Reizthema Schulessen : Berliner Schülern schmeckt's bestenfalls "ganz gut"

"Pappig", "matschig" oder "ganz gut" – an der Max-von-Laue-Sekundarschule gehen die Meinungen über das Schulessen auseinander. Die zuständigen Caterer haben den Anspruch, ein "ausgewogenes und leckeres" Essen anzubieten.

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Schmeckt´s? An fast allen Sekundarschulen gibt es Mittagessen. Doch nur wenige Schüler sind wirklich zufrieden mit dem Angebot.
Schmeckt´s? An fast allen Sekundarschulen gibt es Mittagessen. Doch nur wenige Schüler sind wirklich zufrieden mit dem Angebot.Foto: David von Becker

Die Currywurst mit den Kartoffelecken und der Ketchupsoße ist der Renner: Die meisten Jugendlichen der Steglitzer Max-von-Laue-Sekundarschule haben sich für dieses Angebot des Caterers „Drei Köche“ entschieden – laut Speiseplan des Unternehmens ein „ausgewogenes und leckeres“ Essen.

„Mir hat die Wurst ganz gut geschmeckt“, sagt ein Mädchen. Die Kartoffelecken seien hingegen nicht ganz durch gewesen. „Das mit den Kartoffeln ist hier leider öfter so“, ergänzt ihre Klassenkameradin, die gerade die letzten Bissen des schweinefleischfreien Angebots „Multi Kulti Efendi“ auf ihre Gabel spießt – das wie die Currywurst zwei Euro kostet. Enthalten sind Fischwürfel mit Paprikasoße und Bio-Reis. „Vom Fisch habe ich kaum was gemerkt“, sagt die Schülerin. „Ich bestelle hier kein Essen, es schmeckt mir einfach nicht“, sagt ein anderes Mädchen.

Die 102 Siebtklässler sind der erste Jahrgang, der die Laue-Schule als Sekundarschule nutzt. Wie alle Sekundarschulen läuft sie im Ganztagsbetrieb und muss den Schülern deshalb auch ein warmes Mittagessen anbieten. Für Rektor Günther Schrenk gehört die gemeinsame Mittagspause fest zum Schulalltag dazu: „An unserer Schule nehmen alle Siebtklässler in der Mittagspause im Essensraum Platz“, sagt er. Täglich essen 85 bis 95 von ihnen das warme Mittagessen – eine Beteiligung, die nur wenige Caterer und nur wenige Schulen vorweisen können. „Wer nicht beim Caterer bestellt, kann hier aber auch essen, was er von zu Hause mitgebracht hat“, ergänzt Schrenk.

Bis die neue Mensa fertig ist, wird das Essen schon warm angeliefert. „Manchmal ist es sehr pappig oder matschig“, sagt ein Junge, der gerade in den Essensraum gekommen ist. „Aber ich esse hier, weil meine Eltern keine Zeit haben, mir etwas vorzukochen.“ In der Schule schmecke es aber leider nie so gut wie zu Hause. Die Siebtklässler haben insgesamt 55 Minuten Mittagspause. Ein Junge, der gerade ein Gericht namens „Bio-Landkoch“ für 2,20 Euro gegessen hat – gedünsteten Blumenkohl in heller Soße mit Salzkartoffeln – kritisiert, dass die Soßen häufig Fertigprodukte seien, und das Essen oft nicht gut gewürzt.

Diese Kritik bekommt auch Christoph Walter regelmäßig zu hören: Der Schüler sitzt dem Verein „Gesunde Schulverpflegung“ vor, der von Mitgliedern der Bundesschülerkonferenz gegründet wurde und sich deutschlandweit für gutes Schulessen engagiert. „Neulich hatten wir eine Berliner Mutter am Telefon, die sich über Haare im Schulessen beschwerte“, sagt Walter. Ältere Schüler störten sich vor allem am fehlenden Ambiente: „Essen hat schließlich auch etwas mit Lust zu tun.“

Wie berichtet, essen Schüler mit zunehmendem Alter immer seltener in der Schulmensa. Das bestätigen viele Caterer – zum Beispiel das Unternehmen „Sodexo“, das in mehreren Befragungen ermittelt hat, dass sich Oberstufenschüler vom Schulessen mehr Flexibilität und keine festgelegten Menüs wünschen. Und die Mahlzeiten nicht Tage im Voraus bestellen wollen.

Abnehmendes Interesse am warmen Essen bestätigt auch eine Befragung der AOK und des Vereins „Vernetzungsstelle Schulverpflegung“. Dabei steigt in Berlin die Zahl der Ganztagsschulen – und die Zeit, die Kinder und Jugendliche in der Schule verbringen. Laut Bildungsverwaltung steht bereits in allen Grundschulen eine Essensversorgung für außerunterrichtlich betreute Schüler zu Verfügung. Und auch berufliche Oberstufenzentren verfügen über Mensen und Cafeterien. 97 Prozent der Sekundarschulen machen bereits Mittagessensangebote.

Neben den Berliner Ganztagsgymnasien sollen laut Senatsbildungsverwaltung „perspektivisch“ auch alle anderen Gymnasien mit ausreichenden Essensmöglichkeiten ausgestattet werden – auch mit Unterstützung des Konjunkturpakets II. Genaue Zahlen hat die Verwaltung dazu nicht. Die konkrete Ausgestaltung sei „Aufgabe der Schulträger“.

Weiter verbreitet als in den Westbezirken ist die Kultur des Schulessens in den Ostbezirken. Das bestätigt auch die Befragung der AOK. „Wir bieten schon lange ein warmes Mittagessen an“, sagt Detlef Schmidt-Ihnen, Schulleiter des Lichtenberger Barnim-Gymnasiums. Das ist formal gesehen keine Ganztagsschule, macht den Schülern aber täglich Freizeitangebote. „Rund 300 von 950 Schülern essen bei uns täglich warm zu Mittag.“

Doch auch hier sinkt die Nutzung mit dem Alter– und die Schüler sind nicht immer zufrieden mit der Qualität des Caterers „Sodexo“. „Ich esse hier schon seit einigen Jahren nicht mehr“, sagt der Zehntklässler Florian. Weil die Wartezeit lang sei – und die Soßen oft mehlig. „Die Nudeln sind gut hier, die Aufläufe aber oft nicht mehr identifizierbar“, ergänzt eine Klassenkameradin.

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