Reverse Culture Shock : Heimweh nach der Fremde

Ist das Austauschjahr vorbei, fällt die Rückkehr oft schwer. Der sogenannte Reverse Culture Shock ist bei Austauschorganisationen längst kein Geheimnis mehr. Was tun gegen Heimweh nach der Gastfamilie? Tipps für Schüler und Eltern

Lea Sibbel
Das Wiedereinleben zu Hause ist genauso schwierig wie das Einleben im Gastland. Reverse Culture Shock nennen Experten das Phänomen.
Das Wiedereinleben zu Hause ist genauso schwierig wie das Einleben im Gastland. Reverse Culture Shock nennen Experten das...Foto: imago

Zu Beginn des Austauschjahres lauert der Kulturschock – genau wie an dessen Ende. Denn in der vertrauten Heimat wieder anzukommen, fällt Jugendlichen oft schwer. „In Deutschland sind alle so direkt“, merkte Nina Liebe, als sie von einem zehnmonatigen Schüleraustausch in Japan wiederkam. „Irgendwie erschreckt einen das ein bisschen.“

Der sogenannte Reverse Culture Shock ist bei Austauschorganisationen längst kein Geheimnis mehr. „Im Prinzip ist das Wiedereinleben hier genauso schwierig wie das Einleben im Gastland“, sagt Constanze Baarlage von der Austauschorganisation Travelworks in Münster. Denn während im Leben von Freunden und Verwandten oft nicht viel passiert ist, hat man selbst so unglaublich viel erlebt.

Wichtig ist dann das Gespräch mit Gleichgesinnten, etwa in Nachbereitungskursen. Oder man hilft, angehende Austauschschüler auf ihren Aufenthalt vorzubereiten: Denn bei ihnen stoßen Heimkehrer statt auf Desinteresse oder Unverständnis auf große Neugier. Beim Voltaire- Programm des Deutsch-Französischen-Jugendwerks (DFJW) werden ein deutscher und ein französischer Schüler zusammengebracht und verbringen je sechs Monate in Deutschland und in Frankreich. So können sie sich sehr intensiv über ihre Erfahrungen austauschen.

Eltern, deren Kinder sich lautstark zurück in die Gastfamilie wünschen, rät Baarlage, geduldig zu sein und dem Nachwuchs Zeit zum Erzählen zu geben. Beobachteten sie eine Anti-Haltung nach dem Motto „Da war alles besser“ sollten sie an das Positive zu Hause erinnern. Nina Liebe musste sich zum Beispiel daran gewöhnen, „wieder mehr selber zu machen, denn in japanischen Gastfamilien wird man sehr umsorgt“. Zum Reverse Culture Shock gesellt sich dann oft noch ein anderes bekanntes Gefühl: Heimweh – diesmal nach der Gastfamilie. (dpa)

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