Schule : Reise-Riese

Mit dem Rodius bringt der koreanische Hersteller Ssang Yong eine Van-Limousine nach Europa

Roland Koch

Die erste Begegnung mit dem neuen Auto aus Korea mutet – na, sagen wir es mal ganz ehrlich – etwas merkwürdig an. Das Raumschiff namens Rodius kommt im extravaganten Blechkleid daher: Und das will nun wirklich mit allem brechen, was europäischen Designvorstellungen entspricht. In der Seitenansicht wird das am deutlichsten. Auf Höhe der B-Säule teilt sich die Linienführung in zwei Richtungen. Eine Linie erstreckt sich bogenförmig abfallend in Richtung Heck. Eine zweite Linie führt nahezu waagerecht weiter und bricht dann rechtwinklig ab. Was das sein soll, erklärt die hauseigene Bezeichnung: Van-Limousine – alles in allem 5,12 Meter lang. Großraum-Autos wie dem Grand Voyager von Chrysler oder dem Grand Espace von Renault soll er Konkurrenz machen.

In Korea besitzt der Hersteller des Rodius, der Allradspezialist Ssang Yong, zehn Prozent Marktanteil. Hierzulande dürfte die Marke eher unbekannt sein. Gerade einmal 450 Autos haben die Koreaner im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft. In diesem Jahr sollen es 1300 werden. Allerdings muss man dazu sagen, dass Ssang Yong auch erst seit Ende 2003 wieder auf dem hiesigen Markt ist. Wieder? Ja, einen ersten Versuch gab es bereits in den Neunziger Jahren. Der wurde 1999 nach Schwierigkeiten mit dem Importeur abgebrochen. Jetzt soll es das rheinische Unternehmen Kroymans richten. Derzeit gibt es ein Händlernetz von 70 Partnern, das soll bis Mitte 2006 auf 120 Partner ansteigen.

Doch nicht nur die Zahl der Händler wächst, auch die Modellpalette ist mit dem Rodius größer geworden. Also: Eine Van-Limousine. Was ist das? Zunächst einmal bietet dieses Auto Platz für sieben Personen plus reichlich Gepäck, genauer gesagt 875 Liter bei voller Besetzung. Damit ist der Rodius ein echter Lastesel. „Wir glauben, dass er für Familien, für Handwerker oder auch als Shuttle-Fahrzeug etwa für Hotels interessant ist“, sagt der Geschäftsführer Deutschland Jürgen Schmitz. „Für solche Einsätze bietet er genug Raum und Flexibilität.“

Und damit sind wir bei der nächsten Stärke des Autos. In der zweiten Sitzreihe, direkt hinter Fahrer und Beifahrer, sind zwei weitere Einzelsitze angeordnet. Sie lassen sich je auf einer eigenen Schiene nach vorn und hinten verschieben und auf Wunsch auch drehen. So können die Passagiere dort den Fahrgästen der dritten Reihe zugewandt oder alle hintereinander sitzen. Baut man alle Bänke aus, ergibt sich ein Laderaum von über 3000 Litern.

Die Hinterräder des Rodius werden von einem Mercedes-Benz-Motor, dem 2,7-Liter-Fünfzylinder-Turbodiesel angetrieben. Ssang Yong hat ihn für seine Fahrzeuge modifiziert. Herausgekommen sind 120 kW (163 PS), die völlig ausreichen, um den Rodius flott voranzubringen. In der Schaltversion benötigt er 13,5 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 169 km/h angegeben.

Hat man sich vom äußeren Erscheinungsbild nicht abschrecken lassen und auf den bequemen Sitzen Platz genommen, hält auch das Cockpit so manche Überraschung parat. Die Materialien wirken nicht luxuriös, aber durchweg hochwertig, und sie sind sauber verarbeitet. Der Blick zu Tacho und Drehzahlmesser allerdings geht erst einmal ins Leere – zumindest, wenn man sie hinter dem Lenkrad sucht. Dort sind lediglich einige Funktionslämpchen angebracht. Was dort üblicherweise zu finden ist, Geschwindigkeits- und Drehzahlmesser, Temperatur- und Tankanzeige, ist zwischen Fahrer- und Beifahrersitz oberhalb des Radios platziert. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig.

Die erhöhte Sitzposition und die großzügigen Fenster rundum bieten jedoch eine gute Sicht, das Fahrwerk den Komfort einer Limousine. Mit der hohen Karosserie von 1,82 Metern neigt der Rodius zu deutlichem, seitlichem Schaukeln bei Spurwechseln oder in Kurven. Auch ist er als Selbstzünder von den Insassen deutlich als solcher wahrnehmbar und er erfüllt erst die Abgasnorm Euro III. In wenigen Wochen soll allerdings ein Partikelfilter-Nachrüstsatz verfügbar sein, mit dem er dann auch Euro IV erfüllt. Der Verbrauch ist mit knapp neun Litern angegeben, was in Kombination mit dem 80-Liter-Tank eine ordentliche Reichweite verspricht.

Die Serienausstattung der Grundversion ist bereits recht üppig bestückt – unter anderem mit Klimaanlage, Zentralverriegelung und elektrischen Fensterhebern. Die hochwertigere „S-Ausstattung“ bietet überdies Lederpolster, einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz oder 16-Zoll-Leichtmetallräder. Optional gibt es Allradantrieb oder ESP. Aber auch, wenn man das wählt, liegt der Preis des Rodius erst bei rund 30 000 Euro. Der Einstieg beginnt bei 24 900 Euro. Dafür bekommt man ein riesengroßes Reisefahrzeug, für das man bei der Konkurrenz etliche Tausender mehr auf den Tisch legen muss – vorausgesetzt man kann sich mit fernöstlicher Ästhetik anfreunden.

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