Reinickendorf : CDU verhinderte Gemeinschaftsschule

Die Reinickendorfer CDU verhinderte eine Fusion der Hannah-Höch- und der Greenwich-Schule. Die Eltern luden zum Streitgespräch.

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Am Ende tat Dietgard Salein (CDU) sogar den anwesenden SPD-Mitgliedern ein bisschen leid. War sie doch am Dienstagabend in der Hannah-Höch-Schule ganz offensichtlich der Buhmann. Die Reinickendorfer Politikerin hatte vor wütenden Lehrern und Eltern der Hannah-Höch- und der Greenwich-Schule das zu begründen, was ihre Parteifreundin, Bildungsstadträtin Katrin Schultze-Berndt, durchgesetzt hatte: Dass die beiden Schulen, die im Märkischen Viertel direkt nebeneinander liegen und kooperieren wollen, nicht zur Gemeinschaftsschule „Campus Hannah Höch“ fusionieren dürfen.

„Natürlich war das eine politische Entscheidung“, sagte Salein. Als CDU sei man eben nicht überzeugt von der Gemeinschaftsschule. Ein Raunen ging durch die Mensa, erste Zwischenrufe wurden laut. Salein hatte ausgesprochen, was für Eltern und Lehrer ohnehin offensichtlich war: Nicht inhaltliche Gründe sind entscheidend für die Blockade, sondern ideologische. Reinickendorf ist der einzige der zwölf Berliner Bezirke, in dem es noch keine Schule gibt, in der Kinder von der 1. bis zu 13. Klasse zusammen lernen. „Hätten wir es gekonnt, hätten wir die Gemeinschaftsschulen in den anderen Bezirken genauso verhindert“, sagte Salein.

Seit die Bezirksverordnetenversammlung im Februar mit CDU-Mehrheit den Antrag der Schulen auf Fusion abgelehnt hat – gegen das Votum des Bezirksschulbeirates, des Bezirkselternausschusses, der Lehrer und der Elternvertreter beider Schulen, die mehr als 400 Unterschriften gesammelt hatten –, kämpfen Eltern und Lehrer für die Gemeinschaftsschule. Am Montagabend hatten sie zur Podiumsdiskussion mit Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) eingeladen, moderiert von Helmut Hochschild, der 2006 als Retter der Rütli-Schule von sich reden machte. Die CDU-Bildungsstadträtin nahm an der Diskussion nicht teil – Salein zufolge war sie krank; tatsächlich hatte Schultze-Berndt den einladenden Eltern schon vor 14 Tagen schriftlich abgesagt.

Zöllner gab sich erstaunt über die Haltung der CDU. Er habe sich gedacht, „na ja, wenn du hinfährst, vielleicht trägst du dazu bei, dass die Gräben etwas flacher werden“. Aber nun höre er, es sei eine politische Entscheidung. Zöllner betonte die Vorteile des gemeinsamen Lernens, die auch durch Studien belegt seien. Er lehne den konsequent dreigliedrigen Ansatz ab. Auch Landeselternsprecher Günter Peiritsch äußerte Unverständnis. Ab sofort werde sich der Landeselternausschuss für das Projekt stark machen, versprach er.

Und die CDU? Salein versprach am Ende der hitzigen, aber fairen Debatte immerhin, die Diskussion erneut „in die Fraktion zu tragen“. Besser als gar nichts, sagten einige Zuhörer.

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