Rotes Rathaus : Mit der Bildung geht es keinen Milimeter voran

Beim Bildungskongress im Roten Rathaus hatte Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD) neue Schreckensmeldungen parat

Susanne Vieth-Entus

Dauerkranke Lehrer, fehlende Sonderpädagogen, baufällige Gebäude, schlechtes Kantinenessen – das ganze Spektrum des Berliner Schulleidens wurde thematisiert, als Eltern, Schüler und Rektoren aus Berlins Mitte am Sonnabend zum Bildungskongress ins Rote Rathaus luden. Über lange Strecken konnten Zuhörer den Eindruck gewinnen, dass es seit dem Dezember-Brandbrief der Mitte-Schulleiter keinen Millimeter vorangegangen ist.

Schlimmer noch: Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD) hatte gleich neue Schreckensmeldungen parat – über weitere Einsparungen, die auf die Bezirke zukommen. Sogleich wusch er aber in aller Öffentlichkeit seine Hände in Unschuld, indem er beteuerte, er sei „zutiefst enttäuscht“ über die Ressourcenverteilung durch Bildungssenator Jürgen Zöllner.

Angesichts Hankes zur Schau getragener Schuld- und Hilflosigkeit konnte man fast vergessen, dass der ehemalige Lehrer Vizevorsitzender der SPD ist, die nicht nur den Bildungs- und Finanzsenator stellt, sondern auch den Regierenden Bürgermeister. Man konnte auch fast übersehen, dass sich während Hankes Amtszeit die finanziellen Spielräume im Bezirk auch dadurch drastisch reduziert haben, dass trotz Schülerschwunds keine Schulen zugemacht wurden.

„Hanke hätte mehr Selbstkritik üben können“, befand anschließend nicht nur der Leiter der Heinrich-von-Stephan- Schule, Jens Großpietsch, der bald das Weite suchte. Etwas Gutes hatte der Bildungskongress aber doch: Eltern und Schulen sind enger zusammengerückt, haben jenseits von GEW und Schulleiterverbänden eine gemeinsame Sprache gefunden. Ein guter Anfang.

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