Reinickendorf : Asbest-Sanierung bis August

Die im September geschlossene Erpelgrund-Grundschule wird nun doch asbestsaniert. Die Bauarbeiten sollen zum nächsten Schuljahr abgeschlossen sein. Eltern fordern jedoch ein weiteres Schadstoff-Gutachten.

von

Krebserregender Asbest in Schulen schien ein Thema der 1980er Jahre gewesen zu sein – im September jedoch wurde der Stoff an der Reinickendorfer Erpelgrund-Schule entdeckt. Bei Bauarbeiten stieß man in dem Gebäude aus den 70er Jahren auf einen Abzugsschacht, der mit asbesthaltigem Material ummantelt war. Die Schule wurde vorerst geschlossen, rund 180 Grundschüler zogen in eine benachbarte Realschule. Nun findet der Fall auch überregionale Beachtung: Am Montag sendet der WDR einen Beitrag zum Thema „Asbest – ein Schadstoff kehrt zurück“, in dem auch über die Erpelgrund-Schule und den Umgang mit Asbest im Bezirk berichtet wird.

„Die Schließung der Schule im September war eine vorbeugende Maßnahme“, sagt Schulstadträtin Katrin Schultze- Berndt (CDU). Raumluftmessungen hätten keine erhöhten Asbestwerte gezeigt. Momentan werde festgelegt, wie die Schadstoffe beseitigt werden könnten. Ziel sei, die Sanierung der Schule im August abgeschlossen zu haben, so dass der Betrieb pünktlich zum neuen Schuljahr wieder aufgenommen werden kann.

Dann soll auch die geplante Fusion der Erpelgrund-Schule mit der benachbarten Heiligensee-Grundschule in trockene Tücher gebracht werden. Der Streitpunkt bei der Fusion: Der gemeinsame Unterricht soll künftig im Gebäude der Erpelgrund-Schule stattfinden. Zwar war dieses Gebäude in den 1980er Jahren schon einemal asbestsaniert worden. „Den Eltern hat das aber nicht gereicht“, sagt Andrea Behncke, Vorsitzende des Gesundheitsausschusses der Gesamtelternvertretung an der Heiligensee-Grundschule. Sie schickten einen eigenen Gutachter ins Gebäude – und lagen mit ihren Befürchtungen offenbar richtig.

Die Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt sei, nachdem die Schule erst einmal geschlossen war, besser als in den Monaten zuvor, sagt die Elternvertreterin der Heiligensee-Schule Brigitte Kenn: „Man gibt sich Mühe.“ Dennoch gebe es weiterhin Unstimmigkeiten. So fordern die Eltern ein generelles Schadstoffgutachten für das Gebäude der Erpelgrund-Schule, um auch die Belastung mit weiteren Schadstoffen wie Dioxin oder PCB auszuschließen. Bislang sei der Bezirk dieser Aufforderung noch nicht nachgekommen. Außerdem, so Kenn, entferne das Bezirksamt nun offenbar nur schwach gebundenen Asbest aus der Schule – fest gebundener jedoch bleibe im Gebäude. Davon aber gebe es jede Menge. „Wir richten uns bei der Entfernung nach einer bundesweit gültigen Asbestrichtlinie“, sagt Stadträtin Schultze-Berndt. Demnach sei fest gebundener Asbest im Gebäude unter Umständen weiter möglich, etwa in Feuerschutztüren. Es gebe einige Eltern, sagt Kenn, „die sagen: Solange Asbest im Gebäude ist, schicke ich meine Kinder nicht dorthin.“

Baugleiche Schulen, so Schultze- Berndt, seien mittlerweile von einem Gutachter überprüft worden, dort sei kein Asbest gefunden worden. Ein neuer Fall ist jedoch bereits aufgetaucht: Kurz vor den Winterferien wurde ausgerechnet in der Haushofer-Realschule, an die die Erpelgrund-Kinder vorübergehend ausquartiert wurden, schwach gebundener Asbest gefunden: Verarbeitet in Pappen unter Fensterbrettern. In der Ferienwoche wurden die Pappen entfernt. „Dort ist nun alles raus“, sagt Schultze-Berndt. „Diese Sanierung ist abgeschlossen.“

Patricia Hecht

„Asbest!“, 22.2., WDR, 22 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar