Unfall, denn der Abstand zum Gewebe des Reifengürtels ist gering. Hier zu sparen wird schnell gefährlich. Doch selbst dann, wenn die Profiltiefe noch ausreicht, kann ein Reifen zerstört sein. Denn das Material altert und die UV-Strahlung der Sonne ist für Gummi nicht gesund; es entstehen Risse an der Lauffläche und den Flanken. Bei höherer Belastung des Fahrzeugs und bei höherem Tempo – wenn die Walkarbeit zunimmt – können sich im Extremfall Teile der Decke lösen.

Einen höheren Reifenverschleiß nimmt auch in Kauf, wer den Reifendruck zu selten prüft. Vorsichtige rollen ein Mal pro Woche an die Box, um gegebenenfalls in den Schlauch zu pusten. Zum Abschluss wird die Ventilkappe auf sicheren Sitz kontrolliert. Nun sind wir schon an den Rädern, da können wir auch die Felgen prüfen. Gussfelgen reagieren auf harte Stöße besonders empfindlich, etwa beim Hinaufhoppeln auf den Bordstein. Schon leichte Risse können gefährlich werden, vor allem dann, wenn schlauchlose Reifen montiert sind. Speichenfelgen sollten auf richtige Spannung kontrolliert werden. Schlägt man leicht mit einem Schraubendreher dagegen, machen sich lockere Speichen schon am Klang bemerkbar. Das korrekte Nachziehen freilich ist keine Arbeit für den Laien.

Genauso wichtig sind die Bremsen . Dass die Vertragswerkstätten bei notwendigem Ersatz die Originalbeläge des Herstellers empfehlen, dürfte nicht verblüffen. Sie sind teurer als No-Name-Produkte aus dem Zubehörhandel, aber wenn es um die Haftung für Material, Arbeit und mögliche Folgen geht, sollte man gerade daran besser nicht sparen.

Ähnliche Sorgfalt gilt der Bremsflüssigkeit . Sie nimmt im Lauf der Zeit Wasser aus der Luft auf. Damit sinkt der Siedepunkt, was bei kräftigerem Bremsen im Gebirge die Bremswirkung bis auf Null verringern kann. Wasserhaltiger Bremssaft schützt auch nicht mehr vor Korrosion in den Bremszylindern an Hebel und Zangen. Alle zwei Jahre ist Ersatz notwendig, was nichts für Laienhand ist.

Selbst Bremsschläuche halten nur wenige Jahre. Wenn das Material altert, wird es dabei flexibler, nimmt mehr Druck auf. Dies wiederum führt zu einem weicheren, schwammigeren Druckpunkt. Im Extrem schlägt der Schlauch „Blasen“, die Hebel lassen sich bis zum Anschlag ziehen, ohne dass es zur gewünschten Verzögerung kommt. Also weg damit.

Jetzt sollten wir auch noch die Gabel genauer untersuchen. Wenn die Simmerringe der Teleskope futsch sind, treten erst leichte, dann immer stärker werdende Ölschlieren auf. Hervorgerufen werden Schäden an den Dichtungen durch Alterung, lange Standzeiten („austrocknen“), aber auch rein mechanisch durch Schmutzablagerungen.

Nun ein Test für die Gabelkopflager . Diese beiden Lager bilden die Verbindung zwischen Gabel und Rahmen, wobei das Motorrad eben auch leicht lenkbar bleiben muss. Da die meiste Zeit geradeaus gefahren wird, schlagen sich dort nach einigen Jahren winzige Kerben ein, die beim Drehen des Lenkers anfangs als sanftes Einrasten zu spüren sind. Dumm, wenn in Kurven Feingefühl verlangt ist, und dann eine solche Raste klemmt.

Der Fachmann muss nicht nur diesen Fehler ertasten können, er soll auch untersuchen, ob das Lagerspiel korrekt eingestellt ist. Letzteres ist bestimmt der Fall, wenn’s vorn beim Bremsen schon hörbar knackt. Um Kerben zu entdecken, wird das Mopped auf den (hoffentlich vorhandenen) Hauptständer gestellt und hinten hinunter gedrückt, bis das Vorderrad in der Luft hängt. Beim Drehen der Gabel lassen sich die Mängel erspüren.

Jetzt nehmen wir uns den Antrieb vor, untersuchen Kette und Ritzel . Diese Teile halten bei vernünftiger Fahrweise und ausreichender Pflege so etwa 25 000 Kilometer. Verschleiß erkennt man an der Form der Ritzel-Zähne: Je spitzer sie sind, desto näher rückt der Austausch. Und wenn es noch nicht so weit ist, kann eine ordentliche Reinigung mit anschließendem Einfetten nicht schaden.

So, jetzt wird der Motor innerlich auf Hochglanz gebracht. Eigentlich sollten Öl und Filter ja schon im Herbst gewechselt werden, aber das hatten wir wieder vergessen... Wird das Getriebe gesondert geschmiert, sollte auch hier alle zwei Jahre neuer Saft hinein. Bei Kardan-Maschinen ist noch das Winkelgetriebe am Hinterrad zu beachten.

Nun kontrollieren wir auch gleich alle Glühlampen , die leben ja auch nicht ewig. Sind sie bereits dunkel angelaufen, sollten sie sofort raus. Überhaupt sind manche Leuchtkörper so schwer zu erreichen (Tacho, Drehzahlmesser, Kontrollkonsole), dass man, wenn man schon dran ist, besser überall neue Teile einbaut. Sehr wichtig in dem Zusammenhang: die Funktion des Bremslichts.

Wem das alles zu aufwändig erscheint, der sollte sich schon längst einen Termin bei seiner Werkstatt beschafft haben. Denn eines ist klar: Sobald der erste Sonnenstrahl durch die Wolken dringt, wachsen die Schlangen all jener vor den Tresen, die wieder mal alles verpasst haben, nun aber sofort bedient werden wollen.

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